Der Vizemeister möchte wieder ganz oben stehen

Von Lars Ruhsam

Wirbelt weiter an der Seitenlinie: Bayern-Trainer Andrea Trinchieri hat seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert.BILD: REMMERS

OLDENBURG – Die Vorbereitung auf die neue Saison in der Basketball-Bundesliga hat nicht nur bei den EWE Baskets begonnen. Ein guter Zeitpunkt, um in dieser und den kommenden Ausgaben einen Blick auf die Kader der 18 Bundesligisten zu werfen. Wir beginnen mit Meister Berlin und Vizemeister Bayern München

Alba Berlin

Vier Jahre lang prägte er den Berliner Basketball, sorgte für einen neuen Spielstil in der Hauptstadt, lockte Talente und bekannte Namen zu Alba, holte zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg. Nun nimmt sich Cheftrainer Aito Garcia Reneses mit 74 Jahren eine Auszeit vom Basketball. Ihm folgt sein bisheriger Assistent und „Associate Headcoach“ Israel Gonzalez. Ein Schritt, der lange vorbereitet war. Der Spanier wird die Philosophie der Trainerlegende fortsetzen, muss aber auch zeigen, dass er zum Cheftrainer taugt. Er kann auf ein starkes und eingespieltes Grundgerüst bauen: Luke Sikma, Marcus Eriksson, Ben Lammers, Louis Olinde, Jonas Mattisseck, Tim Schneider und Christ Koumadje besaßen noch Verträge, verlängert haben Aufbau Maodo Lo und Center Johannes Thiemann. Talent Malte Delow erhält einen Vollvertrag bei den Albatrossen. Neu sind Tamir Blatt (Hapoel Jerusalem), Sohn von Erfolgscoach David Blatt, der israelische Flügelspieler Yovel Zoosmann (Maccabi Tel Aviv) und Liga-MVP Jaleen Smith (Ludwigsburg). Zurück ist Stefan Peno, der in der vergangenen Saison nach Vechta ausgeliehen war. Berlin verlassen haben Niels Giffey (Zalgiris Kaunas), Simone Fontecchio und Jayson Granger (beide Baskonia/Spanien) und Peyton Siva (Neuseeland). Nachwuchsspieler Lorenz Brenneke sucht in Frankfurt eine neue Herausforderung.

Einschätzung: Der Abschied von Aito ist ein Einschnitt. Israel Gonzales übernimmt, trotz aller Erfahrung, zum ersten Mal den Posten eines Cheftrainers. Dass er dabei auf viele bekannte und bewährte Spieler setzen kann, gereicht ihm sicher zum Vorteil. Schwer wiegen hingegen die Abgänge vieler Leistungsträger, die durch die Neuzugänge erst kompensiert werden wollen.

FC BAYERN BASKETBALL

Der Vizemeister ist hier schon ein Stück weiter und hat in Sachen Neuzugänge nicht nur Quantität, sondern auch viel Qualität an die Isar geholt. Cheftrainer Andrea Trinchieri hat seinen Vertrag ebenso wie Sportdirektor Daniele Baiesi um zwei Jahre verlängert. Das eingespielte Tandem hat mit Corey Walden (Roter Stern Belgrad), Darrun Hilliard (CSKA Moskau), Othello Hunter (Maccabi Tel Aviv), Deshaun Thomas und den in der BBL bestens bekannten Augustine Rubit (Kaunas/Litauen) viel Qualität und Erfahrung verpflichtet. Mit Andreas Obst (Ulm) und Gavin Schilling (Braunschweig) tragen zudem zwei der besten deutschen Spieler der vergangenen Saison künftig das Bayern-Trikot. Der junge Serbe Ognjen Jaramaz (Partizan Belgrad) und Joshua Obiesie (Würzburg) sind zugleich Investitionen in die Zukunft. Vladimir Lucic, Nihad Djedovic, Zan Mark Sisko, Marvin Ogunsipe (zurück, war nach Hamburg verliehen) und Nick Weiler-Babb (nach Verletzung) besaßen noch Verträge, Leon Radosevic verlängerte sein Arbeitspapier – sie alle sorgen für noch mehr Qualität. Auch Nationalspieler Paul Zipser hat seinen Vertrag verlängert (drei Jahre) und kämpft sich nach einer Hirnblutung wieder zurück aufs Parkett.
Nicht mehr für die Bayern spielen Wade Baldwin (Baskonia/Spanien), Jalen Reynolds (Maccabi Tel Aviv), D.J. Seelay (Podgorica/Montenegro), JaJuan Johnson (Ankara), David Krämer, Robin Amaize (beide Braunschweig) und Alex King (Würzburg). Ausgeliehen werden Matej Rudan (KK Mega/Serbien), Diego Flaccadori (Trento/Italien), Sasha Grant (Verona), Nelson Weidenmann (Chemnitz) und James Gist.

Einschätzung: Die Verpflichtungen zeigen deutlich: Die Bayern wollen den Meistertitel wieder an die Isar holen und an den Erfolg in der Euroleague an das Erreichen der Playoffs anknüpfen. Die Dauerlizenz im europäischen Wettbewerb und die neue Multifunktionsarena (Fertigstellung 2. Hälfte 2022) unterstreichen die ohnehin schon großen Ambitionen in der bayerischen Landeshauptstadt. Die Münchener werden deshalb auch in dieser Saison das Maß aller Dinge sein.


 

Liveticker

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

Ein Spitzenspiel der Ungeschlagenen

VON FABIAN SPECKMANNOLDENBURG – Es ist einer der wenigen echten Klassiker, den die Regionalliga-Nord zu bieten hat. Atlas Delmenhorst erwartet den VfB Oldenburg und bis zu 2.500 Fans ...

Zwischen Erfahrung und Neuland

Von Lars RuhsamOLDENBURG – Der vierte Teil der Basketball-Wechselbörse richtet den Blick auf die Vereine, die in der vergangenen Saison im berühmten „Niemandsland“ der ...

Duell der großen Möglichkeit

OLDENBURG – Die Unterschiede könnten größer kaum sein. Hier der VfB Oldenburg, der nach einem Traumstart mit vier Siegen aus vier Spielen als Ligaprimus daherkommt. Dort der ...

Neue Trainer und Abenteuer Europa

OLDENBURG – Im dritten Teil der Wechselbörse stehen Crailsheim, Hamburg und Braunschweig im Fokus. CRAILSHEIM MERLINSDen starken Eindruck aus dem Finalturnier 2020 haben die Merlins ...

„Diese Saison wird wieder harte Arbeit“

OLDENBURG – Es geht wieder los: An diesem Sonntag, 5. September, um 16.30 Uhr starten die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg in die neue Spielzeit – mit dem Derby gegen den ...

Diese drei Vereine wollen in der Erfolgsspur bleiben

OLDENBURG – Nach dem Blick auf Meister Berlin und Vizemeister München geht es im zweiten Teil der Wechselbörse mit Ulm, Ludwigsburg und Bamberg weiter. Ratiopharm Ulm Die starke ...

Standortbestimmung erfolgt im Spitzenspiel

OLDENBURG – Die Niederlage war deutlich, der Frust hielt sich gleichwohl in Grenzen. Durch ein 1:4 gegen Drittligisten Eintracht Braunschweig ist der VfB Oldenburg aus dem Landespokal ...

Ein Klassiker im Landespokal

OLDENBURG – Die Sinnhaftigkeit des Modus im Landespokals zu diskutieren, würde mutmaßlich einen unterhaltsamen Abend füllen. Im Gegensatz zu allen anderen Landesverbänden ...

Schon früh unter Druck

VON FABIAN SPECKMANNJEDDELOH – Der Start in die neue Saison ist misslungen. Nach zwei klaren Niederlagen ist der SSV Jeddeloh aktuell Tabellenletzter der Regionalliga und steht vor dem ...

1.500 Meter Höhe und drei Wettbewerbe

Rogla/red. Die wichtigste Nachricht zuerst: Die EWE Baskets Oldenburg sind am Dienstagnachmittag wohlauf und pünktlich und wie geplant um 17 Uhr im Teamhotel in Rogla angekommen, wo zwischen dem ...

Das große Dribbeln hat wieder begonnen

OLDENBURG – Das Quietschen der Schuhe auf dem Parkett ist wieder zurück, Bälle werden wieder gedribbelt und geworfen, die Anweisungen von Cheftrainer Mladen Drijencic schallen wieder ...

Ein Klassiker im Pokal-Halbfinale

OLDENBURG – Es war ein hart umkämpfter und fraglos glücklicher Sieg. Mit 4:2 setzte sich der VfB Oldenburg vor Wochenfrist im Viertelfinale des Landespokals gegen den SSV Jeddeloh ...