Emder Feuerschiff-Attentäter muss ins Gefängnis

Artikel vom 10.06.2022

Jens Voitel

Legte am Dienstag ein umfassendes Geständnis ab: Der Angeklagte (hinter einem Aktendeckel) mit seinem Pflichtverteidiger Alexander Schwenen.  Bild: Voitel

Mit vier Bohrlöchern hatte ein 46-jähriger Emder im Juni 2021 versucht, das Emder Feuerschiff zu versenken. Jetzt stand er vor Gericht und offenbarte eine sehr seltsame Weltsicht.

Der Feuerschiff-Attentäter muss ins Gefängnis: Ein 46-jähriger Emder ist am Dienstag vom Emder Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt worden – ohne Bewährung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 2021 gewaltsam in die Innenräume des Emder Museumsschiffes Amrumbank/Deutsche Bucht eingedrungen ist, im Maschinenraum des Schiffes mit Hilfe einer Bohrmaschine insgesamt vier Löcher in die Bordwand unterhalb der Wasserlinie gebohrt und anschließend auch noch sechs Bullaugen geöffnet hat, damit das historische Schiff schneller sinkt. Der Angeklagte, gebürtig aus Litauen, allerdings seit vielen Jahren deutscher Staatsangehöriger, gab seine Tat vor Gericht auch umfassend zu. Ein eindeutiges Motiv nannte der Mann allerdings nicht, sondern verlor sich während der viereinhalbstündigen Verhandlung in einem sehr eigenen Weltbild.

Das Attentat, das nur durch die Aufmerksamkeit eines zufällig vorbeikommenden Besatzungsmitgliedes und seiner achtjährigen Tochter, gescheitert war, hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Zwar konnte ein Sinken des Schiffes letztlich verhindert werden, der Schaden wird aber aktuell mit rund 126. 000 Euro beziffert. Der Förderverein Museums-Feuerschiff Amrumbank/Deutsche Bucht hat nach Angaben seines Vorsitzenden Heinz-Günther Buß bis heute mit den finanziellen Folgen des Anschlages zu kämpfen.

Er wollte eine Botschaft an die Menschheit senden, sagte der Angeklagte, der am Dienstagvormittag wegen einer Thrombose-Erkrankung in beiden Beinen in einem Rollstuhl sitzend vor Gericht erschienen war. Welche Botschaft er genau senden wollte, wurde in seinen Aussagen nicht deutlich. Nur so viel: „Den Menschen geht es doch nur ums Geld.“

So handle es sich beim Feuerschiff, dem Emder Wahrzeichen schlechthin, „doch nur um ein bisschen Eisen“. Darum werde jetzt viel zu viel Aufsehen gemacht. Gleichzeitig räumte der Mann ein, dass seine „Botschaft“ bei den Menschen nicht angekommen sei, seine Mission sei also gescheitert.

Richter Henrik Gläsel hatte in seinem Urteil auch zu klären, ob der Angeklagte angesichts seiner wirren Aussagen überhaupt zurechnungsfähig, also für seine Tat vollends verantwortlich war und ist. Entgegen einem Gutachter eines Emder Psychiaters räumte Gläsel in seiner Urteilsbegründung zwar ein, dass sich der Angeklagte offenbar in einer gespalteten Welt bewege, für seine Tat aber voll verantwortlich zu machen ist. Deshalb lehnte das Gericht auch eine Bewährungsstrafe ab, zumal das Vorstrafenregister eine lange Liste von Straftaten vorweist und sich der Mann auch während des Feuerschiff-Attentats noch auf Bewährung befand.

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