Volle Betten in den Kinderkliniken wegen des RS-Virus

Artikel vom 19.10.2021

Ute Lipperheide

Kinder machen viele Infekte durch. Die meisten verlaufen harmlos. Bild: Silvia Marks

Viele Kinder haben sich mit einem Erreger, der normalerweise erst im Winter auftritt, schon jetzt infiziert. Es handelt sich um das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV)

Die Kinderkliniken landauf, landab stehen derzeit unter erheblichem Druck. Grund hierfür ist ein Atemwegsvirus, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Gegen diesen Erreger ist bisher auch noch kein Impfstoff zugelassen.

Es sind deutlich mehr Patienten in der Auricher Kinderklinik vom RS-Virus betroffen als im Vergleichszeitraum 2019, lautet die Auskunft der Pressestelle des Klinikverbundes von Emden, Aurich und Norden. Genaue Zahlen konnten nicht genannt werden. „In der Kinderklinik haben alle sehr viel zu tun. Zunächst steht da die Patientenversorgung im Vordergrund. Zahlen können wir erst zu einem späteren Zeitpunkt präsentieren“, sagte Annika Weigelt von der Unternehmenskommunikation auf Anfrage dieser Zeitung.

Im vergangenen Jahr gab es keinen einzigen Patienten mit dem RS-Virus im Auricher Krankenhaus. Dies sei auf die bekannten Schutzmaßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Die meisten der aktuell in Behandlung befindlichen Patienten weisen einen schweren Krankheitsverlauf auf und müssen beatmet werden. Es handelt sich dabei überwiegend um Kinder unter einem Jahr, wenige Ausnahmen bilden Kinder mit Vorerkrankungen. Die Patienten werden isoliert behandelt. Die Station sei stark belegt. Eine Isolierung sei bislang aber in jedem Fall möglich, so Weigelt.

Bei der Versorgung von Kindern mit dem RS-Virus müssen Ärzte und Pfleger allerdings auf strenge Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen achten. Dies erfordert einen erheblichen Aufwand. Mit dem Start im September hat die „Virussaison“ dieses Jahr früh begonnen, sagte Dr. Heidrun Röhrs, Oberärztin in der Auricher Kinderklinik. In den letzten Jahren war erst ab November mit den ersten Fällen zu rechnen. Es kann also in den kommenden, kälteren Monaten weiter und sogar vermehrt zu Ansteckungen kommen, hob die Ärztin hervor.

Einen guten Schutz vor dem Virus bieten die bekannten Hygienemaßnahmen wie Händehygiene, Mundschutz oder das Niesen und Husten in die Armbeuge. Wenn das Kind Schwierigkeiten mit der Atmung hat, aber nicht im Krankenhaus behandelt werden muss, so hilft es, seinen Oberkörper hochzulagern, rät die Kinderärztin. Im Krankenhaus wird dem Kind über eine Atemmaske Sauerstoff verabreicht.

Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sowie Kleinkindern mit Vorschädigungen wie Asthma treten schwere Verläufe der Infektion mit Entzündungen des Bronchialsystems oder einer Lungenentzündung auf. Als wesentlichen Grund für die stark gehäuften Atemwegserkrankungen verweisen Experten auf die Corona-Pandemie. Der Lockdown mit seinen Hygienemaßnahmen habe dazu geführt, dass viele Erkrankungen gar nicht stattgefunden haben. Dadurch konnten auch keine Abwehrkräfte gegen aktuelle Erreger aufgebaut werden.


 

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