Senioren bestellen Mittagessen nicht mehr täglich

Artikel vom 01.07.2022

Stephanie Schuurman

Liefern täglich 65 Mittagessen in Emden aus: die Mitarbeiter des RKsH. Bild: Archiv

Inflation und Teuerung von Lebensmitteln machen auch vor den Menülieferdiensten nicht Halt. Manche Emder Senioren können sich das tägliche Mittagessen nicht mehr leisten.

Schon die zweite Steigerung beim RKsH, der Paritätische wartet noch ab, das Haus am Zingel kündigt an: Die exorbitant steigenden Kosten für Lebensmittel haben auch Auswirkungen auf den Essen-auf-Rädern-Service, der in Emden vornehmlich Senioren versorgt. Auf Dauer können die Dienstleister die Teuerung nicht abfedern. Wer die Preise für die Menüs noch nicht erhöht hat, lässt zumindest durchklingen, dass in naher Zukunft höhere Preise auf die Kunden zukommen werden.

Preise RKsH

Kunden des Rettungsdienstes für Krankentransport und soziale Hilfsdienste (RKsH) erleben zum August bereits die zweite Preiserhöhung und eine dritte in diesem Jahr gilt als wahrscheinlich, wie RKsH-Geschäftsführer Holger Rodiek sagte. Hintergrund seien die „exklusiv steigenden Kosten“ beim Wareneinkauf, die der Lieferant apetito aus Rheine an den RKsH genauso weitergebe wie die für den höheren Transportaufwand. „Inzwischen gibt es bei uns einige Kunden, die sich das Essen nur noch drei bis vier Tage in der Woche leisten und sich sonst wieder eine Kleinigkeit selbst zubereiten“, sagte Rodiek.

Zurückhaltender

Bis zu 65 Kunden beliefert der RKsH täglich. Die Menüs werden in Rheine gekocht und tiefgefroren in der Gefrierzelle des RKsH am Schweckendiekplatz gelagert, in Heißluftöfen erhitzt und im gesamten Stadtgebiet und über die Grenzen hinaus ausgefahren. Kunden haben über die Menüauswahl die Möglichkeit, etwas zu sparen, da es sieben Preisstufen von 6,98 Euro bis 10,49 Euro gibt. „Bei jeder Preissteigerung bemerken wir, dass unsere Kunden zurückhaltender werden“, sagte Rodiek. „Aber bisher geht niemand dabei auf null, weil die wenigsten Singles – und das sind die meisten Senioren eben - in der Regel kein sinnvolles Menü für diese Preise selbst kochen können.“

Immerhin habe der RKsH die „größte Speisekarte Ostfrieslands“ zur Auswahl mit Gerichten, für Vegetarier, für Diabetiker – ein individuelles System mit 230 Möglichkeiten. Darüber hinaus können Kunden sparen, die einmal wöchentlich Tiefkühlmenüs ordern und sie sich selbst erwärmen.

Haus am Zingel

Auch im „Haus am Zingel“ in Borssum schlägt die Preissteigerung durch. „Wir werden wegen der gewaltigen Kostensteigerung für Lebensmittel mit Sicherheit auch erhöhen müssen“, sagte der Geschäftsführer André Göring. „Nur im Moment drücken wir uns noch etwas davor.“ Mit so einer Preisanpassung sei es nämlich nicht getan. Damit verbunden sei auch immer ein erheblicher Arbeitsaufwand, weil die Kunden zu Recht Beratungsbedarf geltend machen. „Wir müssen dann viele Gespräche führen, was mit Menschen beispielsweise mit leichter Demenz nicht immer einfach ist“, sagte Göring. „Aber wir wollen auch zufriedene Kunden.“

Üppige Portionen

Etwa 40 Essen, überwiegend in Borssum, liefert das Haus am Zingel täglich aus. Das Essen wird in der Großküche des Seniorenheimes frisch gekocht. Möglichkeiten zum Einsparen gebe es allenfalls bei der Lebensmittelauswahl, so Göring. Nicht bei den Mengen. „Wir legen Wert auf üppige Portionen und auf frisch Gekochtes.“ Bei der letzten Preiserhöhung im September vergangenen Jahres, weit vor der kriegsbedingten Inflation, habe ein Kunde gekündigt und einen anderen Menüservice bestellt. Nach vier Wochen sei er aber schon zurückgekommen, der Portionen aus Borssum wegen.

Und so müsse die Mischkalkulation zum Sparen beitragen. 8,15 Euro kostet ein Menü, ungeachtet ob Schollenfilet am Freitag oder Milchreis mit Heidelbeeren am Montag. Zusammen sind das 280 Euro im Monat, für die man nicht regelmäßig und abwechslungsreich selbst kochen könne. Um wie viel dieser Preis angehoben werden muss, werde aktuell geprüft. Dass damit die volle Kostensteigerung abgedeckt wird, damit rechnet Göring aber nicht. „Wir müssen auch gucken, was wir unseren Kunden zumuten können“, sagte Göring. „Wir haben es hier mit Rentnern zu tun.“

Beim Paritätischen

Beim Paritätischen soll es „in diesem Jahr“ dagegen noch keine Preisanpassung geben, wie Geschäftsführer Stefan Kamer sagte. „Wir wollen Preisstabilität für unsere Kunden, die geringe Renten haben“, sagte Kamer. „Wir sind schließlich ein Wohlfahrtsverband.“ Dennoch schließt auch er generell Anpassungen nicht aus, zumal Preissteigerungen auch den Verband betreffen. Die Menüs werden von BFM-Catering in der Zentralküche am Klinikum in Aurich frisch gekocht und vom Paritätischen per Thermo-Boxen an die Kunden in Emden (90 Essen) und Leer (125) verteilt. Ein Teil werde über die Firma apetito zugekauft, die auch dem Paritätischen bereits zweimal in diesem Jahr eine Kostensteigerung in Gesamthöhe von 12,9 Prozent in Rechnung gestellt habe.


 

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