Finanzamt wartet noch auf über 27.000 Emder

Artikel vom 27.10.2022

Jens Voitel

Der stellvertretende Vorsteher des Finanzamtes Emden-Norden, Stephan Nordloh, und Abteilungsleiterin Silke Fitz zwischen den Emder Grundsteuerakten. Bild: Jens Voitel

Die „Grundsteuererhebung“ ist für viele Menschen ganz augenscheinlich ein rotes Tuch. Sehr zum Leidwesen des Finanzamtes Emden-Norden.

Die Grundsteuererklärung sorgt nicht nur bei den Steuerzahlern für Frust. Auch die Mitarbeiter des Finanzamtes Emden-Norden haben so ihre Probleme mit der angeordneten staatlichen Erhebung. Dazu gehört unter anderem, dass die Grundsteuerstelle derzeit allein aus Emden noch auf über 27 000 ausgefüllte Bescheide wartet. Von den etwa 42 000 Grundeigentümern in Emden haben bislang gerade einmal 34 Prozent ihre Angaben online oder auf Papier gemacht. Und selbst bei denen, die ihre Erklärung bereits angegeben haben, rechnet das Finanzamt mit einer Fülle von Fehlern und entsprechenden Nachfragen der Behörde. Hätte das Finanzministerium die ursprüngliche Abgabefrist Ende dieses Monats nicht vor wenigen Tagen noch auf die Schnelle bis Ende Januar verlängert, wäre das Chaos wohl komplett.

Großer Druck

„Der Eingang der Erklärungen läuft schleppend“, räumten der stellvertretende Vorsteher des Finanzamtes Emden-Norden, Stephan Nordloh, und die zuständige Abteilungsleiterin Silke Fitz jetzt in einem Gespräch mit dieser Redaktion offen ein. Beide wissen um die Probleme vieler Steuerzahler und zeigen durchaus Verständnis für den Unmut bei den Betroffenen. „Der zeitliche Druck war wirklich groß“, sagte Nordloh mit Blick auf den ursprünglichen Abgabetermin Ende Oktober. Auch die Technik des online-Portals Elster, auf dem die Bürger ihre Erklärung abgeben sollen, sei nicht für alle wirklich immer gut zugänglich. Allerdings spricht der Finanzamt-Chef auch von einer „irrationalen Hemmschwelle“, die die Menschen seiner Meinung nach bislang von der Grundsteuer-Erklärung abgehalten habe.

Eher selten

Nach Überzeugung des stellvertretenden Finanzamt-Vorstehers sollten die notwendigen Daten für die Erklärung nämlich eigentlich bei jedem zuhause schlummern. „Wenn ich einen Aktenordner mit dem Titel ,Haus’ habe, werde ich dort viele der Daten finden“, sagte Nordloh wie zur Beruhigung vieler. Nach Ansicht von Nordloh und seiner Kollegin Silke Fitz geht es im Kern um „fünf Angaben“, die es für die Erklärung braucht. Dass das in der Praxis ganz anders aussieht, verrät nicht nur ein Blick auf das Elster-Programm, sondern auch auf die Papierform. Vor allem Begrifflichkeiten wie „Flurstück“, „Einheitswert“ oder „Bodenrichtwert“ kommen bekanntlich im Alltag eher selten vor.

Lange Bank

Doch der Steuerzahler soll nicht allein gelassen werden. Die beiden Emder Finanzbeamten weisen auf die telefonische Beratung ihres Hauses hin, auf Sprechzeiten oder auch auf einen „Grundsteuer-Tag“ einmal die Woche. „Jeder, der zu uns kommt, wird mit einer vollständigen Erklärung nach Hause gehen“, verspricht Nordloh. Allerdings: „Wir können nicht die ganze Erklärung für den Steuerzahler ausfüllen.“ Das würden die Kapazitäten des Finanzamtes nicht hergeben. Es gehe um eine „unterstützende Hilfe“, nicht um das komplette Ausfüllen. „Jeder sollte sich deshalb wirklich einmal intensiv mit der Erklärung befassen. Die dann noch offenen Fragen kann man dann gemeinsam beantworten“, sagte Nordloh.

Nachbearbeitung

Die Steuer-Experten appellieren jetzt an ihre Kunden, trotz der Fristverlängerung die Grundsteuererklärung nicht wieder auf die lange Bank zu schieben. „Wir hoffen, die Bürger legen die Erklärung jetzt nicht wieder zur Seite“, sagte Nordloh. Denn auch das Finanzamt steht unter Druck. Silke Fitz: „Die Kommunen warten auf unsere Grundsteuermessbescheide.“ Sie geht zusammen mit ihrem Chef außerdem davon aus, dass die Nachbearbeitung der eingegangenen Erklärungen noch Monate dauern wird. Der Grund: Jeder Fehler, jede Lücke in den Formularen führt zu einem Schreiben des Finanzamtes an den jeweiligen Steuerzahler. Und das dauert.


 

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