Kleine Generalprobe schon mal gelungen

Artikel vom 06.10.2021

von Stephanie Schuurman

GEFRAGT: GEMÜSE AUS DER REGION. BILDER: STEPHANIE SCHUURMANN 

Erstes Erntedankfest seit Corona brachte Beschicker und Stammkunden wieder zusammen

Im Vorfeld waren die Befürchtungen groß: Werden auf die Schnelle ausreichend Beschicker kommen? Oder vielleicht zu viele? Reicht der Platz im Stadtgarten aus? Werden die Leute überhaupt den Unterschied zum Wochenmarkt bemerken, der ja bis vor nicht allzu langer Zeit im Stadtgarten sein Ausweichquartier hatte?

Allen Bedenken zum Trotz hatten der Landwirtschaftlicher Hauptverein Ostfriesland und Landwirt Jannes de Boer mit kräftiger Unterstützung der Werbegemeinschaft Schaufenster Emden binnen weniger Wochen die Fortsetzung der Traditionsveranstaltung organisiert, und es sollte sich lohnen: Am Samstag herrschte doch wieder das ganz besondere Flair des Erntedankfestes in der Emder Innenstadt, das traditionell mit einem Dankesgottesdienst begonnen hatte. „Für die meisten Beschicker ist es der erste Markt seit eineinhalb Jahren“, sagte Maren Ziegler vom Landwirtschaftlichen Hauptverein. „Es ist auch für uns alle das erste Mal, dass man sich wiedersieht.“

Etwa die Hälfte der Beschicker war dabei

Die Neutorstraße kam wegen der Trogstreckensperrung dieses Mal nicht infrage, es passte aber alles. „Die Stände wären dort auch verloren gewesen“, sagte de Boer. Tatsächlich haben nur etwa die Hälfte der Beschicker teilgenommen, sonst sind es immer etwa 27 gewesen.

Es tat aber auch keinen großen Abbruch, wenngleich einige vergeblich die gewohnten Kartoffelpuffer suchten. Nachdem die größten Regenschauer am Morgen aufhörten und es auf Mittag zuging, waren schnell andere Beköstigungsstände umlagert. André Wilts briet beinahe pausenlos mit seinen Schwestern Anke und Annalena Geflügelwurst auf dem Rost und frittierte Pommes. Bekannt ist der Familienbetrieb durch seinen Verkaufsstand auf dem Wochenmarkt, beim Erntedank lohnte es sich auch einmal, den großen Grillwagen aufzubauen.

Alternativ gab es wie gewohnt Bratwurst beim kleinen Wilddieb, Fischbrötchen, oder auch Grünkohleintopf oder Krabbensuppe beim Kleinen Adler. Und wer ganz auf Fleisch verzichten wollte, konnte Vegetarisches und Veganes probieren.

Bonbons, Wurst, geräucherte Fischspezialitäten, Honig, Eier, Milch, Kohlköpfe und Riesen-Möhren und sogar eimerweise Neujahrsgebäck - das alles war wie immer auf dem Erntedankmarkt aus regionaler Erzeugung zu haben. Auch Heide Weyers war wieder mit ihren Marmeladen und Eierlikörkreationen dabei. „Endlich wieder raus, das hat uns so gefehlt“, sagte sie. „Meine Stammkundschaft ist auch ganz begeistert.“

Viele Familien verweilten wohl auch länger, als geplant. Dann wenn, sie am Gatter der Uphuser Landwirtsfamilie Beckmann-Ihnen hängenblieben, hinter denen sich zwei Shetlandponys und zwei Milch-Schafe bereitwillig streicheln ließen. Die jüngsten Familienmitglieder, Bente und Mieke , zeigten sich schon sehr verkaufstüchtig und verteilten Flyer mit der Angebotspalette aus dem Hofladen. „Wir haben immer frische Milch zum Selbstzapfen, Eier, Fleisch - und manchmal auch Hähnchen“, sagte Mieke. „Einfach mal vorbeikommen!“

Weniger niedlich, dafür lehrreich der Stand der Emder Jägerschaft. Unter anderen klärte dort Jäger Sascha Kruse über die Räuber der Region auf. Der asiatische Marderhund, etwa dreimal so groß wie der heimische, der verantwortlich dafür ist, dass es kaum noch Rebhühner gibt. Riesige Ratten mit gelben Zähnen (Nutria), die die Deiche unsicher machen - und dann doch etwas niedlichere Waschbären, die allerdings auch eingewandert und ohne Feinde selbst in Wolthusen (dort zuletzt gesehen) zur Plage werden.

Bläserchor der Jägerschaft trat auf

Sämtliche Tiere an diesem Stand wie immer ausgestopft. Auch die Rehkitze, die die Jägerschaft im Übrigen inzwischen per Drohne vor dem Mähdrescher retten. Und an diesem Samstag ertönte zudem noch der Bläserchor der Jägerschaft.

„Wir sind mit dem, was uns dieses Jahr zur Verfügung stand, sehr zufrieden“, sagte Jannes de Boer. „Das Ziel ist nächstes Jahr aber wieder ein großes Erntedankfest auch auf der Neutorstraße.“


 

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