Von 2 G über 007 bis zum Wüstenplanet

Artikel vom 04.10.2021

von Sebastian Friedhoff

007 ist zurück im Kino: "Casablanca"-Geschäftsführer Tobias Roßmann freut sich, dass der neue James Bond-Film "Keine Zeit zu sterben" nach mehrfachen Verschiebungen nun endlich auf der großen Leinwand zu sehen ist. Bild: Casablanca

Der „Casablanca“-Geschäftsführer Tobias Roßmann spricht über die Anwendung der neuen 2G-Regel und wie sie bisher von den Gästen des Oldenburger Kinos aufgenommen wurde. Auch zur Bedeutung von großen neuen Filmen wie „Keine Zeit zu sterben“ (James Bond) und „Dune“ nimmt er Stellung.

Frage: Herr Roßmann, seit dem 23. September gilt in Ihrem Kino die 2 G-Regel. Wie hat das bislang funktioniert? Wie sind die Besucher des „Casablanca“ damit umgegangen, wie fällt das Feedback aus?

Roßmann: Bislang hat das völlig reibungslos funktioniert und wir haben sehr viel Zustimmung von unseren Gästen für die Regelung bekommen. Viele Gäste freuen sich, dass sie nun wieder unbeschwerter ins Kino gehen können.

Frage: Gab es auch größeren Ärger durch Gäste, die nach wie vor „nur“ mit einem negativen Corona-Test in Ihr Kino wollten?

Roßmann: Nein, wir haben das ja im Vorfeld rechtzeitig bekannt gegeben.

Frage: In den sozialen Medien gab es auch deutliche Kritik an Ihrem Vorhaben, die 2 G-Regel umzusetzen. Wie gehen Sie damit um, dass sich deswegen scheinbar auch einige Besucher vom „Casablanca“ abwenden wollen?

Roßmann: Die Politik darf die Einschränkungen nicht länger als nötig aufrechterhalten. Wir sind da als Veranstalter in einer undankbaren Rolle. Klar ist aber auch: kein Kino, Restaurant oder Theater kann es sich auf Dauer leisten, nur 50 Prozent der Plätze zu belegen. Mit 2 G ist wieder eine Vollauslastung möglich. Das Argument sollte eigentlich allen einleuchten. Ohne flächendeckende Impfungen werden wir die Pandemie nun mal nicht überwinden. Dass sich langjährige Besucher vom „Casablanca“ abwenden, sehe ich so nicht.

Frage: Müssen eigentlich auch kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gehen und noch nicht geimpft werden können, bei einem Kinobesuch im „Casablanca“ einen negativen Corona-Test vorweisen?

Roßmann: Nein, die niedersächsische Corona-Verordnung sieht vor, dass Kinder und Jugendliche auch ohne negativen Test ins Kino gehen können, da es Testkonzepte in den Schulen und Kitas gibt und diese Gruppe bislang keine bzw. kaum Möglichkeiten zur Impfung hatte. Eine Ausnahme gibt es übrigens auch für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können – in dem Fall reicht ein negativer Test.

Frage: Derzeit sollen Ihre Gäste ja trotz der neuen Regel noch bis zum Kinosaal eine Maske tragen und das „Casablanca“ wurde unmittelbar nach der Einführung der 2 G-Regel aus Abstandsgründen noch nicht vollständig ausgelastet. Wann planen Sie die 2 G-Regel mit den entsprechenden Freiheiten vollständig umzusetzen?

Roßmann: Wir haben bereits letztes Wochenende die Abstandsregeln aufgehoben und können jetzt alle Säle wieder voll auslasten. Bislang ist das gut angenommen worden. Da das Kinogebäude mehrere Ein- und Ausgänge hat, erfolgt die 2 G-Kontrolle erst beim Einlass zum Kinosaal. Daher muss auf dem kurzen Weg vom Foyer in den Kinosaal weiterhin eine Maske getragen werden, das halte ich aber für keine große Einschränkung.

Frage: Das Kinoerlebnis übt eine besondere Magie aus. Hat eigentlich so ein episches Werk wie „Dune“ bisher einen deutlich merkbaren Schub an der Kinokasse mit sich gebracht?

Roßmann: „Dune“ (basiert auf dem Bestseller-Roman „Dune“ bzw. „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert, Anm. d. Redaktion) kommt bei den Fans sehr gut an, aber einen deutlichen Schub haben wir schon im August gespürt, sicher auch bedingt durch das schlechte Wetter. Aber man merkt eben auch, dass die Leute wieder Lust haben, auszugehen und etwas zu erleben. Da kommt uns das starke Filmprogramm der letzten und der kommenden Monate natürlich sehr entgegen. Viele Filme sind ja aufgrund der Pandemie zurückgehalten worden. Filme wie „Der Rausch“ spielen wir jetzt mittlerweile seit der Wiedereröffnung im Juni!

Frage: Welche Filme sind derzeit besonderes bei Ihren Kinogästen gefragt – eher die Geheimtipps oder die großen Produktionen?

Roßmann: Gefragt sind vor allem charakterstarke Dramen wie „The Father“ mit Anthony Hopkins, aber auch Literaturverfilmungen wie „Felix Krull“ oder „Die Schachnovelle“, also klassisches Arthouse-Kino.

Frage: Was versprechen Sie sich vom neuen James Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ für Ihr Kino bzw. das Kino im Allgemeinen? Ist es ein großer Nachteil, dass der Film nicht mehr ganz neu ist und mehrfach verschoben wurde – oder spüren Sie dennoch eine große Vorfreude auf 007 bei Ihrem Publikum?

Roßmann: Der Film ist ein Event, und das weltweit. So etwas bringt dem Kino enorme Aufmerksamkeit und häufig profitieren indirekt auch kleinere Filme davon, weil viele Leute durch so einen Blockbuster wieder Lust aufs Kino bekommen. Dass der Film mehrfach verschoben werden musste, stört da nicht wirklich. Für die ersten vier Tage (seit Donnerstag, 30.9., im Kino, Anm. d. Red.) haben wir schon über 900 Tickets verkauft, die Vorfreude ist riesig!


 

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