Mittwochs im Blaumann ins Freibad

Artikel vom 27.04.2022

Kornelia Sojka

Installieren einen Tisch im Bereich des Kinderbeckens (von links): Johann Olthoff (65) und Willy Duffert (71). Beide gehören seit zehn beziehungsweise 28 Jahren zur Mittwochsgruppe. Bild: des Fördervereins Van-Ameren-Bad. Bild: Kornelia Sojka

Während der Pandemie ist ehrenamtliches Engagement besonders gefordert. Aber auch in vielen anderen Bereichen engagieren sich Menschen, um anderen zu helfen. Wir stellen einige vor.

Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht: Es braucht noch mehr ehrenamtliches Engagement als zuvor sei es im Impfzentrum, bei der Fürsorge für ältere Menschen oder Menschen in häuslicher Quarantäne, die Lebensmittel benötigen. Ob bei der Nachhilfe von Schülern, in der Altenpflege, Flüchtlingshilfe oder in vielen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – ohne die vielen Freiwilligen, die mit ihrem Wirken etwas für die Gesellschaft tun, wäre für viele die Lebensqualität deutlich geringer. In unserer Serie „Ehrenamt“ stellen wir einige Menschen vor. Heute: die Mittwochsgruppe des Van-Ameren-Bads.

Stammgäste im Blaumann

Ob Sommer oder Winter – für 15 bis 20 Männer und Frauen geht es jeden Mittwochmorgen ins Freibad. Das ist fest im Kalender verankert. Allerdings kommen die „Stammgäste“ nicht mit Badehose oder -anzug, Handtuch und Badelatschen. Die Außentemperaturen sind weniger wichtig. Denn der Trupp kommt nicht zum Schwimmen, sondern rückt in Arbeitshosen- und -schuhen oder auch im sprichwörtlichen Blaumann an. Die handwerklich geschickten Männer und Frauen (zwei) kommen zum freiwilligen Arbeiten ins Bad. Pinsel, Schraubenzieher oder Harke kommen dann vielfach zum Einsatz, weil sie das Gelände und die technischen Anlagen das ganze Jahr über in einem guten und gebrauchsfähigen Zustand halten.

Peter Kurzak (78) ist Leiter Technik im Vorstand des Fördervereins Bürgerbad Van Ameren und unter anderem für die Koordinierung der Mittwochsgruppe zuständig. Er ist seit 28 Jahren dabei. „Das ist ein sagenhafter Einsatz, der hier aber auch sein muss“, sagt er in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „Arbeit gibt es hier satt.“

Aktuell ist der Trupp mit den Saisonvorbereitungen beschäftigt (Start 7. Mai). Dieter Bruns (66) und Marianne Koch (72), beide sind seit zwei und fünf Jahren dabei, holen Pflanzkästen aus dem Winterlager, um sie im vorderen Bereich zu platzieren. Später wollen sie diese mit Blumen bepflanzen, die dem Förderverein gespendet wurden. In einer anderen Ecke des Bades kommen Pinsel und weiße Farbe zum Einsatz. Die Lichtmasten brauchen einen neuen Anstrich. Währenddessen schraubt der 83-jährige Eric Niermann hinter der Cocktailbar in einem Verkaufswagen an der Elektrik. „Hier werden später noch Kühlschränke angeschlossen“, sagt er. Die Rasenfläche des Bades ist frisch gemäht. Im Bereich des Kinderbeckens rammen Johann Olthoff (65) – er ist übrigens Olthoff „eins“, da es noch einen Namensvetter in der Gruppe gibt – und Willy Duffert (71) Eisenbeine für einen Tisch in den Boden. Die Tischplatte soll die Wurzel eines alten Strauches abdecken. Diese auszugraben, dafür müssten sie verdammt viel Erdreich bewegen. Duffert kam vor etwa zehn Jahren zum Mittwochstrupp, für Olthoff ist es die 28. Saison.

Drei Stunden-Einsatz

Im hinteren Bereich des Grundstücks am Rollsportclub installieren an diesem Mittwoch Enno-Rolf Dallinga (66), Albert Gerdes (72) und Emil Kaden (72), aber auch Lutz Stockmann (62) und Johann Olthoff (60) – dieses Mal Nummer 2 – mehrere Doppelstabmatten. Auch sie gehören schon seit drei, über zehn und über 20 Jahren der Mittwochstruppe an. Die neuen Zaunelemente ersetzen den alten Maschendrahtzaun auf dem Grundstück. Die Hälfte ist bereits ausgetauscht. Die Stimmung unter den Zaunbauern ist fröhlich. Es wird gefrotzelt, gelacht und weiter gemacht.

Rund drei Stunden dauert ihr Einsatz mit einer kurzen Unterbrechung für eine gemeinsame Frühstückspause. Dann gibt es Kaffee und belegte Brötchen. Um die 45 bis 60 Arbeitsstunden leistet der Mittwochstrupp insgesamt je nach Gruppenstärke Woche, egal ob kleine Reparaturen oder langfristige Umbauen. Das sind hochgerechnet 2340 bis 3120 Stunden im Jahr. Der Trupp hat für den Förderverein deshalb einen unschätzbaren Wert. Er ist eine wichtige und tragende Säule, um das Bürgerbad überhaupt in Eigenregie betreiben zu können. Der Förderverein hat das Bad 1993 von der Stadt übernommen.


 

Blaulicht-Ticker

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