22 Corona-Fälle nach Restaurantbesuch

Das Restaurant „Alte Scheune“. Nach dem Besuch des Lokals im Landkreis Leer sind mehrere Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Leer. In Verbindung mit einer Restaurant-Wiedereröffnung im Landkreis Leer ist die Zahl der zusammenhängenden Corona-Fälle auch am Montag weiter gestiegen. Weitere vier Personen wurden positiv auf das Virus getestet, wie der Landkreis mitteilte. Die Gesamtzahl der Fälle erhöht sich somit auf 22. In der Folge gibt es auch zusätzliche Quarantänefälle: Inzwischen sind es 133. Das teilte der Landkreis Leer am Montag mit.


Der Landkreis prüft, ob die Vorgaben zu Abstand und Hygiene am 15. Mai eingehalten wurden. Demnach wurden inzwischen alle an dem Abend anwesenden Gäste befragt. „Aus den Hinweisen, die uns vorliegen, ergeben sich Indizien, dass am Abend des 15. Mai möglicherweise gegen Corona-Regeln verstoßen worden ist“, sagte Landrat Matthias Groote (SPD). Ob dies der Fall war, müsse das Ordnungsamt in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren klären.



Das Gesundheitsamt hat inzwischen weitere Kontaktpersonen der Infizierten ermittelt. Insgesamt wurde bislang in rund 70 Fällen eine häusliche Quarantäne angeordnet. Von diesen Personen zeigen einige bereits Symptome, so dass weitere Infektionsfälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch nicht auszuschließen sind, heißt es in einer Mitteilung des Kreises weiter.


Aus Sicht von Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) verdeutlichen die neu aufgetretenen Infektionen im Landkreis Leer einmal mehr, dass das Virus nicht besiegt ist. „Es ist noch da und wir müssen weiterhin sehr wachsam sein, um die großen Fortschritte der letzten Wochen nicht zu gefährden.“ Sie forderte alle auf, die Lage weiterhin ernst zu nehmen und sich an die Abstands- und Hygieneregeln sowie die geltenden Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung zu halten. „Insbesondere an Orten, an denen nun wieder mehr Publikumsverkehr möglich ist, gilt es für uns alle, besonders vorsichtig und umsichtig zu sein.“ Reimann sieht auch nach dem Fall in Moormerland jedoch keine Notwendigkeit, vom Lockerungskurs abzurücken. „Nach ersten Erkenntnissen ist das Infektionsgeschehen nicht auf einen normalen Restaurantbesuch zurückzuführen, stattdessen wurde dort offenbar eine private Party gefeiert.“


Für den Betreiber der Gaststätte „Alte Scheune“ in der Gemeinde Moormerland im Kreis Leer ist die Entwicklung fatal. Monatelang hatte er das Restaurant renoviert und sich auf die Eröffnung vorbereitet, wie er erzählte. Der erste Abend sollte rund 40 ausgewählten Gästen gehören - darunter Vertreter von Firmen, die ihn unterstützt hatten. Der Inhaber stand zunächst als Koch in der Küche. Später gesellte er sich nach eigenen Angaben zu den Gästen, um mit ihnen anzustoßen. Die Abstands- und Hygieneregeln seien eingehalten worden, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte.


Inzwischen kennt er vier Gäste, die wie er positiv getestet wurden. Bei drei Freunden von ihm sei das Virus ebenfalls nachgewiesen worden. Ob sich das Virus am 15. Mai beim Eröffnungsabend für Unterstützer seines Lokals verbreitet habe, wisse er nicht. Es sei auch möglich, dass sich die Menschen vor oder nach dem Abend infiziert hätten. Eine Party sei der Abend sicher nicht gewesen, sondern eine Art Testlauf für ihn und sein Team. Denn am kommenden Tag öffnete das Restaurant regulär.


Der Landrat von Leer, Matthias Groote, warnte die Bürger der Landkreis-Mitteilung zufolge: „Dieser Ausbruch führt uns deutlich vor Augen: Corona ist nicht vorbei, das Virus kann sich jederzeit weiter verbreiten.“ In einem auf der Twitterseite des Landkreises veröffentlichten Video sagte Groote, die Zahl der Quarantäne-Fälle werde weiter „extremst“ ansteigen, da die aktuellen Fälle „im Rahmen eines Zusammentreffens“ entstanden seien. Im Landkreis Leer war zuvor eigenen Angaben zufolge mehr als eine Woche lang überhaupt keine bestätigte Neuinfektion gemeldet worden.


Die „Alte Scheune“ hat der Betreiber vorsorglich geschlossen. Nach seiner Quarantäne will er am 4. Juni wieder öffnen. „Vorausgesetzt alle Tests sind negativ“, sagte er. „Ich möchte auf Nummer sicher gehen.“ Um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, braucht es aus seiner Sicht mehr Tests. Hätte ein Gast des Abends sich nicht umgehend testen lassen, hätte er von seiner Infektion wahrscheinlich nichts mitbekommen, erzählt der Inhaber. Diesem einen Gast sei es zu verdanken, dass die anderen Infektionen entdeckt wurden.


 

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