„Eine Bürgerpflicht, die aufzuweichen droht“

Artikel vom 14.11.2021

Alf Hitschke

Schülerinnen und Schüler der Oberschule Wybelsum gestalteten die Gedenkveranstaltung mit. Bild: Hitschke

In der Bollwerkstraße – dort, wo bis zu ihrer Zerstörung die Emder Synagoge stand – haben Emderinnen und Emder gestern der Opfer der Nazis gedacht. Anlass war der Jahrestag der Reichspogromnacht

Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff hat die Emder Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Reichspogromnacht für einen eindringlichen Appell genutzt. Es sei eine Bürgerpflicht, die Erinnerung an die Opfer des Naziregimes und seiner Mitläufer wach zu halten und zugleich gegen ein Wiederaufflammen von Judenfeindlichkeit vorzugehen. Kruithoff am Dienstagabend: „Leider ist das eine Bürgerpflicht, die aufzuweichen droht.“

Für die Veranstaltung war die Bollwerkstraße mehrere Stunden lang gesperrt worden. Die Bühne stand dort, wo sich bis zu ihrer Zerstörung die Emder Synagoge befunden hatte. Das Gebäude war am 9. November 1938 während der straff organisierten deutschlandweiten brutalen Übergriffe auf Juden zunächst geplündert und dann angezündet worden. Die Synagoge brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Neben dem Emder Oberbürgermeister sprachen im Verlauf der Gedenkveranstaltung Schüler der Oberschule Wybelsum sowie der 1. Vorsitzende der Max-Windmüller-Gesellschaft, Dr. Rolf Uphoff. Uphoff nannte eine Reihe von Emder Juden, die Opfer des Naziterrors geworden sind, namentlich. Auch er sprach sich mit Nachdruck für einen Kampf gegen Antisemitismus aus. Die Wybelsumer Schülerinnen und Schüler machten während ihres Vortrages unter anderem auf Gruppen wie organisierte Coronaleugner aufmerksam, die in ihren Verschwörungstheorien häufig dem Judentum eine Mitschuld an der Pandemie geben. Oberbürgermeister Kruithoff ging in seiner Rede vor rund 70 Zuhörern auch auf das Verhalten von Emdern in der Nazizeit ein. „Frauen und Männer, Kinder und Erwachsene, Emderinnen und Emder“ seien „unter den Augen, der Duldung und auch der aktiven Mitwirkung ihrer Emder Mitbürger“ angegriffen und verschleppt worden. Die Namen dieser Menschen zu nennen und mit dem Finger auf sie zu zeigen, „steht uns nicht zu“, so Kruithoff. Es gebe aber die Verpflichtung, die Erinnerung an die Opfer und an die Geschehnisse lebendig zu halten.


 

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