„Wir dachten, nach fünf Jahren können wir die Katzenstation auflösen“

Artikel vom 09.12.2021

Arne Haschen

Alles fing an mit der Rettung von Katzen – und bis heute ist das der Bereich, wo die Aktiven Tierfreunde am meisten organisieren und helfen. Bild: Aktive Tierfreunde

Seit 25 Jahren retten die Aktiven Tierfreunde Katzen, Kaninchen und andere Tiere in Norden und Ostfriesland – und bekamen dafür den Deutschen Tierschutzpreis. In Zukunft haben sie noch viel vor.

Wenn ein Verein sein 25-Jähriges feiern kann, ist das eigentlich Grund für eine Feier oder Rückschau – nicht bei den Aktiven Tierfreunden: „Wir haben aktuell einfach keine Zeit“, erklärt die Vorsitzende Sonja Lindemann. Wie jeden Herbst ist vor allem in der Katzenstation die Lage schwierig, weil aktuell rund 50 Tiere an verschiedenen Standorten gepflegt und vermittelt werden müssen. Trotzdem hat Lindemann sich etwas Zeit genommen, um mit unserer Redaktion einen Blick auf den Werdegang ihres Vereins zu werfen – und auch darauf, was künftig passieren soll.

Anfangsidee: Arbeit ist nach fünf Jahren beendet

„Ich bin vor 25 Jahren ganz naiv an die Sache herangegangen“, erinnert sie sich an die Anfänge im Jahr 1996. Zu dieser Zeit gab es in Norden und Ostfriesland vielerorts Probleme mit wilden Katzen, die etwa hinter Supermärkten lebten und sich unkontrolliert vermehrten. Genau dafür wurde dann die Katzenstation in Großheide gegründet, die ein Jahr später ihren Betrieb aufnahm. „Wir dachten, nach fünf Jahren können wir die Katzenstation auflösen“, sagt Lindemann und muss ein bisschen lachen – auch heute wäre es undenkbar, die Station zu schließen. Es gibt zwar keine Gruppen wild streunender Katzen mehr, aber immer noch mehr als genug Tiere, die Hilfe brauchen. „Wir werden auch in den nächsten Jahren nicht schließen, es gibt leider zu viele Menschen, die sich nicht kümmern.“

Deutscher Tierschutzpreis für Engagement in Ostfriesland

Neben der Katzenstation betreibt der 300 Mitglieder starke Verein seit nunmehr sieben Jahren auch die Norder Tiertafel, hat Vertreter auf Norderney und seit zwei Jahren auch einen Tierschutzhof in Neuschoo, der den Tierfreunden vererbt wurde – dort finden Schafe, Ziegen, Ponys, Katzen, Hühner und Gänse ein Zuhause. Für das Engagement von Lindemann und ihren Mitstreitern gab es 2014 auch den Deutschen Tierschutzpreis, was damals sehr überwältigend war. „Der ging plötzlich an so eine kleine Katzenschützerin in Ostfriesland wie mich“, erzählt die Vorsitzende, „das war unglaublich und hat uns viel Aufschwung gegeben.“ Verdient habe die Auszeichnung aber nicht sie, sondern alle Helfer und Paten, betont Lindemann. „Man hat ja keine große Lobby, weil man oft eine ziemliche Drecksarbeit machen muss.“

Bewusstsein für Tierschutz ist gewachsen

Die Pandemie erschwert dem Verein die Arbeit zum Glück nicht so sehr wie anderen Organisationen, freut sie sich – die Koordination ist aber trotzdem nicht einfach. „Und wir machen das alles ehrenamtlich, hier verdient keiner einen Euro mit dem Tierschutz“, betont Lindemann. Die Finanzen würden transparent offengelegt, was bei den Mitgliedern auch Vertrauen schaffe. Deren Arbeit hat innerhalb von 25 Jahren auch Früchte getragen, ist sie sich sicher: „Es gibt leider immer noch viele Missstände, aber das Bewusstsein hat sich schon verändert, wir bekommen viel öfter Meldungen aus der Bevölkerung als früher.“ Das sei sicher auch der besseren Erreichbarkeit über Internet und sozialen Medien zu verdanken, ist sich Lindemann sicher. „Wir sind bekannter geworden in der Region.“

Zukunft: Gern noch ein Standort in Norden

Ob sie für die nächsten Jahre Ideen für neue Aktionen der Tierfreunde hat? „Träume haben wir natürlich immer“, sagt Lindemann. Langfristig würde sie gern noch einen Standort in Norden etablieren, wo Kleintiere wie Meerschweinchen und Kaninchen oder vielleicht auch ein paar Katzen untergebracht werden könnten. „Der Standort in Großheide ist etwas abgelegen, in Norden hätten wir sicher die Möglichkeit, mehr zu leisten.“ Grundsätzlich sei die Priorität der Aktiven Tierfreunde aber, die aktuellen Standorte und Services zu erhalten und auszubauen. „Der Bedarf ist immer da“, so Lindemann – sicher auch in den nächsten 25 Jahren.

AKTIVE TIERFREUNDE E.V.

Der Verein Aktive Tierftreunde betreibt in Westerende eine Katzenstation und in Neuschoo einen Tierhof. Viele der 300 Mitglieder pflegen zudem Katzen und andere Tiere bei sich zu Hause. Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich im Verein für den Tierschutz zu engagieren, ist herzlich eingeladen, wie die Vorsitzende Sonja Lindemann betont: „Nachwuchs können wir immer gebrauchen.“ Ein Kontakt ist möglich unter Telefon 04931/12341 oder per Mail an vorstand@aktive-tierfreunde.net.

Weitere Infos über die Vereinsarbeit und Tiere gibt es auf der Webseite: www.aktive-tierfreunde.net. Dort sind auch die Daten des Spendenkontos hinterlegt, falls jemand die Vereinsarbeit in der traditionell schwierigsten Jahreszeit unterstützen möchte.


 

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