Zwischen Handynacken und Bewegungsmangel

Artikel vom 06.01.2023

Saskia Himmel

Andrea B. Karagiannis und Philipp-Noel Keizer zeigen eine Übung mit dem Theraband. Bild: Sascha Stüber

Medienkonsum, Gesellschaftsdruck und Bewegungsmangel: All das sind Ursachen für Verspannungen bei jungen Menschen. Oldenburger Physio- und Ergotherapeuten erklären, wie dem entgegengewirkt werden kann.

Ein Ziehen im Nacken, das sich als Schmerz weiter in den Rücken ausbreitet: Dieses Gefühl dürfte vielen Menschen bekannt sein. Doch nicht nur mit dem Alter können Verspannungen auftreten. Im Gegenteil: Vor allem auch junge Menschen leiden unter Symptomen von Nacken- und Kieferbeschwerden bis hin zu Sehnenscheidenentzündungen und sogar Verschleiß. Sebastian Hünermann, Therapeut und Inhaber der Physiotherapie Hünermann, bestätigt, dass viele Patientinnen und Patienten in jungem Alter mit Verspannungen zu kämpfen haben, Schüler, Auszubildende, Studenten.

Die dabei am häufigsten betroffene Altersklasse sei die von 18 bis 30 Jahren, so Niels Beutelstahl von der Physiotherapie am Schlossgarten. In dieser Gruppe träten vermehrt Nacken- und Schulterverspannungen auf, aber auch das Karpaltunnelsyndrom und Arthrose seien verbreitete Symptome. Selbst Migräne könne durch Verspannungen ausgelöst werden.

Andrea B. Karagiannis, Therapeutin der Praxis für Ergotherapie und Handtherapie, berichtet sogar, dass viele ihrer Patientinnen und Patienten noch in der Pubertät seien.

Die Ursachen

Viele Jugendliche seien entweder komplette Fitnessfreaks oder dem Sport vollständig abgeneigt, so Niels Beutelstahl. Die Ausgeglichenheit fehle. Doch durch immer mehr Mediennutzung in den Schulen und Universitäten sowie steigenden Leistungsdruck in unserer Gesellschaft sei es gar nicht so einfach, die gesunde Mitte beizubehalten oder gar erst zu finden. Eine Hauptursache für Nackenbeschwerden sei Stress, so Sebastian Hünermann. Diesbezügliche Aggressoren seien unter anderem Familienprobleme, Umstände am Arbeitsplatz sowie Druck von außen. Die Arbeit solle immer effizienter werden, die Schulnoten sollten immer gut sein und das alles bei einem immer stärker werdenden Informationsfluss, den wir über die digitalen Medien erhalten. Der Blick auf das Smartphone möge zunächst harmlos wirken, doch ein langes Beibehalten der gleichen Körperposition könne eine Kettenreaktion an Verspannungen verursachen.

Tipps für zu Hause

Der erste Schritt, um Verspannungen entgegenzuwirken oder vorzubeugen, sei eine wechselnde Haltung. Sebastian Hünermann empfiehlt aktive Bewegungspausen während der Arbeits- oder Schulzeiten. In der Freizeit dürfe die Bewegung ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Die Muskeln, die im Alltag am häufigsten unter Spannung sind, sollten regelmäßig gedehnt werden, so Andrea B. Karagiannis. Dazu können Faszienrollen oder auch ein Tennisball genutzt werden. Niels Beutelstahl erklärt, dass außerdem das Krafttraining nicht unterschätzt werden dürfe. Ein nachlassender Muskeltonus führe zu Verspannungen. Dabei müsse aber nicht zwingend in einem Fitnessstudio trainiert werden. Eine Sportmatte reiche schon aus, um zu Hause aktiv zu werden.

Trotz Zeitdrucks im Alltag müsse die Gesundheit nicht leiden. Sogenannte Mikro-Workouts von fünf bis zehn Minuten können bereits helfen. Eine weitere Möglichkeit sei der Stressabbau durch Mediation oder Yoga. Anstatt sich jedoch nun jeden Tag der gleichen Sportart zuzuwenden, solle lieber ein gesunder Ausgleich zwischen Kraft- und Ausdauersport sowie Entspannung geschaffen werden, so Niels Beutelstahl. Wichtig sei, dass der Spaß im Vordergrund stehe. „Hauptsache es wird sich bewegt“, resümiert Physiotherapeutin Marja Kruskop.


 

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