Wie diese Oldenburger den Central Park mit dem Bollerwagen erobern

Artikel vom 17.01.2023

Karsten Röhr

Beste Stimmung im verschneiten Central Park – die Teilnehmer der letzten Oldenburger Kohlfahrt im Januar 2020 in New York. Bild: Grams

Kohlfahrt- und Big Apple-Fans rollen im Januar mit einem 70 Jahre alten Bollerwagen durch den Central Park. Organisiert wird die Tour von einem Oldenburger.

Mit dem Bollerwagen durch Eversten, Bümmerstede, Ofenerdiek – alles wunderbar, ohne Ausnahme, Jahr für Jahr. Es gibt aber ein paar Oldenburger, die setzen da deutlich einen drauf – und rumpeln im Winter mit Bollerwagen und Palme durch den Central Park, mit Spielen und Königspaar, Kohl aus dem New Yorker Bioladen und Pinkel aus dem Forest Pork Store. Alle zwei Jahre findet die einwöchige Fahrt statt, ab dem 12. Januar ist es wieder soweit, zum neunten Mal, mit bis zu 20 Teilnehmern. Nach 2018 und 2020 ist zum dritten Mal auch der Kohlfahrt-Bollerwagen dabei, auch in der U-Bahn, auf Ellis Island, auf dem Campus der Columbia University, überall.

NDR zeigt US-Touren

Zuletzt waren die Pfiffigen Sieben mit, Esther Filly und Jens Sörensen, die Hot Jazz Stompers aus Cloppenburg, 2014 bereits Carmen und Tamme Hanken („Der XXL-Ostfriese: Unterwegs mit Tamme Hanken in New York“, NDR-Doku auf YouTube). Mit der Pferdekutsche geht’s durch das hippe Hudson Yards. Neuerdings gibt es auch ein Kohlkönigs-Paar, aber ohne Pflichten. Organisiert und begleitet wird die Kulturfahrt vom Oldenburger US- und Auswanderungs-Experten Wolfgang Grams („Routes to the Roots“). Grams ist erst im Spätsommer mit einer Gruppe Ostfriesen von einer Tour mit Yared Dibaba und einem Fernseh-Team aus dem Mittleren Westen zurückgekehrt – von einer 2000 Meilen-Reise von Minneapolis bis Chicago zu Deutschen und deren Nachfahren, die in den USA ihr Glück gesucht haben, auch in „Little Oldenburg“ in Nebraska, wo man bis heute Wöbken, Suhr oder Naber heißt. Der NDR berichtet über die von nordmedia geförderte TV-Produktion in drei 45-Minuten Sendungen von Regisseur Volkert Schult am 4., 11. und 18. Dezember ab 15.15 Uhr.

Oldenburg und New York

Wolfgang Grams sagt: „Der Reiz an dieser Kohlfahrt ist für mich diese Mischung aus Großstadt mit ihren Highlights und dem lokalen Geschmack, der persönlichen Begegnung, auch dem Kontrast, wenn man aus der U-Bahn in Brooklyn Heights aussteigt, einem der begehrtesten Stadtteile inzwischen, um dort den deutschen Gottesdienst in der Plattdeutschen Kirche zu besuchen, der wichtigsten Kirche der Einwanderer, da befindet man sich wieder in einer ganz anderen Welt.“

Für den Oldenburger liegt der Charme auch an dem echten Interesse aneinander: „Besucher und Besuchte sind sich gleichermaßen wichtig.“ Darunter sind nicht nur unbekannte New Yorker, sondern auch ein paar Oldenburg-Kenner wie Fred Hansen, einer der Organisatoren der Steubenparade. Hansen war schon mehrfach auf Fokkis Weide in Bümmerstede. Auch Klaus Gress, der Pfarrer aus der Plattdeutschen Kirche aus Brooklyn, war schon beim Weidenfest. Der gebürtige Everster Thomas Zwiener, der als Junge mit seinen Eltern nach New York auswanderte, ist heute, wie Hansen, Ehrenpräsident des New Yorker Plattdeutschen Volksfestvereins. Wolfgang Grams sagt über die Reise: „Man wird, ohne dass man das will, zum Botschafter, auch wechselseitig.“


 

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