Ostfriesin startet als Bauinfluencerin durch

Artikel vom 27.03.2024

Liza Steenemann  und Annika Schmidt

Anna-Lena Geiken saniert zusammen mit ihrem Mann Ingo Geiken (rechts) ihr Kolonialhaus in Ostfriesland. Über die Fortschritte hält die Bauinfluencerin ihre 90.000 Follower auf Instagram auf dem Laufenden. Bild: Steenemann

Ingo und Anna-Lena Geiken haben sich in Ostfriesland den Traum vom eigenen Haus erfüllt. Dabei fiel ihre Wahl auf ein altes Kolonialhaus. Durch die Sanierung wurden die Geikens unerwartet zu Bauinfluencern.

Ostfriesland - Wenn die 27-jährige Anna-Lena Geiken in Arbeitskleidung und mit Bohrmaschine in der Hand von Isolierung und Holzwolle spricht, ist ihre Begeisterung deutlich spürbar. „Holzwolle ist zwar oft teurer, aber viel nachhaltiger und gesünder. Von Mineralwolle kriege ich sofort Ausschlag“, erklärt sie. Die junge Ostfriesin kennt sich im Bereich Bauen und Handwerk inzwischen gut aus und macht auch keinen Hehl daraus. Zusammen mit ihrem Mann Ingo Geiken modernisiert sie ihr Kolonialhaus in Ostfriesland und teilt Tipps und Tricks zur Sanierung auf ihrer Instagramseite „Selbst baut die Frau“. Dort folgen der Bauinfluencerin mittlerweile über 90.000 Menschen. Ihr Kanal schlug so ein, dass Anna-Lena Geiken auch ihren alten Job gekündigt und komplett umgeschult hat. Dabei war das alles so gar nicht geplant.

Alles in Eigenleistung, so nachhaltig wie nur möglich

Ursprünglich wollte Anna-Lena Geiken immer neu bauen, doch dann entschied sie sich zusammen mit ihrem Mann Ingo 2019 für ein 100 Jahre altes, leerstehendes Kolonialhaus in Ostfriesland. Schon vor der Schlüsselübergabe im Dezember war den beiden klar, dass an diesem Haus einiges gemacht werden musste. In den 100 Jahren war bis auf das Badezimmer nichts saniert oder modernisiert worden. „Vor Arbeit haben wir uns aber noch nie gescheut“, erklärt die junge Ostfriesin stolz.

Das Know-How dazu eignete sich das Paar nach und nach selbst an und erledigte, bis auf das Dachdecken und die Elektrik im Bad, alles komplett selbst. Sie entkernten das Haus und ließen bis auf die Außenwände und den Dachstuhl nichts so, wie es war. Nach nur acht Monaten war das Untergeschoss des Hauses fertig saniert und bereit, um bezogen zu werden. Seitdem sind die beiden mit dem Obergeschoss beschäftigt, dieses wollen sie so nachhaltig wie nur möglich sanieren in ökologischer Bauweise mit natürlichen Baustoffen.

Vom Rettungsdienst zur Influencerin

Über Instagram hält Anna-Lena Geiken ihre Familie und Freunde während der Corona-Pandemie über die Fortschritte im Haus auf dem Laufenden und postet regelmäßig Fotos und Videos auf ihrem Kanal. Innerhalb von ein paar Monaten wuchs der Kanal dann aber schnell auf über 3000 Follower. „Da entschied ich mich, professioneller zu posten und auch Reels zu drehen“, blickt sie zurück. Mittlerweile gehört es für sie zum Alltag, obwohl die junge Frau früher nie viel auf Social-Media unterwegs war. Dass ihr mittlerweile über 90.000 Menschen folgen beeindruckt sie nicht mehr. „Es ist irgendwie zur Normalität geworden“, erklärt sie. Während andere Influencer auf ihren Kanälen Beautyprodukte bewerben oder Codes für Klamotten und Shakes verteilen, dreht sich bei Anna-Lenas Kanal „Selbst baut die Frau“ alles ums Bauen. Kooperationen hat sie nicht mit Sportmarken, sondern mit Bohrmaschienenherstellern. Dafür gab sie sogar ihren Job als Notfallsanitäterin im Rettungsdienst auf. Neben ihrem Influencer-Dasein hat sie aber noch einen Nebenjob als Social-Media-Managerin bei einer Allgäuer Baustofffirma.

Kanal soll auch Frauen ermutigen

Den Namen für ihren Kanal wählte die 27-Jährige dabei ganz bewusst, denn immer wieder wurde sie von Freunden, Bekannten und auch der Familie gefragt, wie weit Ingo denn mit dem Haus sei. „Dabei war ich von Beginn an genauso bei der Sanierung dabei wie Ingo. Ich hab mich nie vor irgendetwas an Arbeit gescheut. Im Kopf der Menschen ist aber einfach noch nicht so verankert, dass Frauen die Dinge genauso machen können“, stellt sie klar und fügt hinzu: „Klar, würde nicht jede Frau eine Sanierung in Eigenleistung machen, aber so würde das auch nicht jeder Mann machen. Ich denke, dass ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht des Geschlechts.“ Anna-Lena Geiken ist es wichtig, dass durch ihren Kanal auch mehr Frauen den Mut finden, sich mit handwerklichen Dingen zu beschäftigen. Aktuell folgen ihr aber noch mehr Frauen als Männer. Auf die Frage, was sie mit dem Kanal macht, wenn ihr Haus fertig saniert ist, hat sie schon eine ganz klare Vorstellung: „Dann kommt das nächste Haus dran.“


 

Blaulicht-Ticker

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