„Ich frage mich, was läuft dort eigentlich anders?“

Artikel vom 17.11.2021

Hans-Jürgen Wehmhörner (links) war 19 Jahre lang Vorsitzender im Stadtsportbund: Peter Bartsch wurde beim Stadtsporttag von den Mitgliedern zu seinem Nachfolger gewählt. Bild: DIRK DE VRIES

Viele Dinge, die der ehemalige Vorsitzende eingeführt hat, wird Peter Bartsch weiterhin so handhaben. Er möchte aber auch die Jugend wieder mehr in den Fokus rücken. Das und mehr beantwortete er im Interview

Nein, nicht seit 100 Tagen, sondern erst seit zwei Wochen im Amt, möchte der neue Vorsitzende im Stadtsportbund (SSB) Emden, Peter Bartsch, eigene Wege gehen, ohne gut funktionierende Dinge umkrempeln zu wollen. Die Sportredaktion führte ein Interview mit dem Neuen im SSB.

Frage: Herr Bartsch, sind Sie im neuen Job schon angekommen, oder ist es immer noch ungewohnt?

Peter Bartsch: : Da ich für den Stadtsportbund schon seit 2018 als Datenschutzbeauftragter tätig bin und ich in der Geschäftsstelle schon vor der Wahl fast jede Woche ein- und ausgegangen bin, benötige ich keine große Eingewöhnungszeit. Nur der Stuhl ist jetzt ein anderer.

Frage: Wo drückt der Schuh im Emder Sport?

Die Frage nach dem Schuh wird sicher jeder Verein anders beurteilen. Die unterschiedlichen Vereine haben unterschiedliche Bedürfnisse. Auch von der Corona-Pandemie ist ein Verein wie der ISV sicher deutlich stärker betroffen, als ein kleiner Einsparten-Verein mit einem seit Jahren stabilen Mitgliederstamm.

Frage: Und, wer fragt schon nach Geld? Und wofür?

Ich habe in der Tat schon die eine oder andere persönliche Anfrage erhalten, aber direkt um Geld angepumpt hat mich noch keiner. Natürlich wird Geld in vielen Gesprächen eine Rolle spielen, aber ich denke, da täte man unseren Vereinen Unrecht, wenn man den Eindruck erwecken würde, die Vereine sähen den Stadtsportbund und seinen neuen Vorsitzenden zuvorderst als eine Art Geldquelle.

Frage: Jugend und Leistungssport steht unter anderem auf Ihrer Agenda. Was genau stellen Sie sich da vor?

Auf der einen Seite möchte ich wissen, was die Jugendlichen hier im Emder Sport bewegt, und was sie sich für Veränderungen und Verbesserungen in ihrer Stadt vorstellen. Genau deshalb möchte ich mit Eike Bergmann ein Mitglied des neu gegründeten Jugendparlaments mit in unser Vorstandsteam integrieren. Mir liegt aber auch daran, dass Nachwuchskräfte, die sich ehrenamtlich engagieren, hierfür eine sichtbare Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Genau deshalb möchte ich, dass wir in Emden auch einen Preis für junge Ehrenamtliche ausloben.

Frage: Haben Sie Pläne für den Emder Sport und seine Vereine, die Sie gerne umsetzen würden (Infrastruktur, Vereinszusammenlegung, Sportlerehrung)?

Bei der möglichen Zusammenlegung von Vereinen halte ich mich grundsätzlich zurück. Nach meinem Geschmack sind 56 Sportvereine für eine Stadt wie Emden und insbesondere 13 Fußballvereine angesichts stetig sinkender Mannschaftszahlen zu viel. Wenn Vereine sich zusammenschließen wollen, stehen wir bei Bedarf selbstverständlich beratend zur Seite. Was die Sportlerehrung betrifft, werde ich in den kommenden Wochen Gespräche führen, um zu schauen, ob die Idee einer Sportlerwahl auf Zustimmung stößt. Die ersten Reaktionen waren grundlegend positiv.

Frage: Sie als gelernter Schiedsrichter sprachen in Ihrer Antrittsrede auch vom Fair-Play der Mannschaften. Gibt es schon Ideen, wie dort eine Besserung erreicht werden kann?

Man darf sich da sicher keinen Illusionen hingeben. Fair-Play wird im Sport schon immer propagiert, seit ich denken kann. Trotzdem bleibt es oft bei Lippenbekenntnissen. Der erste Ansatz muss sein, dass sich der Fair-Play-Gedanke in der DNA eines jeden Vereins noch mehr verfestigt und dass die entsprechenden Werte dort als eine Art Leitbild auch an den Nachwuchs weitergegeben werden. Die Erwachsenen, namentlich die Eltern und die Funktionsträger im Verein, haben Vorbildfunktion, sie müssen das Fair-Play vorleben. „Mit einem Fair-Play-Preis möchte ich von Seiten des Stadtsportbundes das uns Mögliche dafür tun, dass das Fair-Play eine gesonderte Anerkennung erfährt.

Frage: Haben Sie Angst vor den „großen“ Fußstapfen, die ihr Vorgänger Hans-Jürgen Wehmhörner hinterlässt?

ch habe großen Respekt vor der Arbeit, die Hans-Jürgen in den zurückliegenden 19 Jahren für den Emder Sport geleistet hat. Aber Angst wäre ein schlechter Wegbegleiter, zumal ich nicht nur Hans-Jürgen, sondern auch ein funktionierendes Team nach wie vor um mich habe.

Frage: Wenn Sie drei Wünsche als SSB-Chef für den Emder Sport und die Vereine frei hätten, welche wären das?

Ich würde mir ein zentrales und modernes Sportzentrum für den Leistungs- und Breitensport wünschen, das idealerweise auch noch mit einem unserer Gymnasien kooperiert. In Vechta werden rund 11 Millionen Euro für den Neubau der zwei zentralen Vereinssportanlagen plus Universität investiert. Da tränen mir einerseits die Augen und andererseits frage ich mich, was läuft dort eigentlich anders als bei uns?

Als zweites würde ich mir für Emden ein Top-Team aus den vorher genannten Rahmenbedingungen wünschen, wie beispielsweise beim SV Meppen im Fußball, bei Rasta Vechta im Basketball oder auch bei der HSG Nordhorn-Lingen im Handball.

Und als drittes würde ich mir wünschen, dass wir ab dem 1. Januar die Einschränkungen der Corona-Pandemie endlich hinter uns lassen können. Die Absage des Silvesterlaufs habe ich sehr bedauert, wenngleich sie natürlich mehr als nachvollziehbar ist. Aber da fehlt an Silvester einfach etwas.

ZUR PERSON

Peter Bartsch, 45 Jahre, geboren in Emden, seit 1983 Mitglied bei SuS Emden, 1995 Abitur am GaT, ledig, von Beruf Rechtsanwalt und Notar, seit 30. Oktober Vorsitzender im Stadtsportbund Emden.


 

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