„Wenn es kein Corona gäbe, hätten wir keine Probleme“

Artikel vom 25.07.2022

Markus Minten

VWG-Geschäftsführer Michael Emschermann (rechts) – hier auf einem Archivbild mit Fahrlehrer Thomas Hupasch – sieht dringenden Handlungsbedarf beim Thema Fachkräftemangel. Bild: Archiv/Buck

Auch die Nahverkehrsunternehmen leiden unter der Sommer-Coronawelle, die mit der Urlaubszeit zusammenfällt. VWG-Chef Michael Emschermann erklärt, wie das Unternehmen damit umgeht.

Die Oldenburger Verkehr und Wasser GmbH (VWG) befindet sich in illustrer Gesellschaft. Bundesweit mussten bereits mehrere Nahverkehrsunternehmen auf den Ausfall von Busfahrern reagieren. In der Regel erfolgt das durch die Anpassung des Fahrplans. So hat die VWG einen Sonderfahrplan angekündigt, der ab diesen Samstag auf drei Linien Einschränkungen vorsieht. Geschäftsführer Michael Emschermann beantwortet Fragen unserer Redaktion und erklärt, wie die VWG mit der angespannten Situation umgeht.

Wie viele Busfahrer fehlen der VWG aktuell?

Wir haben eine ausreichende Anzahl Busfahrer, um das Fahrplanangebot unter normalen Umständen uneingeschränkt fahren zu können. Jedoch ist seit Jahresbeginn bis heute die Abwesenheitsquote durch Krankheit gegenüber einem „normalen“ Jahr etwa doppelt so hoch, im Wesentlichen bedingt durch Corona-Quarantänen. Wenn es kein Corona gäbe, hätten wir keine Probleme.

Somit fehlen tagesaktuell durch erhöhte Krankenquoten im Schnitt gut zehn Fahrer im Betrieb. Dies wurde durch hohen Einsatz anderer Mitarbeiter in der Regel aufgefangen. Das lässt sich allerdings nicht beliebig lang auffangen. Einen gesonderten Dank möchte ich daher an meine Mitarbeitenden aussprechen, die mit außerordentlich hohem Einsatz geholfen haben, bestmöglich für unsere Kunden präsent zu sein.

Wir haben es daher auch unterlassen, jetzt Mitarbeiter zu bitten, auf Urlaub zu verzichten. Die Erholung wird gerade jetzt dringend benötigt. Ähnlich sieht es auch bei unseren Partnerunternehmen, die in unserem Auftrag verkehren, aus, die rund ein Viertel der Leistung erbringen. Hoher Einsatz auch dort! Mehr geht nicht, so dass auch nicht bei uns ausgeholfen werden kann.

Wie viele Busfahrer sind üblicherweise an einem Wochentag im Einsatz?

Hier differenzieren wir zwischen Schul- und Unitagen auf der einen Seite und Ferienzeiten auf der anderen Seite. An ersten sind an Werktagen bis zu 103 Busse und bis zu 180 Fahrer – inklusive der Partnerunternehmen – im Einsatz. In den Ferienzeiten sind es rund 90 Busse – es entfallen im Wesentlichen Verstärkerbusse rund um Schul- und Universitätsverkehre – sowie etwa 170 Fahrer.

Wie ist der Markt für Busfahrer, wie wird dem Fahrermangel begegnet?

Das generelle Thema des aktuellen Fachkräftemangels ist ja eigentlich seit 20 Jahren bekannt durch die demographische Entwicklung und wird sich im Laufe dieses Jahrzehnts noch weiter verschärfen. Hier hätte deutschlandweit und in allen Branchen politisch schon längst die Entscheidung getroffen werden müssen, dass Deutschland ein Einwanderungsland wird, insbesondere für gut ausgebildete und motivierte Menschen, die die Arbeitsplätze hier besetzen können.

Einen Markt der Busfahrer gibt es schlichtweg nicht. Oder man wirbt Busfahrer aus anderen Unternehmen ab, das hilft dem System und der Branche aber nicht weiter. Vor diesem Hintergrund hatte die VWG bereits vor mehreren Jahren entschieden, eine eigene Fahrschule zu gründen. Ohne diese wären die Leistungserweiterungen der letzten Jahre – insbesondere in die umliegenden Landkreise – gar nicht machbar gewesen. In den letzten Jahren wurden hier fast 70 zusätzliche Mitarbeiter ohne Busführerschein zu Beginn der Tätigkeit als Busfahrer ausgebildet und sind nun in der Regel im Linienverkehr im Einsatz. Für die anstehenden Angebotsverbesserungen im Dezember dieses Jahres beginnt am 1. August ein neuer Fahrschulkurs mit 14 Mitarbeitern. Diese werden im Laufe des Herbstes dann in den Liniendienst übergehen, so dass wir unter normalen Umständen den Fahrplanwechsel werden ohne Probleme begehen können.

Nach welchen Kriterien wird der Fahrplan angepasst?

Die einzelnen Busumläufe während eines Tages sind hochkomplex und es wird mit einzelnen Busse oft zwischen verschiedenen Linien gewechselt.

Dies spiegelt sich dann auch in den konkreten Diensten für die jeweiligen Fahrer wider. Von daher gibt es keinen „Plan“. Es muss spontan gehandelt und entschieden werden. Wenn es zu unvermeidbaren Ausfällen kommt, wird in der Regel der stadtübergreifende Verkehr ausgenommen und tagsüber erfolgt eine Umsetzung auf Linien, die im 15-Minuten-Takt verkehren.

Wie sind die Perspektiven für die kommenden Wochen?

Es ist alles unterwegs. Die nächsten Tage werden nochmals anstrengend, aber meine Mannschaft hat mir signalisiert: Wir schaffen das! Wir erwarten eine spürbare Verbesserung ab kommenden Samstag mit der kleineren Fahrplananpassung.

Eine Garantie kann aber natürlich auch ich nicht aussprechen.


 

Blaulicht-Ticker

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