Gezeitentaucher verschenken 3D-Modell von „WrackX“ an Kapitänsenkel

Artikel vom 12.10.2021

Svenja Gabriel-Jürgens

Gelungene Überraschung: Holger Buss (links) und Ulrich Hofmann (rechts) von den Gezeitentauchern übergeben Ernst Weitendorf ein 3D-Modell von „WrackX“, dem 1936 gesunkenen Dampfer Elsa. Bild: Gezeitentaucher

1936 sank der Dampfer Elsa in der Nordsee. Die ostfriesischen Gezeitentaucher erforschten die Geschichte des Wracks und stießen so auf den in Jever und Bremen lebenden Enkel des damaligen Kapitäns

Wie ein Abenteuerroman klingt die Geschichte des Dampfers Elsa. Vor fast genau 85 Jahren sank das Schiff bei starkem Sturm in der Nordsee. Nur zwei Besatzungsmitglieder überlebten. Lange Zeit blieb das Wrack unentdeckt – bis 2007 die Gezeitentaucher durch Zufall beim Angeln auf das Schiffswrack stießen. Ihre Neugier war geweckt: Sie tauchten nach dem in 25 Metern in der Tiefe liegenden Schiff – und starteten damit eine zehn Jahre andauernde Suche nach der Geschichte des Wracks. 14 Jahre später führt sie ihr Weg nun auch nach Jever.

Suche nach Information

Da sich weder eine Schiffsglocke noch eine Beschriftung am Wrack finden ließen, nannten die Gezeitentaucher das Schiff „WrackX“. Um mehr über das Wrack zu erfahren, belegten die Männer Kurse in Unterwasserarchäologie, lernten das Vermessen und Dokumentieren von Schiffswracks. „Bei einem weiteren Tauchgang haben wir das Wrack ausgemessen und eine Phantomzeichnung angefertigt“, sagt Holger Buss von den Gezeitentauchern. Mit dieser begaben sie sich am Festland auf die Suche nach weiteren Informationen.

„Wir suchten in alten Zeitungen, welches Schiff wann wo gesunken ist. Da das Schiff eine Dampfmaschine hatte, vermuteten wir, dass es zwischen 1900 und 1930 gebaut worden sein muss“, so Buss. Irgendwann hätten sie dann ein Bild des Schiffs Elsa entdeckt. Dieses glichen sie mit dem Wrack in der Nordsee ab. „Wir fanden viele übereinstimmende Details und auch die Dampfmaschine passte. So konnten wir das Schiff 2017 schließlich als das Schiff Elsa identifizieren“, berichtet Buss. Die Elsa gehörte Kapitän Ernst Weitendorf aus Rostock.

Nachfahren finden

„Da wir wissen möchten, wem das Schiff gehörte, wollten wir die Nachfahren des Kapitäns ausfindig machen. So gehen wir bei jedem Wrack-Fund vor. Im Telefonbuch gab es aber 52 Weitendorfs. Die habe ich alle angerufen“, erinnert sich Buss. Über Umwege erreichte er so den nicht im Telefonbuch stehenden Enkel des Kapitäns. „Er heißt mit Vornamen auch Ernst. Hätte ich das im Telefonbuch stehen sehen, hätte ich da natürlich zuerst angerufen“, sagt der Gezeitentaucher und lacht.

Enkel Ernst Weitendorf, wohnhaft in Jever und Bremen, sei begeistert von dem Fund der Elsa gewesen. Noch immer habe er in seiner Wohnung ein Zimmer eingerichtet, in dem Möbel seines Großvaters stehen. Dieser ist übrigens während des Unglücks nicht an Bord der Elsa gewesen.

Enkel Weitendorf berichtete den Gezeitentauchern schließlich von den letzten Stunden der Elsa, bevor sie im Sturm sank. Überliefert ist die Geschichte durch einen Matrosen, der das Unglück überlebte.

Im August 2021 tauchten die Gezeitentaucher erneut zum Wrack. Holger Buss filmte es genau ab. Den Film zerlegte er in über 21000 Einzelbilder – und erstellte mit einem 3D-Drucker ein 3D-Modell vom „WrackX“. Dieses übergaben die Gezeitentaucher in Jever nun an Enkel Weitendorf. „Mit dieser Überraschung haben wir ihm eine Freude bereitet“, freut sich Buss. Aus erster Quelle weiß er: „WrackX bekommt einen besonderen Platz“.


 

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