Wie Lindenberg, Maffay, Hallervorden und Co. Borkum zu einem neuen Tierheim verhelfen

Artikel vom 13.06.2024

Hilft ebenfalls mit seiner Signatur dem Tierschutzverein: Jürgen Drews. Bild: Privat

Hilft ebenfalls mit seiner Signatur dem Tierschutzverein: Jürgen Drews. Bild: Privat

Was tun, wenn man 700.000 Euro für den Bau eines neuen Tierheims braucht? Der Tierschutzverein Borkum hatte die zündende Idee, die etwas mit Lindenberg, Maffay, Hallervorden und Co. zu tun hat.

Borkum - „Ganz so einfach wollten wir es uns nicht machen und plump um Geld betteln“, sagt Fokke Schmidt jr., Schatzmeister des Tierschutzvereins auf Borkum. Da kam man auf die so charmante wie kreative Idee, blanke silberne Dosen von bekannten Künstlerinnen und Künstlern verschönern und verzieren zu lassen und anschließend in der Facebook Gruppe „Trödel für Tiere“ höchstbietend zu versteigern, berichtet das Inselmagazin Borkumerleben.

Die ungewöhnliche Aktion diente einem großen Ziel: nicht weniger als der Neubau des Tierheims. Neben dem regelmäßig stattfindenden Trödelmarkt an der Kulturinsel bildet die Facebookgruppe mit mittlerweile 1800 Mitgliedern eine große digitale Alternative, um auch außerhalb der Insel finanzielle Unterstützung für das Projekt zu generieren.

Ein Neubau ist dringend notwendig

Ein Neubau des Tierheims ist dringend notwendig. Das bestehende Gebäude stammt aus den 60er Jahren, hat keine Heizung und entspricht nicht mehr den Anforderungen eines modernen Tierheims mit Tierpension und Quarantänestation. Dazu kommen Mitarbeiterräume, sanitäre Einrichtungen, Hygienevorschriften, Abluft- und Abwassersysteme. „Wir erfüllen eine wichtige Funktion und sind nicht nur für ausgesetzte oder gefundene Tiere zuständig, sondern bieten auch eine Tierpension an“, erklärt Fokke Schmidt jr.

Insulaner können etwa ihre Tiere während Festlandsreisen dort unterbringen. Auch Urlaubs- oder Klinikgäste können ihre Tiere während ihres Aufenthaltes in die Obhut geben. „Gerade im Sommer stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagt Fokke Schmidt jr. Die Idee, verzierte Dosen zu gestalten, hat der Finanzierung des Neubaus in den letzten Monaten erheblichen Auftrieb gegeben.

Alles begann damit, dass Fokke Schmidt jr. die Borkumer Künstlerinnen Dorota Andres (Doro Art) und Nicole Wenning um Unterstützung bat. Beide kreierten jeweils eine wunderschöne Weihnachtsdose, die erfolgreich versteigert wurde. Inspiriert von diesem Erfolg, beschloss der Schatzmeister, auch prominente Persönlichkeiten um ihre Unterstützung zu bitten, und schickte eine Reihe von Dosen an verschiedene Prominente. Das Vorgehen ist stets dasselbe: Eine Blankodose, ein Satz Acrylstifte und ein Schreiben, das die Aktion für ein neues Tierheim auf Borkum erklärt. Zudem wird darum gebeten, ein Foto zu erstellen, auf dem die Entstehung der Dose zu sehen ist.

Udo Lindenberg war unter den Ersten dabei

Wie Fokke Schmidt jr. an die Kontakte gekommen ist, bleibt ein Geheimnis, doch es wird schnell klar, dass viel Zeit in Recherche und Kommunikation mit Agenturen investiert wurde. Einer der ersten Unterstützer war Udo Lindenberg, der innerhalb weniger Tage seine bemalte Dose zurückschickte. Diese wurde bei der Versteigerung für beeindruckende 2.600 Euro verkauft. Nach und nach folgten weitere prominente Persönlichkeiten: Frank Zander, Peter Maffay, Dieter Hallervorden. Heinz-Rudolf Kunze und Jürgen Drews legten sogar ihre neuen Alben als Geschenk dazu.

Manche Prominente meldeten sich aber auch gar nicht, andere erst nach Monaten, wie Weltstar Angelika Milster, die sich persönlich bei Fokke Schmidt jr. meldete und eine bemalte Dose versprach. Eine besondere Überraschung war der Anruf von Roland Kaisers Tochter, die ihren Vater während seiner Weltreise entschuldigte. Nach seiner Reise schickte Roland Kaiser tatsächlich eine bemalte Dose nach Borkum, die kürzlich erfolgreich versteigert wurde. Axel Prahl, bekannter Tatort-Kommissar und bekennender St. Pauli Fan, schickte in Eigeninitiative gleich drei bemalte Dosen zurück.

Bis August 2025 muss mit dem Bau begonnen werden

Fokke Schmidt jr. ist von der Aktion mehr als begeistert, denn das „Dosen signieren“ trägt enorm zum Erreichen des Ziels Tierheimneubau bei. Um den Bau umzusetzen, ist der Verein weiterhin auf Spenden und Unterstützung angewiesen. Ziel ist eine Summe von 700.000 Euro. Der Bauantrag ist mittlerweile genehmigt, und bis August 2025 bleibt Zeit, mit dem Bau zu beginnen, bevor die Genehmigung ausläuft. Noch fehlen rund 250.000 Euro. „Natürlich werden wir auch Gespräche über ein Darlehen oder eine Bürgschaft führen. Doch je höher unser Eigenkapital ist, desto besser sind unsere Voraussetzungen. Da hoffe ich auch weiterhin auf die Unterstützung der Borkumer Betriebe und der Bevölkerung“, appelliert der Schatzmeister.


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