Finanzielle Situation der Kliniken weiter schlecht

Artikel vom 06.01.2022

Ute Lipperheide

Seit Jahren in den roten Zahlen: das Klinikum Emden.

Bundesweit ächzen die Krankenhäuser unter der Belastung durch die Pandemie. Nicht nur das Personal ist besonders gefordert, auch die finanzielle Situation verschlechtert sich.

Den Kliniken geht das Geld aus, und zwar deutschlandweit. Grund dafür ist die Pandemie. Mittlerweile trifft es auch Krankenhäuser, die bis vor kurzem keine roten Zahlen schrieben. Aber wie sieht die Situation aus in Häusern wie in Emden, Aurich oder Norden, die seit Jahren hohe Defizite aufweisen?

Auch dort ist es dramatisch, teilte Johannes Booken von der Presseabteilung der Trägergesellschaft der drei Kliniken, auf Anfrage mit. Aber der Wirtschaftsplan für die Häuser ist bereits im vergangenen Jahr so kalkuliert worden, dass man jetzt davon ausgehe, dass das geplante Defizit von rund 10,3 Millionen Euro für dieses Jahr nicht überschritten wird.

Diese Berechnung wurde im vergangenen März vorgestellt. Deutlich wurde dabei, dass das Defizit der Häuser reduziert wird. Booken: „Auch wenn die Verluste 2021 niedriger als in früheren Jahren sind, kann das nicht über die erheblichen Herausforderungen für das kommende Jahr hinwegtäuschen.“ Hilfreich, um die drei Kliniken nicht noch weiter ins Minus rutschen zu lassen, seien die Corona-Ausfallzahlungen. Diese sollen noch bis März 2022 fließen.

Booken betonte, dass auch das kommende Jahr für die Kliniken „mit großen wirtschaftlichen Unsicherheiten verbunden“ sein werde. Dies gelte jedoch nicht nur für die Kliniken in Emden, Aurich und Norden, sondern auch für andere Krankenhäuser in Deutschland. Das deckt sich mit den Aussagen des am Montag veröffentlichten Krankenhaus-Barometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI). Die wirtschaftliche Situation sei so schlecht wie seit über 20 Jahren nicht – und das trotz der staatlichen Corona-Hilfen, heißt es da. Rund 60 Prozent der deutschen Kliniken hätten massive wirtschaftliche Schwierigkeiten.

„Es ist unabsehbar, wie sich die Pandemie und damit einhergehend die Fallzahlen im kommenden Jahr entwickeln werden. Ein maßgeblicher Grund für die wirtschaftliche Lage sind die Belegungsrückgänge infolge der Corona-Pandemie und damit zusammenhängender deutlicher Einschränkungen des Regelbetriebs“, sagte Booken. Verschiebbare Operationen wurden und werden zum Teil verschoben, um Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten. Auch scheuen Patienten, aus Angst vor einer Infektion, häufiger einen Gang zum Arzt oder in die Kliniken. Insgesamt rechnet die Trägergesellschaft 2022 im Krankenhausbereich ebenfalls wieder mit einem Verlust.

Auch die Wiederbesetzung von freien Stellen im ärztlichen und pflegerischen Bereich ist nicht nur bundesweit schwierig, sondern vor allem auch im ländlichen Raum, wie in Ostfriesland. In den Kliniken Aurich, Emden und Norden sind derzeit 23 der rund 1200 Planstellen im patientennahen Bereich nicht besetzt, teilte Booken mit.

KLINIK-FINANZIERUNG

Die Kliniken bekommen Geld von den Krankenkassen, Steuermittel und einen geringen Betrag an privaten Zahlungen.

Die Investitionskosten, wie für Neubauten oder neue Geräte, sind gesetzlich geregelt. Sie müssen durch die Bundesländer finanziert werden. Doch hierbei gibt es erhebliche Unterschiede. Niedersachsen gehört zu den Ländern, die am wenigsten zahlen.

Die Betriebskosten, zu denen unter anderem die Gehälter der Mitarbeiter zählen, werden von den Krankenkassen bezahlt. In ganz seltenen Fällen sind Patienten ganz privat zur Behandlung im Krankenhaus und zahlen dann entsprechend selbst.

Nach Fallpauschalen zahlen die Krankenkassen die Behandlung der Patienten. Diese Pauschalen beinhalten ärztliche Leistungen, Sachkosten wie Medikamente, Verbände oder etwa künstliche Gelenke, Aufwendungen für Infrastruktur und Verwaltung. Sie werden vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus aufgrund der Durchschnittskosten von Modellkliniken jährlich berechnet und dann pauschal für alle festgelegt.

Die Pflegekosten hingegen verhandeln die Krankenkassen mit den Kliniken individuell, je nach den tatsächlichen Ausgaben der einzelnen Häuser.


 

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