Wie ostfriesische Pflegedienste Betroffenen helfen wollen

Artikel vom 08.08.2023

Annika Schmidt

Für Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen sind selbst zu zahlende Anteile noch weiter gestiegen. Bild: Matthias Zomer/pexels

Da die Kosten in der Pflege in den letzten Monaten stark angestiegen sind, rutschen immer mehr Bedürftige in die Sozialhilfe ab. Die Pflegedienste wollen dabei jedoch nicht zusehen.

Ostfriesland - Die Kosten für einen Platz in der vollstationären Pflege sind deutlich gestiegen. Wie berichtet, liegt der durchschnittlich zu erbringende Eigenanteil in Niedersachsen derzeit bei rund 2400 Euro. Die durchschnittliche Rente, die eine Person erhält, liegt jedoch deutlich niedriger bei rund 1500 Euro. Die Kostensteigerungen im Bereich Pflege hängen dabei laut Auskunft verschiedener Pflegedienste vor allem mit den gestiegenen Personalkosten zusammen, ein weiterer Teil kommt durch die gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise hinzu. Da sich aufgrund dessen immer weniger Menschen einen Platz in der vollstationären Pflege leisten können, nimmt die Zahl der Sozialhilfeempfänger zu. Laut einer Studie der DAK wird die Zahl der Sozialhilfeempfänger in diesem Jahr von 30,5 Prozent in 2022 auf 32,5 Prozent in 2023 steigen. Bis 2026 rechnet die DAK damit, dass rund 36 Prozent der Bedürftigen in vollstationärer Pflege Sozialhilfe empfangen. Um das aufzuhalten und Bedürftigen Unterstützung zu bieten, haben sich Pflegedienste bereits Angebote einfallen lassen.

Pflegenotaufnahme für akute Fälle

Der Arbeiter Wohlfahrtsverband richtete als erster Pflegedienstleister 2008 eine Pflegenotaufnahme ein. Dabei hilft die AWO Bedürftigen, denen aufgrund eines akuten Notfalls pflegerische Unterversorgung droht. Damit sind jedoch nicht Menschen in lebensbedrohlichen Situationen gemeint, sondern Menschen, deren pflegender Angehöriger beispielsweise aufgrund eines Unfalls, Überforderung oder Erkrankung länger ausfällt. Aber auch eine Verschlechterung des Zustands der zu pflegenden Person ist ein Fall für die Pflegenotaufnahme. Die Pflegenotaufnahme ist über die Telefonnummer 0800/4204201 gebührenfrei von montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr erreichbar. Freitags ist sie von 8 bis 14 Uhr erreichbar.

Ausführliche Beratungen

Neben der Pflegenotaufnahme bieten AWO wie auch Pflegebutler in ihren Wohnparks auch ausführliche Pflegeberatungen an. „Wir unterstützen unsere Kunden im Rahmen unserer Möglichkeiten bei der Beantragung aller ihnen zustehenden Leistungen bei der Pflegekasse sowie Krankenkasse und auch der Hilfe zur Pflege“, erklärt Jan Zimmerschied, Geschäftsführer bei Pflegebutler. Die AWO informiert bereits auch schon vor dem Eintreten des Pflegefalls kostenfrei und unabhängig. Zudem hilft sie bei der Pflegebegutachtung durch den Medizinischen Dienst und der Planung sowie Organisation der Pflege zuhause. Zudem bietet die AWO auch Unterstützung in Form einer ambulanten Versorgung an.

Lobbyarbeit ist unerlässlich

Wichtig sei aber vor dem Hintergrund aber auch die Lobbyarbeit, wie Dr. Harald Groth, Vorsitzender des Präsidiums der AWO Weser-Ems, im Gespräch deutlich machte. Die Politik mit den derzeitigen Problemen in der Pflege immer wieder zu konfrontieren, sei die einzige Lösung. Laut Groth drohen ansonsten immer mehr Insolvenzen, sowohl im privaten als auch im Pflegedienst-Bereich. „Die Versorgung unserer alten und pflegebedürftigen Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier bedarf es mehr als Stückwerk und den Reförmchen der letzten Jahre. Die Politik sollte diesem Thema eine viel größere Bedeutung schenken. Die Politik und Gesellschaft spart hier an den Menschen, die dieses Land aufgebaut haben und nun Hilfe brauchen“, macht Zimmerschied seinen


 

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