Bessere Defensive und Boothe-Faktor

Von Fabian Speckmann

Nathan Boothe (links) ist rechtzeitig zum Beginn der Play-Offs wieder fit geworden. Er kann zum entscheidenden Faktor im Spiel der Baskets werden.BILD: ARCHIV/REMMERS

OLDENBURG – Der Modus ist gleichgeblieben. Fünf Spiele sind möglich, drei Siege sind nötig, um das Halbfinale zu erreichen. Doch anders als in der Vor-Pandemie-Zeit wird in den Play-Off-Spielen der Basketball-Bundesliga das Heimrecht nicht mehr von Spiel zu Spiel getauscht. Als Tabellendritter der regulären Saison dürfen die EWE Baskets in der ersten Runde gegen ratiopharm Ulm gleich zweimal vorlegen, erstmals am kommenden Donnerstag, ab 20.30 Uhr.
Die Gäste aus dem Schwäbischen haben im saisonalen Endspurt eine beeindruckende Serie hingelegt. Neun Spiele in Folge hat Ulm gewonnen, darunter mit Bayern München, den Crailsheim Merlins und auch den Oldenburgern gleich drei Play-Off-Teilnehmer jeweils deutlich vom Parkett geputzt. Ulm, so scheint es, hat seine Form gefunden.
Auch deshalb ist es eine wenig gewagte Prognose, dass der Wettstreit dieser Kontrahenten durchaus über die volle Distanz gehen könnte. Ähnlich wie Ulm haben auch die Oldenburger rechtzeitig vor Beginn der Ausscheidungsspiele nochmals Selbstvertrauen getankt. Der MBC und Göttingen wurden deutlich besiegt. Pflichtsiege mithin, gleichwohl schmeicheln auch diesem dem Gemüt.
Entsprechend selbstbewusst sollten die Oldenburger Spiel eins angehen, sich dabei ihres 89:86-Sieges in Ulm erinnern und das klare 75:93 gegen die Mannschaft von Trainer Jaka Lakovic bestenfalls aus den Erinnerungen streichen. Andererseits taugt gerade auch dieses Spiel, um jene Komponente im Oldenburger Tun zu benennen, die als größte Schwachstelle auszumachen ist: die Verteidigung.

Beste Offensive der Liga

92,62 Punkte haben die Baskets in den Ligaspielen durchschnittlich erzielt und damit die Bestmarke gesetzt. Öfter traf kein Konkurrent, nicht mal Tabellenprimus Ludwigsburg (89,03) und auch nicht Ulm (88,38). Das ist zweifelsohne beeindruckend, gleichwohl gilt auch im Basketball, dass die Offensive Spiele entscheidet, die Defensive allerdings Titel gewinnt. Das Verteidigen haben die Baskets deshalb bis zum Donnerstag nachhaltig zu verbessern. Kein Play-Off-Teilnehmer kassierte mehr Punkte in den 34 Liga-Spielen als die Oldenburger (83,76 im Durchschnitt). Schwierig wurde es für die Truppen von Trainer Mladen Drijencic zumeist, wenn der Gegner das Spiel schnell gemacht hat.

Bleibt die Frage, ob Ulm die nötige Frische aufs Parkett bringt. Während die Oldenburger ausgeruht in die erste Play-Off-Runde starten können, war Ulm an diesem Wochenende in der Pokal-Endrunde gefordert. Bayern München hieß der Ulmer Gegner im Halbfinale, dass der spätere Pokalsieger aus der südlichen Landeshauptstadt dann nach zweimaliger Verlängerung für sich entscheiden konnte. Das zweite große Fragezeichen für Coach Jaka Lakovic steht hinter Per Günther.
Seit 2008 steht der gebürtige Gießener und in Hagen zum Basketball-Profi Gereifte in Ulmer Diensten, hat dort längst Legendenstatus und kann noch immer Spiele entscheiden. Allein der 33-Jährige ist angeschlagen, sein Einsatz fraglich. Gleichwohl haben die Ulmer zuletzt eindrucksvoll gezeigt, dass sie einen Ausfall des Aufbauspielers kompensieren können. Der Kader ist breit aufgestellt, zudem funktioniert die Rotation. Immerhin neun Spieler bringen es durchschnittlich auf knapp zwanzig Minuten Einsatzzeit.
Allen voran Troy Caupain (Point Guard), Andreas Ost (Shooting Guard) und Cameron Clark (Small Forward) bestimmen den Takt des Ulmer Spiels. Hinzu kommt mit Dylan Osetkowski ein wuchtiger Center.
Keine Frage, mit Ulm treffen die Baskets auf einen Gegner, der ihnen alles abverlangen wird. Die Oldenburger werden alles tun, um in ihren ersten beiden Heimspielen vorzulegen und Ulm so für Spiel drei massiv unter Druck zu setzen. Das kann gelingen, wenn sie Mittel finden, um die starke Deckung der Gäste immer wieder zu knacken. Immerhin, Nathan Boothe ist rechtzeitig wieder fit geworden. Der Forward ist neben Dauerbrenner Rickey Paulding und Center Rasid Mahalbasic vielleicht der entscheidende Faktor und kann dem Oldenburger Spiel entscheidende Akzente geben.  
Mit dem nachverpflichteten Tomislav Gabric haben die Baskets zudem eine personelle Option, um Boothe im Play-Off-Verlauf vielleicht mal eine Pause zu geben. Allerdings wird Drijencic von Spiel zu Spiel entscheiden müssen, auf welchen Ausländer er jeweils verzichtet.
Prognose: Gelingt es Mladen Drijencic, sein Team defensiv zu stabilisieren, haben die Baskets eine gute Chance auf das Erreichen des Halbfinales. Andernfalls droht das Aus in Runde eins.


 

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