Und manchmal bringt der Chef auch ein Eis vorbei

Artikel vom 01.08.2022

Stephanie Schuurman

„Die Sonnenhüte sind an heißen Tagen perfekt“, finden Levent Kara und Keno Rindt von Marschall Bau. Die beiden Rohrleitungsbauer verlegen gerade Wasserleitungen für den Anbau an die Verwaltung am Frickensteinplatz. Bild: Schuurman

Die Sonnengefahr steigt - das weiß auch ein Tiefbauer in Emden, der seine Mitarbeiter schützt und schätzt. Die Bau-Gewerkschaft warnt indes 1100 Draußen-Jobber in Emden vor drohendem Hautkrebs.

Die heißesten Tage des Jahres und die damit verbundenen Gefahren sind natürlich auch ein Thema in der Bau-Branche. So hat jüngst die Gewerkschaft IG Bau vor den Auswirkungen der Sonnenstrahlen auf etwa 1100 „Draußen-Jobber“ in Emden – so viele sollen es laut Arbeitsagentur sein – gewarnt. „Keiner sollte die hohe UV-Einstrahlung auf die leichte Schulter nehmen. Sie kann zu dauerhaften Schäden auf der Haut bis hin zu Krebs führen“, sagte IG BAU-Bezirksvorsitzende Gabriele Knue. „Das Arbeiten mit freiem Oberkörper ist nicht sexy, sondern brandgefährlich.“

Ein Betrieb, bei dem solche Warnungen längst angekommen sind, ist Marschall Bau aus Transvaal. Der Tiefbauer arbeitet unter anderem im Auftrag der Stadtwerke und der Stadt Emden, hat beispielsweise den Straßenunterhaltungsvertrag in der Stadt übernommen und muss immer schnell auf plötzlich eintretende Straßenschäden im Asphaltbereich reagieren. Im Sommer wochenlang in die Bauferien zu gehen, um die heißesten Tage zu meiden, geht damit schon einmal nicht.

Sonnenhut und Sonnenmilch

Aber andere Maßnahmen können funktionieren. Gerade hat Inhaber Jörg Bornemann neue Sonnenhüte für seine 25 draußen arbeitenden Mitarbeiter besorgt. Ganz neu, aber ob die wirklich gut ankommen, ist noch offen. Es gebe immer ein paar Hartgesottene, die auch lieber auf Sonnenschutzmilch verzichten, die auch von der Firma zur Verfügung gestellt wird. „Ich kann unseren Mitarbeitern nur das Angebot machen“, sagt Jörg Bornemann. Ob diese dann die Creme benutzen oder sie als lästig abtun, ist jedem selbst überlassen. Zwingend sei dagegen Arbeitskleidung mit mechanischem Schutz, von Sicherheitsschuhen bis zu flammenhemmender Kleidung, wenn mit Gas gearbeitet wird. „Arbeitsschutzkleidung hat oft dicke Fasern und ist bei Hitze unangenehm, aber unerlässlich“, sagt Bornemann.

Bornemann weiß, dass er als Arbeitgeber verpflichtet ist, seine Mitarbeiter vor Gesundheitsgefahren im Job zu schützen. Und so nimmt auch er die Tipps der Berufsgenossenschaft gerne an und gibt sie an seine Mitarbeiter weiter. Bauhelme etwa, die einen Nackenschutz haben, damit die Sonne dort die Haut nicht verbrennt. Oder auch die extra-stabilen Schirme, die bei stationären Baustellen nicht nur gegen Regen, sondern eben auch gegen zu viel Sonne helfen. Dass die Mitarbeiter sich vor Dienstbeginn Mineralwasser aus dem Magazin zur Baustelle mitnehmen können, sei ohnehin selbstverständlich, so Bornemann.

Bei großer Hitze früher Schluss

Doch auch all diese Maßnahmen haben ihre Grenzen. Dann etwa, wenn das Thermometer schon vormittags die 30 Grad Celsius überschreitet. Und dann, wenn zusätzlich noch mit bis zu 180 Grad heißem Asphalt gearbeitet werden muss. Um einiges zu schaffen, wird dann extra früh am Morgen angefangen. Allerdings auch schon mal nach drei bis vier Stunden Schluss gemacht. „Bei so einer Hitze wie in der vergangenen Woche schafft niemand acht Stunden auf der Straße“, sagt Bornemann.

Anders als Dachdecker bekommen die Leute vom Tiefbau aber in den Sommermonaten für Ausfallzeiten kein so genanntes Schlechtwetter-Geld. Kurzarbeit wird in diesem Baubereich nur von Dezember bis März gezahlt. In Firmen wie bei Marschall wird der Arbeitsausfall aber ohnehin nicht unbedingt mit Lohnausfall gleichgesetzt. „Wir versuchen es flexibel zu gestalten“, sagt Bornemann. Wenn viel Arbeit geschafft ist, werde es eh nicht so eng gesehen. „Und so viele heiße Ausfalltage sind es ja glücklicherweise noch nicht.“

Strapazen anerkennen

Und was macht der Chef, wenn die Termine drücken und die Hitze auch? Mitarbeiter von Marschall können sich eigentlich darauf verlassen, dass der Chef dann mit der Kühltasche voller Eis vorbeikommt. „Wir im Büro können uns die Strapazen draußen ja kaum vorstellen“, sagt Bornemann. „Aber wir wissen zu schätzen, was da geleistet wird.“ Die Mitarbeiter wissen die Geste ihres Chefs im Übrigen auch zu schätzen, heißt es.


 

Blaulicht-Ticker

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