Als Kapitän in die Heimat zurückgekehrt

Artikel vom 06.01.2023

Klaus Händel

Kapitän Jan ter Haar – hier im Kommandostand – meldet „WattnExpress“ und Crew einsatzbereit. Die Probefahrten mit der ersten Schnellfähre nach Spiekeroog verliefen erfolgreich. Bild: Klaus Händel

Aus zwei Mann besteht die Crew der „WattnExpress“ – die Fähre, die Spiekeroog tideunabhängig und in 20 Minuten mit dem Festland verbindet. Wir stellen Kapitän Jan ter Haar und Nautiker Hans-Christian Caro vor.

Das Schiff ist fertig und liegt am Pier des Fähr- und Frachthafens Spiekeroog in Neuharlingersiel. Die aus zwei Mann bestehende Crew erledigt letzte Handgriffe und fiebert den ersten Fahrgästen an Bord der Schnellfähre „WattnExpress“ entgegen.

Das Schiff verbindet künftig das Festland mit dem Eiland Spiekeroog – tideunabhängig, fahrplanmäßig, mehrfach am Tag und das pro Überfahrt in weniger als 20 Minuten. Kapitän Jan ter Haar und Nautiker Hans-Christian Caro heißen die Gäste an Bord willkommen.

Ein echter Sieler

Jan ter Haar, noch keine 30 Jahre alt, ist echter Sieler. Die Nordsee stets vor Augen wurde er in die Seefahrt hineingeboren. „Schon mein Vater war Fischer“, erzählt er. Doch er und auch sein Opa hätten ihm schon frühzeitig geraten, die Fischerei lieber bleiben zu lassen. „So kam ich zum Ende meiner Schulzeit immer mehr zu dem Gedanken, mich der Kauffahrttei (Handelsschifffahrt) zu widmen“, sagt der heutige Kapitän.

Seine seemännische Karriere begann er nach der Schulzeit als 17-Jähriger mit einer Ausbildung zum Schiffsmechaniker bei Thien & Hayenga in Leer. „Während dieser Ausbildung hat sich für mich herauskristallisiert, dass ich mich in diesem Berufszweig fortbilden wollte“, erinnert ter Haar. Der Besuch der Seefahrtschule, ebenfalls in Leer, war für ihn der nächste Schritt, um das nautische Patent zu machen.

Nautisches Patent

„Meine Ausbildung zum Schiffsmechaniker endete im Frühsommer 2012. Sechs Wochen später habe ich an der Seefahrtschule angefangen“, erzählt Jan ter Haar. Voraussetzungen für die Annahme an der Seefahrtschule waren entweder eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker oder in einem handwerklichen Beruf mit vorgeschriebenen Fahrzeiten auf einem Schiff. „Nach zwei Jahren Seefahrtschule in Leer hatte ich mein nautisches Patent als Wachoffizier in der Tasche.“

Seefahrerromantik

Von 2014 bis 2020 ist Jan ter Haar auf weltweiter Fahrt unterwegs gewesen, überwiegend zum Transport von Schwergut und auf Spezialschiffen. „Transportiert wurde alles, was nicht in den Container passte, zum Beispiel Lkw, Bagger, Kräne, Ölbohr-Equipment, Windkraft- und komplette Industrieanlagen. Meine ursprünglichen Träume von der Seefahrt, davon, fremde Länder zu sehen und kennenzulernen, haben sich zum Teil erfüllt. Unter anderem ging es nach Kanada. Doch mir war bewusst, dass die Seefahrerromantik aus längst vergangenen Zeiten nicht mehr existiert“, erklärt Jan ter Haar.

Zurück nach Ostfriesland

Gewinne aus diesen sechs Jahren waren die vielfältigen Erfahrungen, die er sammeln durfte und das unlimitierte Kapitänspatent zur weltweiten Fahrt. Darauf ist Jan ter Haar stolz. „Von Beginn meiner seemännischen Laufbahn an war mir jedoch bewusst, dass ich das nicht immer machen wollen würde. Als echter Sieler war und bin ich Neuharlingersiel stets eng verbunden. Deshalb war es nur die logische Konsequenz, das Angebot der Nordseebad Spiekeroog GmbH zu nutzen und Mitglied im Team der Inselschifffahrt zu werden“, betont er. Das war 2020. Gesucht wurde damals ein erfahrener Nautiker. In nur kurzer Zeit hat Jan ter Haar alle Schiffe und Mannschaften der Nordseebad Spiekeroog GmbH (NSB) kennengelernt.

Als 2011 von der NSB und der AG Ems beschlossen wurde, eine Schnellfähre bauen zu lassen, hat man ihm den Posten des Kapitäns angeboten und Jan ter Haar hat „Ja“ gesagt. NSB und AG Ems beziehungsweise deren Tochtergesellschaft „Ems Maritime Offshore GmbH“ (EMO) sind zu je 50 Prozent Eigner des Schiffes. Der „WattnExpress“ wurde am 17. Dezember am Anleger der Insel Spiekeroog getauft. „Aktuell warten wir hier im Hafen von Neuharlingersiel auf unsere erste offizielle Fährüberfahrt“, sagt der junge Kapitän.

Zwei-Mann-Crew

Zum „Wir“ der „WattnExpress“-Crew gehört Hans-Christian Caro. Aus Wuppertal stammend und heute in Nesse wohnend ist der 27-Jährige 2. Nautiker an Bord: „Ich gehöre seit dem 1. Oktober zum Team.“ Ursprünglich hatte er sich bei der AG Ems als Nautiker für die Offshore-Taxis auf der Nordsee beworben. Doch eine Stunde vor dem Bewerbungsgespräch wurde ihm mitgeteilt, dass man seine Bewerbung an die NSB weitergeleitet habe. „So bin ich jetzt Nautiker auf der ,WattnExpress‘“, sagt Caro. Die Zusammenarbeit mit Jan ter Haar klappt gut. „Das Schiff und wir sind einsatzbereit und warten mit der NSB darauf, dass wir mit den fahrplanmäßigen Fahrten beginnen können“, sagt Kapitän Jan ter Haar.


 

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