In der Kindertrauergruppe haben auch Wut und Schmerz einen Platz

Artikel vom 24.08.2023

Werner Wiggermann

Die verantwortlichen Ehrenamtlichen und Ansprechpartner für die Kindertrauergruppe: Von links Heidi Mandel, Thomas Wiesner, Marika Stulken, Elke Rösing und Karin Jansen-Voßen. Bild: Privat

Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer schwer. In der Kindertrauergruppe versuchen die Ehrenamtlichen des Hospizdienst für den Landkreis Wittmund eine Unterstützung zu bieten.

Wittmund - Wohin mit all dem Schmerz, wenn die Oma plötzlich nicht mehr da ist oder der Opa oder sogar Mama oder Papa? Wer ist daran Schuld? Was soll ich jetzt tun? Fragen, die selbst Erwachsene eine Zeitlang ratlos machen. Und wie sollen erst Kinder damit fertig werden? Die Kindertrauergruppe im Ambulanten Hospizdienst für den Landkreis Wittmund hilft Antworten auf die quälenden Fragen zu finden. Das Angebot: Einen Raum der Begegnung zu schaffen, in dem die notwendige Trauerarbeit auch mit kleinen Schultern geleistet werden kann.

Ventil für die Wut

Kaum zum Aushalten, vor allem wenn man nicht einmal darüber sprechen kann, was da überhaupt passiert ist. Die Eltern, die Geschwister, die Freunde mag man nicht belasten. „Aber irgendwo müssen sie hin mit ihrer Wut“, weiß Elke Rösing, die Kursleiterin der Kindertrauergruppe. Und gerade zuhause gibt es oft keinen Ausweg aus der Verzweiflung. Die äußert sich zum Beispiel durch scheinbar unmotivierte Weinkrämpfe oder durch aggressives Verhalten. „Wir können aber einen Ort anbieten, an dem man reden kann, an dem man Kinder und Jugendliche trifft, die Ähnliches erlebt haben – und an dem man sich nicht ein genervtes, jetzt ist es aber auch mal gut’ anhören muss“, sagt Elke Rösing.

Abschied, Sterben und Tod werden in der Gruppe nicht tabuisiert. Stattdessen sollen die Kinder und Jugendlichen auf ihre Weise begreifen, dass zum Leben auch der Tod gehört. Zwischen vier und 18 Jahren sind die jungen Menschen, die hier um einen geliebten Angehörigen oder auch ein geliebtes Tier trauern. Kleinere „springen oft in Trauerpfützen und auch wieder hinaus“, berichtet Elke Rösing. Gemeint ist eine spontane, kurze Phase des Schmerz-Erlebens, in der Gefühle und Gedanken durch Spiel und Aktivität ausgedrückt werden können. Schon pubertierende Kinder geraten oft in ein Gefühlschaos – und können sich durch Malen, Rollenspiel und Musik mit Gleichaltrigen austauschen und den Druck der Trauerarbeit so erleichtern.

Durch einfühlsames Zuhören und ehrliche Antworten unterstützen die fünf ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Trauerprozess der Kinder. Und manchmal ist es auch die Teamhündin Mathilda, die durch sanfte und neugierige Begegnung positive Gefühle ermöglicht und den Aufbau eines neuen Selbstbewusstseins unterstützt.

Neue Gruppe

Die Kindertrauergruppe trifft sich einmal im Monat freitags von 15 bis 17 Uhr in den Räumen des Ambulanten Hospizdienstes, Drostenstraße 19, in Wittmund. Im Normalfall können die Kinder und Jugendlichen ein Jahr lang dabei bleiben. Für die neue Gruppe, die am 1. September startet, sind bisher sechs Kinder angemeldet – „es sind also noch ein paar Plätze frei“, versichert Elke Rösing. Und auch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wären sehr willkommen. Im aktuellen Team arbeiten übrigens Ehrenamtler mit ganz unterschiedlichen Berufserfahrungen mit: Auch eine Verkäuferin und ein Pilot sind dabei. InteressentInnen können sich unter Tel.: 04462/9860082 oder per Mail unter info@hospiz-wittmund.de melden.


 

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