Wenn die Rückkehr ins eigene Haus unmöglich scheint

Artikel vom 11.01.2022

Friederike Liebscher

Wer bezahlt die Pflege, wenn das Geld nicht reicht? Bild: Symbolbild/ Pixabay

Ein folgenschwerer Sturz, eine Hüft-Operation und ein längerer Krankenhausaufenthalt: Für eine betagte Oldenburgerin (Name ist der Redaktion bekannt) änderte sich vor eineinhalb Jahren das ganze Leben. Weil sie, die seit ihrer Kindheit mit einer Behinderung lebt, sich nach der Operation nicht allein versorgen konnte und auch für einen Aufenthalt im Reha-Zentrum nicht fit genug war, wurde sie mit Pflegegrad IV in einem Heim aufgenommen. Dort lebt sie bis heute. Zufrieden ist sie mit dieser Lösung allerdings nicht. „Ich möchte auf das Pflegeheim und die Mitarbeiter hier nichts kommen lassen. Trotzdem möchte ich wieder zurück in mein Elternhaus. Mein Haus ist einfach mein Leben“, sagt sie. „Dort sind meine Bücher und meine Schallplatten. Ich liebe die Oper.“

Doch so einfach zurück kann die Oldenburgerin nicht mehr. Sie ist auf intensive Pflege angewiesen. Seit ihre Eltern vor Jahren verstorben sind, steht sie unter Betreuung. Nachdem die letzte ehrenamtliche Betreuerin das Amt in diesem Jahr abgegeben hat, kümmert sich seit Sommer 2021 ein Berufsbetreuer um sie. Verschiedene medizinische Gutachten hätten bestätigt, dass die ältere Dame nicht mehr allein leben könne, sagt er auf Anfrage. Ihr Haus soll verkauft werden, um die Heimkosten zu tragen. Dort sind bereits Rechnungen von über 15.000 Euro offen. „Eigentlich war alles so geregelt, dass die Stadt für meine Pflege daheim aufkommt und dafür später mein Elternhaus bekommt“, erklärt die ältere Dame im Gespräch mit unserer Redaktion. Von dieser Vereinbarung wissen aber ihr gesetzlicher Betreuer und die Stadtverwaltung Oldenburg nichts.

Darlehen ist möglich

Grundsätzlich sei eine solche Regelung aber möglich, erklärt Stadtsprecherin Kim Vredenberg-Fastje. Eigentlich sei für die finanzielle Versorgung in der Pflege die Pflegeversicherung zuständig. Es seien aber immer mehr Menschen darauf angewiesen, ihre Ersparnisse oder die Unterstützung von Angehörigen in Anspruch zu nehmen. Es gebe dann hin und wieder einen Unterstützungsbedarf, den die Ämter mit Sozialhilfe decken würden. Die gesetzlichen ergänzenden Leistungen in der Sozialhilfe seien aber als steuerfinanzierte Leistung von Bedingungen abhängig. Der Einsatz von Einkommen und Vermögen sei unter Beachtung von Schongrenzen vorgesehen, erklärt die Sprecherin. In Bezug auf Sozialhilfeleistungen fordere das Amt nicht auf, das Hausgrundstück oder die Eigentumswohnung zu verkaufen oder zu beleihen. Außerdem sei bei einem längeren Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung zu beachten, dass das Eigenheim dann nicht mehr als selbstbewohnt betrachtet werden könne. In einem solchen Fall würde es als verwertbares Vermögen eingestuft werden und die Leistungen des Amtes dürften nur noch als Darlehen mit einer Grundschuldeintragung erfolgen.

Keine Kostenübernahme

Wenn der Aufenthalt im Heim nur vorübergehend sein soll – wie im Fall der älteren Dame eigentlich gedacht – und anschließend das Eigenheim wieder selbst bewohnt wird, übernimmt das Amt die Kosten der Pflege und die laufenden Kosten für das Haus nicht. Es gäbe keinen festen zeitlichen Rahmen für den Zeitraum „vorübergehend“. Zur Orientierung könne aber eine Zeitspanne von bis zu sechs Monaten als vorübergehend betrachtet werden, erklärt die Sprecherin. Die betagte Dame aus Oldenburg wohnt schon seit über einem Jahr in der Pflegeeinrichtung, hat die sechs Monate also längst überschritten. Wie es in ihrem Fall weitergeht, ist noch unklar.

„Wir empfehlen in Anbetracht der vielen Möglichkeiten immer eine Beratung beim Amt“, sagt Kim Vredenberg-Fastje. Im Gespräch mit dem städtischen Team „Hilfe zur Pflege“ werde Senioren grundsätzlich erläutert, welche Möglichkeiten es gibt, damit sie ihre Selbstständigkeit möglichst lange erhalten könnten. Kontakt gibt es unter der Telefonnummer 0441/2352305 oder soziales@stadt-oldenburg.de


 

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