Unternehmen wollen nachhaltiger werden

Artikel vom 01.12.2021

Christoph Kiefer

Annäherung (von links): Prof. Dr. Jörn Hoppmann, Uni Oldenburg, Moderatorin Bianca von Husen und Büfa-Chef Felix Thalmann diskutieren im „Core“ über Nachhaltigkeit. Bild: Manfred Scholz/Oeins 

 

Wie viele politische Vorgaben und Druck braucht die Wirtschaft auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit? Büfa-Chef Felix Thalmann will nur einen Rahmen. Wirtschaftsprofessor Hoppmann reicht das nicht.

Nachhaltigkeit unter besonderer Beobachtung. Verhindert ihr Profit-Streben den Umbau zu ökologisch sinnvolleren Produktionsmethoden? Professor Dr. Jörn Hoppmann, der an der Universität Oldenburg Management mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit lehrt, sieht in guten Profiten mit alten Technologien zumindest eine Gefahr. „Politischer und sozialer Druck“ seien auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit sinnvoll, sagte der Wirtschaftsprofessor bei einer Diskussionsveranstaltung der Universitätsgesellschaft zum Thema Nachhaltigkeit im Innovationszentrum Core in Oldenburg.

Spielraum

Der Chef des Oldenburger Chemieunternehmens Büfa, Felix Thalmann, ist skeptisch. Die Politik müsse Unternehmen einen Rahmen vorgeben, mehr nicht. „Denn wir brauchen Spielraum für innovative Lösungen.“ Der Unternehmenschef setzt auf Selbstverpflichtungen.

Hoppmann verweist dagegen auf gute Erfahrungen mit politischen Eingriffen – zum Beispiel den Aufbau einer Solarindustrie durch finanzielle Anreize. Oder die sogenannten Flottengrenzwerte der EU, die den Umbau der Autoindustrie zu E-Mobilität förderten.

Die Frage der Moderatorin Bianca von Husen (Sender Oeins), ob die Wirtschaft nicht schrumpfen müsse, um nachhaltiger zu werden, beantwortet der Büfa-Chef mit einem differenzierten Nein. Zum Beispiel erfordere der Anstieg der Erdbevölkerung zumindest in Bereichen wie Ernährung oder Bildung ein Wachstum. Er plädierte für „Umbau“ statt „Schrumpfen“. Hoppmann hält Schrumpfungen in Teilbereichen der Wirtschaft für sinnvoll – zum Beispiel beim Bau von Autos mit Verbrennungsmotoren.

Verantwortung

Hoppmann und Thalmann vertreten keine Gegenpositionen, grundsätzliche Differenzen werden nicht sichtbar. Bei der Frage, ob Unternehmen für ihre Lieferketten Verantwortung haben, verweist Thalmann auf begrenzten Möglichkeiten mittelständischer Unternehmen, Einfluss zu nehmen auf Produktions- und Arbeitsbedingungen in anderen Teilen der Erde. Hoppmann sieht diese Grenzen, hält aber gleichzeitig mehr Engagement in Zukunft für nötig. „Wir müssen besser werden beim Tracking von Lieferketten.“

Ähnlich allgemein – und damit leider auch unverbindlich – bleibt die Antwort auf die Frage nach der Verantwortung der Unternehmen für das 1,5-Grad-Klimaziel. „Ja, wir müssen das schaffen“, sagt Thalmann, „aber nicht alleine“. Wer will dem Büfa-Chef da widersprechen?

Dass neben Unternehmen auch die Konsumenten durch ihr Kaufverhalten Verantwortung tragen – zum Beispiel bei Kleidung und Nahrungsmitteln – ist eine bekannte Tatsache. Auch die Notwendigkeit ethischer Grundsätze wird niemand bestreiten. Entscheidend ist, was aus diesen Erkenntnissen konkret folgt. Hier hätte der Zuhörer gern mehr gehört als Allgemeinplätze.

Die von der Universitätsgesellschaft angestoßene Veranstaltung „Sound of science“ zum Wissenstransfer von der Universität in die Gesellschaft soll in festen Abständen wiederholt werden. Also Gelegenheit genug, nach dem gelungenen Auftaktabend den Erkenntnisgewinn weiter zu steigern.


 

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