So funktioniert Milchkuh-Haltung ohne Melkroboter

Artikel vom 15.06.2022

Jan-Ole Smidt

Laden zum Tag des offenen Hofes nach Nortmoor ein: Ina (von links), Anja und Hermann Dänekas und Sohn Henning. Bild: Jan-Ole Smidt

Wie sieht ein moderner Milchviehbetrieb aus? Das können Interessierte anlässlich des Tags des offenen Hofes bei Familie Dänekas in Nortmoor erfahren. Dort gibt es viel zu entdecken.

In Ostfriesland gibt es circa 600 Bauernhöfe – die meisten davon mit mehreren hundert Kühen im Stall. Ein Beispiel dafür, dass ein Hof auch heute noch mit 70 Kühen gut wirtschaften kann, ist der Bauernhof der Familie Dänekas aus Nortmoor. Diese lädt am kommenden Sonntag, 19. Juni, von 9.30 bis 17 Uhr zum „Tag des offenen Hofes“ ein, sodass sich jeder, der möchte, selbst ein Bild von einer modernen Landwirtschaft machen kann. Ihr Hof ist an der Dorfstraße 32 zu finden.

Moderne trifft auf Tradition

Bei Landwirt Hermann Dänekas trifft modernes Wirtschaften auf die Pflege von Tradition. 2020 baute er einen neuen Boxenlaufstall. Der alte wurde kernsaniert und wird heute als Melkstall genutzt. „Allerdings haben wir uns bewusst gegen einen Melkroboter entschieden“, erzählt Dänekas, der anfangs mit der Technik liebäugelte. „Unsere 70 Kühe sind genau die Menge, die wir mit der Familie gut bewältigen können. Dadurch, dass wir unsere Tiere zweimal täglich persönlich melken, haben wir einen Bezug zu ihnen und sehen ihnen kleinste Wehwehchen mit eigenen Augen an.“ Unterstützt wird der 53-Jährige bei der täglichen Hofarbeit von seinem Sohn Hennig, der gerade seine Abi-Prüfungen absolviert hat. Was er nach der Schule machen möchte, weiß er ganz genau: Er übernimmt eines Tages den Hof seiner Eltern, weshalb es ihn bald nach Moormerland zieht, wo er eine Ausbildung zum Landwirt aufnimmt.

Familie hält zusammen

Auch der 19-Jährige packte zuletzt beim Bau des neuen Kuhstalls mit an. Seine ältere Schwester Ina hilft jedes Jahr in der Erntezeit mit. „Sie ist begnadete Treckerfahrerin und fährt mit dem Pflug wie keine Zweite“, erzählt Papa Hermann stolz. Mama Anja Dänekas hält die Familie zusammen und unterstützt, wo sie kann. Was die Vier in den letzten Jahren auf die Beine gestellt haben, möchten sie Interessierten und Schaulustigen gerne zeigen: „Wir haben fast täglich Besucher auf dem Hof. Einige erkundigen sich nach dem neuen Stall, andere wollen sehen, wie das mit der Milcherzeugnis funktioniert. Deshalb laden wir jetzt im großen Stil ein“, so der Landwirt. Seine Kühe grasen bei gutem Wetter auf der Weide. Der Stall und die angrenzende Melkanlage dürfen besichtigt werden. Familie Dänekas nimmt sich die Zeit, um den Besuchern im Detail zu erklären, wie die Milch vom Kuheuter auf den Esstisch kommt. Aber nicht nur das.

Kooperationen

Mitveranstaltet wird der Aktionstag nämlich vom Ostfriesischen Landvolk in Zusammenarbeit mit den Landfrauen und der Landjugend. Dementsprechend sind alle drei Institutionen mit Infoständen vertreten und bieten kleine Highlights. Die Landjugend kümmert sich um Erfrischungsgetränke und veranstaltet Spiele, die Landfrauen versorgen die Besucher mit Kuchen und Kaffee und der Zweigverein des Landvolks aus Holtland steht für Fragen rund um die Landwirtschaft parat. Außerdem kommt eine Abteilung der Feuerwehr Nortmoor und grillt und die Leeraner Dorfhelferinnen des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes berichten über ihre Arbeit.

Landwirte im Mittelpunkt

Doch im Mittelpunkt stehen die Bauern, betont Marin Ziegler vom Ostfriesischen Landvolk: „Sämtliche Landwirte, die an diesem Tag vor Ort sind, tragen Westen mit der Aufschrift ,Frag doch mal den Landwirt‘. Somit fällt es leichter, sie in der Besuchermenge zu erkennen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“ Neben Spiel und Spaß geht es Familie Dänekas letztlich genau darum – die Besucher über ihre tägliche Arbeit aufzuklären.

AKTION UND PROGRAMM

Der „Tag des offenen Hofes“ wird in ganz Niedersachsen veranstaltet. 70 landwirtschaftliche Betriebe gewähren am 19. Juni einen Blick hinter die Kulissen. In Ostfriesland laden neben Familie Dänekas auch noch Familie Post de Buhr aus Brockzetel (Aurich) und Familie Zents Borgman aus Twixlum (Emden) ein. In Brockzetel gibt es einen Mastbullen-Betrieb sowie eine Biogasanlage zu besichtigen und in Twixlum einen Milchviehbetrieb mit eigener Käserei.

Zu den Programm in Nortmoor zählen ein Hofgottesdienst mit Pastor Andreas Bartels ab 9.30 Uhr, ein Kettcar- und Trettrecker-Parcours, eine Hof-Rallye für Kinder und eine Streichelwiese mit Alpakas und Schafen.


 

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