Emder baut sich eigene Whiskeybar

Artikel vom 09.10.2021

von Lars Möller

„CHEERS“: FRANK MILICH HINTER DER THEKE SEINER WHISKEYBAR. BILD:  MÖLLER

Frank Milich baute während der Pandemie seinen Dachboden zur edlen Bar um

Nichts erinnert hier mehr an den alten, dunklen Dachboden von vor einem Jahr. Statt Holzbalken, Ziegel und Beton wandern die Augen jetzt über glatte Wände, moderne Farben, eine schicke Theke in Schieferstein-Optik, gemütliche Sessel, einen Boden in Holzoptik und großzügig bestückte Regale mit Schnapsflaschen. Zwei ins Dach geschnittene Fenster sorgen für Helligkeit, Lampen und Spots runden die gemütliche Stimmung ab. Was der Betrachter hier erblickt, ist der wahr gewordene Man-Cave-Traum (Männerhöhle) von Frank Milich . Während der Corona-Pandemie baute der Emder seinen Dachboden mithilfe von Freunden und Handwerkern zu einer schnieken Whiskeybar um - dem „Franky’s“.

Der Anstoß kam von einem Elektriker

Franky’s“ - der Name lag auf der Hand. Den Anstoß zu dem Corona-Heimwerker-Projekt gab im Grunde ein Elektriker-Besuch, als im Haus von Frank Milich in Borssum ein paar Außenlampen verkabelt werden mussten. Aus dem damals noch finsteren Raum oben könne man doch mehr machen, fand der Elektriker - und setzte Milich damit einen Floh ins Ohr. Der Gedanke reifte, aus dem Freundeskreis kam ein Unterstützungsangebot und schließlich war der Beschluss gefasst: Der Dachboden sollte sich in eine Whiskeybar verwandeln. „Das Ganze entstand natürlich auch in dem Kontext, dass während Corona wenig los war und es einfach Spaß gemacht hat, sich auf so ein Projekt zu stürzen“, sagt der 35-Jährige.

Und weil Milich ein ziemlich geselliger Typ ist und einen großen Freundes- und Bekanntenkreis hat, dauerte es gar nicht lange, bis er eine ganze Reihe von Unterstützern zusammen hatte, die ihm halfen, seine Idee zu entwickeln und umzusetzen. Während Milich, beruflich als IT-Projektleiter bei der Emder Firma MD Hardware und Service tätig, am Computer mithilfe eines 3-D-Raumplaners ein Konzept entwarf, begannen auf dem Dachboden die Arbeiten. Strom- und Wasserleitungen wurden verlegt, die Leiter wurde gegen eine Treppe getauscht, der Raum bekam Fenster, die Wände wurden mit Rigipsplatten verschalt.

„Ich bin mit Leib und Seele ITler und handwerklich eigentlich nicht besonders fit“, sagt Frank Milich und lacht. Deswegen sei es toll gewesen, dass befreundete und beauftragte Elektriker, Dachdecker und Maler ebenfalls schnell Feuer und Flamme für das Projekt gewesen seien und viele Ideen mit einbrachten. Auch ein Humidor, eine Frischhaltebox für Tabak, fand so den Weg in die Bar.

Ziemlich ausgetobt hat sich der IT-Experte bei der technischen Ausstattung der Bar. Der große Fernseher und die Sound-Anlage sind via Smartphone bedienbar, die Lichter verändern ihre Farbe per Sprachkommando. Eine Smart Bar also, die digital auf dem aktuellen Stand ist.

Den Kontrast zur modernen Technik bildet die Dekoration. Milich verbrachte enorm viel Zeit damit, sich im Netz Ideen zu holen und passende Gegenstände aufzuspüren. So fanden zwei alte Whiskey-Fässer, ein fast mannshohes Schiffssteuerrad, ein zum Tisch umfunktionierter Zylinderkopf eines Schiffsdiesels, Umlenkrollen und Takelage, eine alte Schiffsglocke, Bullaugen und andere maritime Gegenstände ihren Weg ins „Franky’s“. Vieles eigenhändig aufgearbeitet.

Wie viel Geld er für die Realisierung seiner Bar ausgegeben hat, verrät Frank Milich nicht. Aber „es waren schon ein paar Euro.“ Gleichwohl achtete er darauf, alles möglichst clever umzusetzen. So bediente er sich einer Anleitung im Internet, wie man aus Ikea-Möbeln und einer Arbeitsplatte aus dem Baumarkt einen schicken Tresen baut.

Ein kleines Oktoberfest für den Freundeskreis

Inzwischen sind die Arbeiten im und am „Franky’s“ abgeschlossen. Und was macht man mit so einer Whiskeybar? Naja, Feiern zum Beispiel. Zuletzt veranstaltete Milich ein kleines Oktoberfest für seine Freunde. Während der Fußball-EM waren die Hocker vor der Theke ebenfalls gut besetzt. Aber häufig geht es auch ganz gemütlich zu im „Franky’s“. „Manchmal lese ich hier auch einfach nur ein Buch und genieße die Gemütlichkeit“, sagt Frank Milich.

Sie haben während der Pandemie auch ein besonderes Handerwerker-Projekt umgesetzt oder ihren Garten aufwändig umgestaltet - Sie würden uns das gerne mal zeigen, damit wir darüber berichten können? Dann melden sie sich bei uns unter leseraktion@emderzeitung.de, Stichwort „Corona-Projekt“.

Vorher: So sah der Dachboden noch vor einem Jahr aus. Nachher: So sieht der Raum jetzt aus.


 

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