Wie ein alter Mühlenstein zum neuen Haus-Schmuck wurde

Artikel vom 21.11.2022

Peter Saathoff

Zufrieden mit dem Ergebnis: Ulrich Oltmanns und Steinmetzin Helga de Buhr. Bild: Saathoff

Das Ehepaar Oltmanns aus Visquard stolperte 2014 über einen wuchtigen Mühlenstein. Das Paar ließ den Stein kunstvoll verschönern. Nur ein Rätsel blieb ungelöst.

Ein alter Mühlenstein gibt Rätsel auf. Die Rätsel blieben bis heute zwar ungelöst, Freude macht der Mühlenstein dem Ehepaar Angelika und Ulrich Oltmanns aus Visquard trotzdem. Und zwar jeden Tag, denn der wuchtige Brocken befindet sich nun in einem restaurierten und verschnörkelten Zustand an der Einfahrt ihres Hauses. Steinmetzin Helga de Buhr aus Loquard hatte über Jahre immer wieder an dem Werk gearbeitet, bis sie vor einigen Wochen Vollzug melden konnte.

Mühlenstein stammt nicht aus Visquard

Das Rätsel, das der Mühlenstein aufwirft: Wo kommt er eigentlich her? Der Ort Visquard hatte zwar eine Mühle, aber das war eine Wassermühle. „Die braucht ja keinen Mühlenstein.“ Die Vermutung von Ulrich Oltmanns: „Vielleicht stammt der Stein aus Uttum.“ Nur: Wie kam er dann nach Visquard? Denn dort fand Oltmanns ihn auf seinem ehemaligen Grundstück in der Ringstraße. Auf dem Grundstück befand sich neben dem Haus eine Scheune. Und dort, vor der Scheune befand sich eine Zufahrt. Unter dieser fand Oltmanns 2014 den Mühlenstein, gedrückt ins Erdreich, mutmaßlich als Befestigung der Zufahrt. „Eigentlich wollte ich nur Platz machen, um ein paar Obstbäume zu pflanzen. Und dann hatte ich da diesen Stein.“

Kleinbagger war notwendig

Und dieser Stein ist kein Kiesel. Er ist fast 30 Zentimeter dick, sein Durchmesser zählt 152 Zentimeter. „Und er wiegt mehrere Hundert Kilo.“ Es brauchte einen Kleinbagger, um den Stein zu bergen. Und es brauchte eine Steinmetzin, um ihn zu bearbeiten.

Denn das nahm sich das Ehepaar Oltmanns schnell vor. Der wohl fast 200 Jahre alte Stein sollte zukünftig würdiger präsentiert werden als in der Vergangenheit. Dafür nahmen Angelika und Ulrich Oltmanns Kontakt zu Helga de Buhr aus Loquard auf. An ihr war es nun, die Reliefs herauszuarbeiten, „was auch kein alltäglicher Auftrag ist“, wie sich die Steinmetzin erinnert. Angelika und Ulrich Oltmanns hatten sich im Vorfeld ein paar Motive überlegt. Wichtig war dem Paar: Der Stein sollte Bezug zu Stationen ihrer Vergangenheit haben. Und da waren die Motive zügig gefunden. Angelika Oltmanns stammt aus Greetsiel, entsprechend sollten die Zwillingsmühlen drauf, ihr Mann wuchs auf Borkum auf. „Daher kommt dann der Leuchtturm.“ An der Spitze des Steins sollte ein gemeinsamer Bezugspunkt stehen, es wurde das Visquarder „Noit gedoacht“, jener Ausspruch, nach dem in der Visquarder Siedlung eine Straße benannt wurde.

Der Hintergrund dieses Ausspruchs: Visquard ist ein klassisches Warfendorf, die frühere Bebauung fand entsprechend auf der Erhöhung statt, um vor drohenden Sturmfluten zu schützen. Dass später auch unterhalb der Warf gebaut werden könnte, weil die Deiche dem Wasser Widerstand leisten, hätten nicht nur in Visquard viele Menschen nie gedacht („Noit gedocht“).


 

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