In Emden werden wieder Schiffe gebaut

Artikel vom 30.12.2021

Jens Voitel

Gleich sechs von diesen Minibulkern soll die Fosen Yard Emden jetzt bauen. Bild: Fosen Yard

Darauf haben die Beschäftigten der Fosen Yard Emden lange gewartet: Nach zwei Lachsfarmen ist endlich ein Nachfolgeauftrag eingegangen. Gleich sechs Schiffe soll die Werft bauen.

In Emden werden ab dem nächsten Jahr wieder Schiffe gebaut. Die Fosen Yard Emden GmbH hat den Auftrag für den Bau von gleich sechs Schiffen an Land gezogen. Das teilte die Werft, die seit 2019 zur norwegischen Fosen-Gruppe gehört, am Mittwoch mit. Bei den Schiffen handelt es sich um sechs, jeweils 88 Meter lange Minibulker, die in Zukunft unter anderem zwischen Nordeuropa und Großbritannien verkehren sollen. Sie sind aber auch „rheinfähig“, können also ebenso als Binnenschiffe operieren. Auftraggeber ist ein deutsches Finanzierungshaus. Auch der Besteller, der Charterer und der Schiffsmanager kommen aus Deutschland. Über das Auftragsvolumen wurden zunächst keine Angaben gemacht.

„Das ist für uns ein großer und wichtiger Schritt, den wir uns hart erarbeitet haben“, sagte Fosen-Geschäftsführer Carsten Stellamanns gegenüber dieser Zeitung. Nach der Ablieferung von vier großen Bauteilen für zwei riesige Offshore-Lachsfarmen im Spätsommer dieses Jahres (wir berichteten), fehlte der Emder Werft bislang ein Folgeauftrag. Zwar hatte Stellamanns wiederholt von einer möglichen neuen Order gesprochen, konnte aber erst jetzt Vollzug melden. Die rund 100 Mitarbeiter der Werft, die zwischenzeitlich an andere Firmen ausgeliehen werden mussten oder in Kurzarbeit waren, sollen nun ab Frühjahr nächsten Jahres nach und nach wieder zurückkehren. Auch weitere Einstellungen sind bereits im Gespräch.

Die Fosen Yard Emden wird die Bulker nach Angaben von Stellamanns komplett in Emden fertigen. Unterstützt wird sie dabei vom niederländischen Ingenieurbüro Conoship International BV aus Groningen, das das Design entworfen hat. „Dies ist somit ein regionales Projekt, auch mit niederländischen Partnern“, so Stellamanns. Die Besonderheit: Neben einem diesel-elektrischen Antrieb ist das Design der Schiffe auch für die Installation sogenannter Ventifoils vorgesehen. Das sind flügelförmige Elemente, die durch Windkraft eine im Verhältnis zu ihrer Größe hohe Vortriebskraft erzeugen und so den Verbrauch reduzieren. Insgesamt zeichnet sich dieser Schiffstyp durch zahlreiche Innovationen aus, die eine hohe Wettbewerbsfähigkeit über lange Zeit sicherstellen sollen, teilte die Werft mit.

Der Brennstart für die erste Stahlplatte soll aller Voraussicht nach im März nächsten Jahres sein. Die Ablieferung der gesamten Serie soll 2023 erfolgen. „Wirtschaftlich ist es eigentlich egal, ob wir Stahlkonstruktionen für eine Lachsfarm bauen oder eben ein Schiff“, räumte der Emder Werft-Chef ein. „Aber ein Schiff ist natürlich nicht nur für die Belegschaft noch emotionaler“, sagte Stellamanns. „Das wühlt die Belegschaft doch etwas mehr auf.“ Dennoch will Fosen Yard Emden auch in Zukunft zweigleisig fahren. Neben Schiffen sollen auch andere Konstruktionen möglich sein.


 

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