Zehn Gründe, warum Fleischverzicht die Umwelt schützt

Artikel vom 30.06.2022

Irmela Herold

Wer auf die eine oder andere Wurst verzichtet, schützt die Umwelt. Bild: samer daboul/pexels

Weniger Fleischkonsum soll gut für die Umwelt sein. Aber warum genau ist das so? Zehn Punkte, wie sich die Produktion von Wurst und Schnitzel auswirkt.

Wohl jeder hat es schon einmal gehört: Fleischkonsum ist schlecht für das Klima. Aber warum genau ist das so? Vielleicht hilft das Verständnis dabei, auf das eine oder andere Schnitzel zu verzichten. Das ist dann nicht nur gut für die Umwelt und die eigene Gesundheit, man kann sich als Flexitarier auch zu den von der Wirtschaft umworbenen Trendsettern zählen.

Die Auswirkungen des Fleischkonsums auf Umwelt und Klima sind vielfältig und komplex. Zehn Punkte im Überblick.

1. Treibhausgase als Klimakiller

Bei der industriellen Produktion von Fleisch entstehen Treibhausgase: Kohlendioxid (CO?), Lachgas (N2O) und Methan. Besonders klimaschädlich ist das Methangas, das von wiederkäuenden Tieren wie Rindern und Schafen ausgestoßen wird.

Rindfleisch ist die Fleischsorte, die das Klima am meisten belastet. Es hat eine viermal so hohe CO?-Bilanz wie Geflügel- oder Schweinefleisch. Besonders schädlich fürs Klima ist Tiefkühlware. Da kommt zur Produktion auch noch die Energie für die Kühlung dazu. Die Viehwirtschaft und ihre Lieferketten sind laut UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) für 14,5 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Ein Forscherteam der Oxford-University geht davon aus, dass die ernährungsbedingten Treibhausemissionen um drei Viertel zurückgehen würden, wenn unsere Ernährung vollständig aus Pflanzen bestehen würde.

2. Viel Fläche fürs Futter

Der Flächenverbrauch für die Fleischproduktion ist immens. Weideland und für den Futtermittelanbau genutztes Ackerland machen laut Weltagrarbericht fast 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Ein Drittel des globalen Ackerlandes wird für den Anbau von Futtermitteln genutzt, während 26 Prozent der eisfreien Erdoberfläche Weideflächen sind. Für immer mehr Soja-Felder werden in Brasilien die Amazonas-Regenwälder gerodet oder abgebrannt. Laut einer Studie des Wissenschaftsmagazins „Science“ stammt ein Fünftel des Sojas, das Brasilien in die EU liefert, aus illegaler Abholzung.

Der deutsche Agrarökonom Harald Grethe hat ausgerechnet, dass schon eine 30-prozentige Fleischreduktion in den OECD-Staaten etwa 30 Millionen Hektar Ackerland freisetzen würde.

3. Moore verloren

Um Moore für die Landwirtschaft nutzen zu können, wurden auch in Deutschland viele Flächen entwässert. Der zuvor unter Luftabschluss entstandene Torf kommt mit Sauerstoff in Berührung und wird daraufhin mikrobiell abgebaut. Dadurch wird der im Torf gespeicherte Kohlenstoff als Kohlendioxid freigesetzt, was zu einer Verstärkung des Treibhauseffekts führt. Rund 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen von entwässerten Mooren sind dabei auf die landwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen, so das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft.

4. Immenser Wasserbedarf

Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, werden nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz rund 15.500 Liter Wasser beno?tigt. Nicht der Durst der Tiere ist die Ursache für den hohen Verbrauch. Der Großteil der Wassermenge fließt in den Anbau von Futtermitteln. Zum Vergleich: Für ein Kilo Kartoffeln werden nur 250 Liter Wasser benötigt.

5. Gülle belastet Böden und Grundwasser

Gülle, also die Mischung aus Kot und Harn von Nutztieren, ist Abfallprodukt und zugleich wertvoller Dünger – in Maßen. Wird zu viel Gülle auf dem Feld ausgebracht, hat das gravierende Konsequenzen. So dringt immer mehr Gülle ins Grundwasser ein, wodurch der Nitratgehalt des Wassers ansteigt. In vielen Regionen wird nach dem Nitratbericht des Bundesumweltamtes der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser um ein Vielfaches überschritten. Besonders für Kinder und Schwangere kann die Aufnahme von zu viel Nitrat gesundheitsschädlich sein. Um die Trinkwasserqualität sicherzustellen, müssen Wasserwerke teure Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Kosten trägt der Verbraucher.

6. Antibiotika verlieren Wirkung

Neben der Nährstofffracht birgt das hohe Gülleaufkommen eine weitere Gefahr: die Verteilung multiresistenter Keime. Die verbreitete Anwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung führt dazu, dass Bakterien Resistenzen bilden. Antibiotika-Medikamente werden dadurch wirkungslos. Durch den Einsatz von Gülle als Düngemittel bleiben resistente Keime nicht im Stall, sondern werden großflächig verteilt.

Allein in Europa sterben nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) jährlich mehr als 33.000 Menschen in Folge einer Antibiotikaresistenz.

7. Miese Nähwertbilanz

Die Fleischproduktion ist extrem ineffizient. Zur Produktion einer tierischen Kalorie werden laut Weltagrarbericht je nach Tierart fünf bis dreißig pflanzliche Kalorien verfüttert. Für eine Kalorie aus Rindfleisch benötigt man zehn Kalorien aus Getreide – 90 Prozent der Nahrungsenergie bleiben also auf der Strecke. Nach einer Berechnung des UN-Umweltprogramms könnten die Kalorien, die bei der Umwandlung von pflanzlichen in tierische Lebensmittel verlorengehen, theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren.

8. Gentechnik im Soja

Ein Großteil der Futtermittel für Nutztiere in Deutschland – vor allem Weizen, Gerste, Mais, Gräser – wird in Deutschland und damit gentechnikfrei angebaut, so die Bundesregierung. Bei eiweißreichen Futtermitteln könne die heimische Erzeugung jedoch den Bedarf nicht decken. Deutschland und die EU importieren deshalb den Angaben nach pro Jahr rund 35 Millionen Tonnen zum größten Teil gentechnisch veränderte Sojabohnen aus Nord- und Südamerika.

Anders als die Futtermittel selbst müssen die damit erzeugten Lebensmittel nach dem europäischen Lebensmittelrecht nicht gekennzeichnet werden, so das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft.

Die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland will keine Gentechnik im Essen, das zeigen Umfragen immer wieder.

9. Brisante Chemie

Der Einsatz von Pestiziden steigt weltweit, obwohl die gesundheitlichen und ökologischen Folgen lange bekannt sind (mehr dazu im Pestizidatlas der Heinrich Böll Stiftung). Herbizide werden gegen ungewollte Pflanzen ausgebracht und sind die meistgenutzte Wirkstoffgruppe. Insektizide wirken gegen schädliche Insekten – häufig schon in kleinsten Mengen und auch bei den Insekten, die nicht gemeint sind.

Einige der gefährlichsten Pestizide sind in der EU verboten, kommen in anderen Teilen der Welt aber im großen Stil zum Einsatz. Die Futtermittellieferanten USA, Brasilien und Argentinien gehören zu den größten Pestizidverbrauchern überhaupt.

10. Pandemien durch gefährliche Nähe

Je mehr Wälder für Futtermittel gerodet werden, desto mehr schrumpfen die Lebensräume der Wildtiere. Der Kontakt zwischen Menschen und Tieren wird enger – das begünstigt die Ausbreitung von Zoonosen. Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Bakterien, Parasiten oder Viren verursacht und zwischen Tieren und Menschen übertragen werden – wie beispielsweise Corona, die Vogelgrippe, Schweinegrippe oder Tollwut. Die Weltgesundheits- und die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen warnen schon seit Jahren vor Pandemien im Zusammenhang mit industrieller Tierhaltung – vor allem von Geflügel und Schweinen.


 

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