Keine Abschuss-Genehmigung – aber auch keine Ruhe

Artikel vom 04.05.2022

Anuschka Kramer

Wie groß ist die Gefahr, dass Wölfe auch an den Deichen heimisch werden? Und wie könnte dieser Gefahr begegnet werden? Deich-Verantwortliche und betroffene fordern ein besseres Wolfmanagement vom Land. Bild: Pixabay 

Die Deiche zwischen Emden und Leer sollen wolfsfreie Zonen werden. Doch wie? Der Wolf-Abschuss wird wohl vorerst nicht genehmigt, aufgeben wollen die Verantwortlichen aber nicht.

Der Wolf, der auf dem Deich zwischen Emden-Borssum und Leer mehrere Schafe gerissen hat, wird nicht bejagt. Das teilten am Donnerstag die Verantwortlichen der Moormerländer Deichacht mit. Der Abschuss-Antrag, den die Deichwächter bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Leer eingereicht haben, wird nicht ans Land Niedersachsen weitergegeben.

„Einen offiziellen Bescheid haben wir noch nicht, aber inoffiziell wissen wir, dass er wohl abgelehnt wird. Die Begründung kennen wir noch nicht, aber mündlich hieß es, der Wolf sei wahrscheinlich eh weg und eine Bejagung schwierig“, erläuterte Adolf Wilken, Verbandsingenieur beim Entwässerungsverband Oldersum, anlässlich der traditionellen Deichschau.

Wanderwolf

Dass der Wolf weitergezogen ist, es sich also um einen Wanderwolf handelt, belegt die Gen-Analyse und der Vergleich mit anderen Schaf-Rissen im In- und Ausland. „Er war schon in Belgien aktiv, in den Niederlanden, in Nordrhein-Westfalen, im Emsland – und jetzt bei uns“, führte Oberdeichrichter Heiko Albers aus. „So einen Wolf zu finden, ist wahrscheinlich nahezu unmöglich“, räumt er ein. Aber die Abschuss-Genehmigung abzulehnen sei ja auch keine Lösung des Problems, denn weitere Wölfe würden sicher folgen und es müsste eine grundsätzliche Lösung her.

Einsatz für wolfsfreie Zonen

Für die Verantwortlichen der Deiche zwischen Emden-Borssum und der Leda-Stadt ist klar: Sie werden sich engagiert für wolfsfreie Zonen einsetzen. Unterstützung finden sie nicht zuletzt bei betroffenen Landwirten wie Heinz-Peter Großterlinden, dessen Betrieb direkt hinterm Deich bei Oldersum liegt und der ebenfalls ein Schaf an den Wolf verloren hat.

Besseres Wolfsmanagement gefordert

„Es ist uns ein ernstes Anliegen, dass das Wolfsmanagement wirklich angefasst wird, damit die Deichsicherheit gewährleistet bleibt“, betonte der Landwirt. Denn Schutzzäune, die die Raubtiere nicht überwinden können, könnten auf dem Deich nicht installiert werden. Er sieht das Land in der Pflicht, sich dem Problem anzunehmen. Schließlich wolle Niedersachsen eine Wolfspopulation, also müsste das Land auch die Verantwortung tragen. „Wir können ja auch einfach alle Deiche asphaltieren, dann haben wir keine Schafe und keine Probleme“, stellte er sarkastisch fest, um dann aber im ernsten Ton fortzufahren: „Es muss grundlegend etwas passieren, und zwar eigentlich nicht jetzt, sondern schon gestern. In ganz Ostfriesland gibt es Schafrisse, immer wieder.“ Es gehe um Deichsicherheit, aber auch die Produktion von Lebensmitteln – „hat das keinen Wert?“

Belastende Situation

„Und“, so ergänzte sein Sohn Heinz-Hermann Großterlinden, „es muss auch die emotionale Seite betrachtet werden.“ Die Landwirte hingen an ihren Tieren. Diese Tiere, ob nun Schaf oder Rind, so wurde bei seinen Ausführungen deutlich, seien nicht irgendeine Ware, die nach der Beschädigung ersetzt werde und sonst keinen kümmere. Es seien Lebewesen, Tiere, die aufgezogen, gezüchtet und mit denen gearbeitet werde. Sie seien jetzt einer großen Gefahr ausgesetzt – und die müsste gebannt werden.

Doch wie? Darauf konnte es bei der Deichschau keine Antwort geben. Sicher ist, die Verantwortlichen aus Moormerland wollen das Thema nicht ruhen lassen und sich engagiert für wolfsfreie Deiche einsetzen.


 

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