Der kurze Weg zum Titel

VON TORBEN ROSENBOHM

Oldenburgs Trainer Mladen Drijencic (links) wird mit seinem Team in München um die Deutsche Meisterschaft spielen. Nathan Boothe, der lange verletzt pausieren musste, dürfte beim Turnier wieder mit an Bord sein. BILD: ROSENBOHM

OLDENBURG – Es wird trainiert, die nächsten Gegner stehen fest, die Konzentration gilt in Kürze wieder dem jeweils nächsten Spiel – und doch ist alles anders, wenn die Basketball-Bundesliga am 6. Juni ihren Spielbetrieb wieder aufnimmt. Corona hatte eine Zwangspause nötig gemacht, und Corona bestimmt auch weiterhin das Geschehen.

In dieser Woche gab die bayerische Staatsregierung grünes Licht für die Fortsetzung der Saison in der Basketball-Bundesliga, unter ganz anderen Vorzeichen als gewohnt allerdings. Die Verantwortlichen aus der Liga hatten sich intensiv ausgetauscht und ein Modell gefunden, das aus ihrer Sicht die größtmögliche Sicherheit in unsicheren Zeiten sicherstellen soll.

Zehn Clubs entschlossen sich für eine Fortsetzung der Saison und werden nun vom 6. bis 28. Juni im Audi-Dome in München den Deutschen Meister 2020 ausspielen. Alle Teams werden in einem Hotel abgeschottet, das ihnen exklusiv zur Verfügung steht; ein umfassendes Hygiene- und Sicherheitskonzept ist erarbeitet worden, um den Spielern in der Vorbereitung, im alltäglichen (Hotel-)Leben und in der Spielhalle möglichst umfassende Verhaltensmaßregeln an die Hand zu geben.

Die Akteure selbst tragen eine große Verantwortung, denn das ganze Turnier wird nur dann zu einem guten Ende kommen, wenn nichts passiert – sprich: keine Corona-Erkrankung von Aktiven oder Betreuern einen dicken Strich durch die Rechnung macht.

Die EWE Baskets haben das Training nun wieder aufgenommen, um bestmöglich vorbereitet zu sein auf ein außergewöhnliches Saisonende. Das hat es in Sachen Belastung durchaus in sich: Binnen sieben Tagen sind die Oldenburger viermal gefordert. Die Spiele gegen Ulm (8. Juni, 16.30 Uhr), Göttingen (10. Juni, 16.30 Uhr), Crailsheim (12. Juni, 20.30 Uhr) und München (14. Juni, 20.30 Uhr) in der einen der zwei Fünfer-Gruppen soll die Mannschaft von Trainer Mladen Drijencic mindestens auf Platz vier und damit ins Viertelfinale führen. Das findet, ebenso wie das Halbfinale und das Finale, in einem Modus mit Hin- und Rückspiel statt.

„Sportlich betrachtet denke ich, dass wir in München eine gute Rolle spielen werden. Ich habe das Gefühl, dass Mladen und sein Team mit enormer Motivation an die Aufgabe gehen und den Club hervorragend präsentieren werden“, blickte Baskets-Geschäftsführer Hermann Schüller voraus.

Auf dem Parkett werden die Oldenburger derweil auf den verletzten Justin Sears und auf Kevin McClain verzichten müssen, dessen Vertrag aufgelöst wurde. Wohl wieder zum Einsatz kommen dürfte hingegen der US-Amerikaner Nathan Boothe, der über Monate mit einer Schienbeinkopf-Verletzung ausgefallen war.

Kommentar:

VON TORBEN ROSENBOHM

Bedingungslosen Jubel erhalten die Verantwortlichen aus der Basketball-Bundesliga aktuell nicht; weder die in der Kölner Liga-Zentrale, noch die in den Clubs. Die Entscheidung, die Saison 2019/2020 doch noch sportlich zu einem Abschluss zu bringen, trifft durchaus auch auf Kritik.

Den Machern aber gebührt in der angespannten Situation vor allem: Respekt. Sie haben es geschafft, mitten in der Corona-Krise, die alle Gesellschaftsbereiche betrifft, ein Konzept aufzustellen, das letztlich die Entscheider in der Politik überzeugt hat und den zehn teilnehmenden Clubs am Turnier in München die Möglichkeit gibt, einen sportlichen Meister auszuspielen.

Die Sicherheitsvorkehrungen gehen dabei sogar über die in der Fußball-Bundesliga hinaus – die Chancen, dass alles ohne Erkrankungsfall gut geht, stehen so schlecht nicht.

Gewiss wird auch hier am Bildschirm die Atmosphäre von den Rängen fehlen, aber bei einigen Europapokal-Übertragungen unter der Woche aus europäischen Hallen sind zuweilen kaum mehr Zuschauer vor Ort anwesend – geschaut hat man sie dennoch.


 

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