Stimmung bei Ostfrieslands Wirtschaft ist weiterhin im Keller

Artikel vom 22.01.2024

Elisabeth Ahrends

 Was sich deutschlandweit bereits abgezeichnet hat, zeigt sich nun auch in Ostfriesland: Die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht. Bild: Markus Spiske

Nicht nur Bauern hat es in der vergangenen Woche auf die Straßen gezogen, auch der Mittelstand hat protestiert. Nun zeigen die aktuellen Daten der IHK, was Industrie und Handel auf die Straßen treibt.

Ostfriesland - Was sich deutschlandweit bereits abgezeichnet hat, zeigt sich nun auch in Ostfriesland: Die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht. Das belegen die Zahlen der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK). Sie liegt, wie schon im Vorjahr, wieder bei 74 Punkten. Der Wert bringt die aktuelle Geschäftslage und die Zukunftsaussichten der Unternehmen zum Ausdruck und kann maximal 200 Punkte erreichen.

Wert unverändert

Schon im vierten Quartal 2022 hatten die Firmen in der Region den gleichen Wert angegeben – was damals jedoch noch einen deutlichen Sprung nach vorne bedeutete, hatte er zuvor nur noch bei 57 Punkten gelegen. Ein Jahr später sind die Herausforderungen für die rund 200 befragten Betriebe die gleichen geblieben: unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, hohe Kosten und Personalmangel bereiten den Betrieben auch weiterhin Sorgen. Doch im Vergleich zum dritten Quartal 2023 fallen diese Aspekte bei der Einschätzung zu den vergangenen drei Monaten noch einmal stärker ins Gewicht, weshalb der Wert von 77 auf 74 für das vierte Quartal 2023 gesunken ist.

Mehr als Bauernproteste

Dass ein „Weiter so“ auch in der Wirtschaft nicht mehr möglich sei, hat sich in der Protestwoche – angeführt von den Bauern – auch flächendeckend gezeigt, findet IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard. „Die vielfältigen Herausforderungen in den einzelnen Branchen haben sich in der vergangenen Woche eindrucksvoll gezeigt, als neben den Landwirten auch viele andere Branchen auf die Straße gegangen sind, um für ihre Forderungen zu demonstrieren.“ Die Wettbewerbsfähigkeit habe sich durch Inflation, Zinsen, steigende Energiekosten und Arbeitskosten verschlechtert. Zusätzlich beeinträchtigen geopolitische Krisen und strukturelle Herausforderungen die Stimmung, so Deinhards Einschätzung. „Die Politik muss jetzt schnell umsteuern, um Deutschland als Wirtschaftsstandort wieder attraktiv zu machen und die Konjunktur anzukurbeln.“

Aussichten getrübt

Aktuell bewerten nur zwölf Prozent der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als „gut“. Bei 25 Prozent sind die Aussichten „schlecht“, 63 Prozent bewerten sie mit „befriedigend“ – und jeder zweite Betrieb gibt an, dass sich die Ertragslage im Vergleich zum vorangegangenen Quartal verschlechtert habe. Kaum erfreulicher sind auch die Erwartungen für die kommenden Monate: So gehen 45 Prozent der Betriebe von einer eher ungünstigeren Geschäftslage aus, 47 Prozent erwarten keine Veränderung. Während sich der Negativtrend in Industrie, Verkehrsgewerbe und Gastgewerbe weniger stark fortsetzt, sinkt die Stimmung im Groß- und Einzelhandel weiter.

Keine Investitionen

Und dadurch bleibt auch die Investitionsbereitschaft mit -3 Punkten von möglichen 200 auf weiterhin niedrigem Niveau. Zudem gehen nur zwölf Prozent der Betriebe von einer steigenden, hingegen 24 Prozent von einer fallenden Beschäftigtenzahl aus – auch hier sind die Zukunftserwartungen deutlich getrübt.


 

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