Anbaufläche für Kartoffeln geht zurück

Artikel vom 11.10.2021

von Stefan Idel, Büro Hannover

ERNTEHELFER SORTIEREN KARTOFFELN. ERSTMALS GEHT IN NIEDERSACHSEN DIE ANBAUFLÄCHE FÜR KARTOFFELN ZURÜCK. BILD: SYMBOLBILD PIXABAY

Ernteergebnisse diesmal „zufriedenstellend“ – Niedersachsen nun auch „Zwiebel-Land“

Niedersachsen ist nicht nur „Kartoffel-Land“ und „Spargel-Land“, sondern inzwischen auch „Zwiebel-Land“. Die Anbaufläche für Sommerzwiebeln stieg um 14 Prozent auf 3500 Hektar, sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, am Dienstag in Hannover bei der Vorstellung der Ernteergebnisse. Er sprach von einer „zufriedenstellenden Ernte“ der niedersächsischen Acker- und Futterbaubetriebe in diesem Jahr. Beim Ertrag und der Qualität gebe es regional deutliche Unterschiede. Die Ernte sei auch von den Auswirkungen des Klimawandels geprägt.

Das Wetter

Da es 2021 mehr regnete als in den Vorjahren, waren die Startbedingungen für Ackerkulturen und Gräser gut. Der Niederschlag war aber ungleich verteilt. Ein Beispiel: In Wittmundhafen (Ostfriesland) wurde Ende September ein Plus von 242 Litern pro Quadratmeter gemessen (September 2020: minus 121 Liter); für Lüchow im Wendland lautet die Bilanz minus 267 Liter (2020: minus 399 Liter).

Getreide

Die Getreideernte fiel nach Ermittlungen des Landesamts für Statistik mit gut 5,4 Millionen Tonnen (ohne Körnermais) leicht höher aus als 2020, so Schwetje. Der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre wurde um 3,5 Prozent verfehlt. Während die Anbaufläche für Winterweizen, Roggen und Körnermais ausgedehnt wurde, sank die Anbaufläche für Sommerweizen (minus 42 Prozent) und Braugerste (minus 29 %) deutlich. Hintergründe sind die Witterung, aber auch der gedrosselte Bierkonsum während der Corona-Pandemie. Im Schnitt hätten die Getreidepreise gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent zugelegt, sagte Schwetje.

Raps / Mais

Dass in Niedersachsen mehr Raps angebaut werde, habe ebenfalls mit deutlich besseren Preisen zu tun. Die Anbaufläche stieg im zweiten Jahr in Folge auf 79 500 Hektar. Beim Mais habe die Ernte begonnen. Hier rechnet die Kammer mit guten Erträgen. Die Betriebe könnten endlich wieder Futterreserven für ihre Rinderherden aufbauen.

Kartoffeln

Das kühle und regenreiche Frühjahr sorgte für Probleme. Die Schauer begünstigten die Ausbreitung der Kraut- und Knollenfäule. Erstmals ging die Anbaufläche auf gut 122 000 Hektar zurück. Dennoch wachsen in Niedersachsen weiterhin 45 Prozent aller deutschen Kartoffeln. 2020 war der Absatz von Industrieware für die Chips- und Pommes-Produktion stark ins Stocken geraten.

Grünland

„Viel Masse, aber wenig Klasse“, sagte Schwetje zur Qualität der Pflanzen. Dank der Niederschläge hätten die Milchviehbetriebe deutlich mehr Pflanzenmasse als Grundfutter einlagern können; die Qualität der Grassilage lasse allerdings zu wünschen übrig.

Ökolandbau

Gut 2200 der mehr als 35 000 landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen betreiben aktuell Ökolandbau. In den zurückliegenden fünf Jahren hat die ökologisch bewirtschaftete Fläche um 80 Prozent zugenommen und macht mittlerweile 5,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Bis 2025 sollen es zehn Prozent sein. Fachbereichsleiter Ulrich Klischat wies auf die hohen Pachtpreise hin, die vielerorts eine Kreislaufwirtschaft behinderten. Nach wie vor niedrig sei die Nachfrage nach Schweinefleisch aus Öko-Betrieben. Je mehr Höfe umstellen, desto schwieriger werde die Nährstoffgewinnung.


 

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