Emder Hilfe für Kinder in Ruanda

Artikel vom 25.10.2021

Iris Hellmich

Im Emder Trikot: ein Junge in Ruanda freut sich über das Geschenk aus Spenden. Im Hintergrund sind die vom Verein finanzierten Häuser zu sehen.

Seit Jahren hilft der Kinderchirurg Dr. Alfred Jahn in dem ostafrikanischen Land und bekommt dabei auch viel Unterstützung aus der Seehafenstadt

Die Hilfsbereitschaft der Emder geht weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus. Als vor zwei Jahren in Ruanda durch Erdrutsche an Berghängen viele Familien ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, war unkonventionelle Hilfe gefragt. Unter anderem auch mit Emder Spendengeldern konnte den Menschen in der Not beigestanden werden. Initiator war und ist Dr. Alfred Jahn, der seit vielen Jahren als Kinderchirurg in dem kleinen afrikanischen Land arbeitet. 1997 kam er das erste Mal in seinem Urlaub nach Ruanda und stellte bald fest, dass einmalige Hilfe nicht ausreicht. Zudem nahm er verwaiste oder obdachlose Kinder auf, die unter den Folgen des Genozids von 1994 litten. Einige von ihnen bekamen Jahre später als Erwachsene die Gelegenheit, in Emden eine Ausbildung zu machen. Mit Erfolg, Fleiß und Zuverlässigkeit nutzen sie ihre Chancen, wie dann und wann von den Vorgesetzten im Hotel Upstalsboom, bei der Obw oder aus der Lkw-Werkstatt Bruno Bruns zu hören ist.

Ein bewegtes Leben als Arzt

Freiheit und Mitmenschlichkeit – dies sind Werte, die dem heute 84-jährigen Jahn viel bedeuten. Mit 18 Jahren verließ der gebürtige Duisburger seine zerbombte Heimatstadt Nordhausen im Harz und ging zum Studieren nach Berlin. Später flüchtete er aus der DDR in den Westen, wo er zuletzt in Landshut als Chefarzt der Kinderchirurgie am Kinderkrankenhaus St. Marien arbeitete. Emder Kinderärzten war er schon lange bekannt. Sie hatten von Jahns Einsatz auf dem DRK-Hospitalschiff „Helgoland“ während des Vietnamkrieges erfahren. Der ehemalige Chefarzt der Kinderstation im Emder Krankenhaus, Dr. Wilhelm Janssen, spricht noch heute von ihm, weil ihn Jahns Engagement für Kinder in Notgebieten der Welt beeindruckt.

In Ruanda ist der Mediziner für viele Jahre der einzige Kinderchirurg gewesen. Im Zentralkrankenhaus in Kigali hält er seine Sprechstunden und bestellt für seine Operationen Mütter mit ihren kranken Kindern nach Ruli in ein etwa 40 Kilometer von Kigali entferntes Krankenhaus, wo er unter anderem Kinder mit Hydrocephalus, im Volksmund Wasserkopf, behandelt. Für diese Operationen werden besondere Ventile benötigt, die recht teuer sind. Für die meisten Eltern ist es eine lange Reise zum Krankenhaus, die sich nur wenige leisten können. Während in Europa Hydrocephalus-Kinder bereits im Säuglingsalter erfolgreich operiert werden, kommen in Ruanda einige viel zu spät zur Behandlung. Dann sind oft bereits Behinderungen wie Blindheit oder motorische Störungen irreversibel.

Große Hilfsaktionen für die Menschen vor Ort

Bis heute ist Dr. Alfred Jahn im Operationssaal im Einsatz. Weiterhin setzt er Spendengelder der Mitglieder seines Vereins ein, um das Schulgeld für Kinder aus armen Familien zu bezahlen und zur Versorgung Obdachloser. Im September fand wieder eine große Hilfsaktion statt für Menschen, die bei Erdrutschen Hab und Gut verloren haben. Für hunderte Männer, Frauen und Kinder wurde der Hausbau finanziert, damit die Menschen wieder ein Dach über dem Kopf haben. Junge Leute, die Jahn als Kinder bei sich aufgenommen hatte, verteilten Lebensmittel sowie unter anderem Kleidung und Schuhe. In Ruanda toben jetzt Kinder, die durch Naturkatastrophen alles verloren haben, auch in Kleidung aus Emden herum.


 

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