So laufen die Booster-Impfungen in Oldenburg

Artikel vom 13.11.2021

Anja Biewald

So könnten zukünftige Impfaktionen aussehen: Mobile Impfteams bieten – wie bei dieser Aktion im Oktober im Alten Rathaus – Impfungen ohne Termin an. Bild: Sascha Stüber

Die Anfragen für Drittimpfungen bringen die Oldenburger Arztpraxen an ihre Belastungsgrenzen. Nicht jeder, der einen Termin möchte, bekommt einen. Bald soll aber ohne Termin geimpft werden

Die Telefone in den Oldenburger Arztpraxen laufen heiß. Was die meisten Anrufer wollen: einen Termin für eine Corona-Booster-Impfung. Viele bekommen ihn – mehr oder weniger zeitnah. Andere werden vertröstet oder gehen leer aus. Und die Welle der Impfwilligen, die jetzt auf die Arztpraxen zurollt, baut sich gerade erst auf.

Die Stiko-Empfehlung

Geht es um die Vergabe von Impfterminen, halten sich die Oldenburger Ärzte an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko): „Einerseits aus haftungsrechtlichen Gründen, aber auch wegen der Sinnhaftigkeit. Sonst sind wir wieder da, wo wir mit den Impfungen schon einmal waren: Wer am lautesten ist, wer am schnellsten ist und wer am meisten Befürchtungen hat, der drängelt“, sagt dazu Dr. Volker Nüstedt, Vorsitzender des Ärztevereins Oldenburg.

Die Stiko empfiehlt die Auffrischimpfung derzeit für Personen ab 70 Jahren und für bestimmte Indikationsgruppen sowie Personen, die mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft worden sind. Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg der Kassenärztlichen Vereinigung: „Ich gehe davon aus, dass die Stiko in Kürze die Empfehlung für eine Booster-Impfung für alle Geimpften geben wird. Vielleicht schon in der kommenden Woche.“ Dabei ist Scherbeitz ein Punkt wichtig: „Nur weil die Impfung sechs Monate her ist, ist der Impfschutz nicht weg. Der Booster sollte frühestens sechs Monate nach Zweitimpfung erfolgen.“

Die Lage in den Praxen

Die Booster-Impfungen in den Oldenburger Praxen laufen. Da die Impfstoffe mit zwei Wochen Vorlauf bestellt werden müssen und nur im 6er Pack erhältlich sind, müssen Impftermine geplant werden, so Volker Nüstedt. Und das neben dem normalen Praxisbetrieb, zu dem im Moment viele Patienten mit Erkältungen, die Infektionssprechstunde und Grippeimpfungen gehören.

Nüstedt: „Das bringt uns trotz Personalaufstockung an die Grenze der Leistungsfähigkeit. Eine komplette Booster-Impfung der gesamten Geimpften können wir in den Praxen definitiv nicht bewältigen.“ Das sieht auch Scherbeitz so: „Man kann die Ärzte damit nicht alleine lassen. Wir brauchen mehr mobile Impfteams.“

Die Impf-Strategie

Mobile Impfteams sollen nicht nur in Altenheimen zum Einsatz kommen, sondern für öffentliche Impfaktionen zur Verfügung stehen, bei denen sich Leute ohne Termin ihre Impfung holen können, findet Helmut Scherbeitz: „Wir müssen die Personen erreichen, die beim Hausarzt nicht schnell geimpft werden können.“ Die KVN habe die Bereitschaft der Ärzte, die vorher im Impfzentrum aktiv waren, sich bei mobilen Impfteams einzubringen, aktuell abgefragt: „Die sind dabei.“

Die mobilen Impfteams werden von der Stadt Oldenburg im Auftrag des Landes betrieben. Die bereitet aktuell den Einsatz eines Impfteams vor, das „an festen Standorten im Stadtgebiet an festen Tagen eingesetzt wird und Impfungen – auch Drittimpfungen – anbietet“, so Stadtsprecher Stephan Onnen. Einsatzorte und -zeiten werden derzeit abgestimmt und in Kürze bekanntgegeben. Was aber noch fehlt: Die Erweiterung des Erlasses aus dem Sozialministerium, der diese Einsätze möglich macht. „Nichtsdestotrotz bereiten wir uns intensiv darauf vor“, so Onnen.

DER WEG ZUM IMPFARZT

Wer beim Hausarzt keinen Termin für eine Corona-Schutzimpfung bekommt aber eine andere Arztpraxis sucht, die freie Impftermine hat, kann über das Portal Arztauskunft Niedersachsen fündig werden.

Das müssen Sie tun: Unter www.arztauskunft-niedersachsen.de öffnet sich eine Maske mit verschiedenen Suchkriterien. Dort muss im Feld „Wo“ der Ort oder die Postleitzahl eingegeben werden und im Feld „Besonderheiten“ muss „Corona-Impfung“ ausgewählt und auf „übernehmen“ geklickt werden. Dann erscheint die Liste mit den Arztpraxen, die derzeit freie Impf-Kapazitäten haben. Im Umfeld von zehn Kilometern rund um die Oldenburger City wurden hier am Dienstag 20 Praxen gelistet, die kontaktiert werden können.


 

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