Bei dieser Mitschülerin werden alle ruhig

von Oliver Braun

Kein Lümmel von der ersten Bank. Labrador-Mädchen „Phoebe“ ist ganz artig und posiert nur fürs Foto mal als Mitschülerin der Klasse 6 II an der Oberschule Sande. Das Tier sorgt überall für eine entspannte Lernatmosphäre. BILD: Oliver Braun

Hundedame „Phoebe“ hat ganz besonderen Job an der Oberschule Sande

Der Labrador-Retriever gehört seit einigen Monaten zum „Schul-Kollegium“ in Sande. Das Tier sorgt für eine entspannte Lernatmosphäre und wirkt sich auch sonst sehr positiv auf den Schulalltag aus.

SANDE. Gestatten: Phoebe, ausgesprochen „Fibi“, Labrador-Retriever, knapp drei Jahre alt, Schulbegleithund. Meine Aufgabe ist, die Konzentrationsfähigkeit der Schüler zu fördern, für eine ruhige und entspannte Lernatmosphäre zu sorgen, das Verantwortungsbewusstsein der Kinder zu unterstützen und Unsicherheit und Angst zu lindern. Ich bin lieb, verspielt, gelehrig und folgsam und habe viel Freude im Umgang mit jungen Menschen.

So etwa würde sich wohl die junge Hundedame Phoebe vorstellen, wenn sie ei­nen nicht nur freudig und erwartungsvoll anschauen und anwedeln würde, sondern reden könnte. Seit einigen Monaten begleitet die Labrador-Hündin ihre Besitzerin Janine Schütte zwei- bis dreimal pro Woche in die Schule.

Stundenplan für Phoebe

Janine Schütte ist Sozialpädagogin an der Oberschule Sande und hatte schon vor längerer Zeit die Idee, einen ge­lehrigen und folgsamen Hund zur tiergestützten Pädagogik an ihrer Schule einzusetzen. „Ich habe daher besonders auf eine geeignete Rasse geachtet, als ich mir damals einen Welpen ausgesucht habe“, sagt Schütte. Die Idee wurde schließlich konkret, als sie auf ein mehrmonatiges Fortbildungsangebot stieß. Mit der Qualifizierung dürfen Hunde an Schulen tätig sein.

Schullärm, Pausenklingel, das große Gebäude mit den vielen Gängen, die vielen Menschen – all das muss der Hund erst einmal kennenlernen und sich daran gewöhnen.

Schulbegleithunde sind eher selten, im Jeverland dürfte Phoebe der einzige Hund mit einem geregelten Schultag sein. Nicht nur die Schüler haben Phoebe längst ins Herz geschlossen, auch Schulleiter Hans-Joachim Vogt ist ganz vernarrt und überzeugt: „Der Hund wirkt sich positiv auf die Gemeinschaft aus. Das Tier stärkt den Klassenverbund, erzeugt Verantwortungsbewusstsein, wirkt ausgleichend und beruhigt durch sein Wesen einfach alle.“

Auch Ängste verschwinden: „Ich hatte immer großen Respekt vor Hunden“, sagt Bianca Kessler, Klassenlehrerin der 6 II. „Seit ich Phoebe kenne – und sie ist ja kein kleiner Hund – ist das vielbesser geworden.“

Die Hündin hat einen festen Stundenplan. Die Klassen können sie für eine Unterrichtsstunde anfordern. Mal ist Phoebe dann selbst Thema, mal ist sie einfach nur da und sorgt durch ihr ruhiges Wesen für Entspannung bei unruhigen Schülern. Auch bei Prüfungen und in Stresssituationen senkt Phoebe den Blutdruck. Wer mag, macht mit Janine Schütte und Phoebe den kleinen Hundeführerschein.

Phoebe begleitet die Schüler auch gern zur nahe gelegenen Gemeindebibliothek oder ist auf dem Schulhof anzutreffen. Phoebe ist nie allein in der Schule unterwegs. Janine Schütte ist nahezu immer an ihrer Seite.

Klare Regeln und Tabus

Und natürlich gibt’s für den Schulhund auch klare Regeln und Tabus: Dazu zählen Klassen, in denen Schüler mit Allergien unterrichtet werden. Oder Fachräume, in denen mit Chemikalien hantiert wird. Ebenso die Schul-WCs und sämtliche Hygienebereiche inklusive Mensa – die ist aktuell ohnehin geschlossen. Und natürlich werden auch Ängste respektiert.

Wenn es Phoebe zu turbulent wird oder nach einer anstrengenden Schulstunde zieht sie sich gern zurück. In Janine Schüttes Büro steht ihr Körbchen zum Schlummern.

 


 

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