Neue Trainer und Abenteuer Europa

Von Lars Ruhsam

Treffen wieder aufeinander: Phil Pressey bleibt bei den Baskets, T.J. Shorts wechselt jedoch nach Crailsheim.    BILD: REMMERS

OLDENBURG – Im dritten Teil der Wechselbörse stehen Crailsheim, Hamburg und Braunschweig im Fokus.

 CRAILSHEIM MERLINS
Den starken Eindruck aus dem Finalturnier 2020 haben die Merlins bestätigt. Lohn waren das Erreichen der Playoffs und nun die erste Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Verzichten müssen die Crailsheimer dabei jedoch auf Trainer Tuomas Iisalo, der nach Bonn wechselt. Erwartungsgemäß hat Top-Spieler Trae Bell-Haynes den Verein verlassen. Er spielt künftig in der spanischen ACB bei Aufsteiger Breogan, zusammen mit Ex-Baskets-Center Rasid Mahalbasic. Ebenfalls weg sind Radii Caisin (MBC), Nimrod Hilliard (Kaposávar/Ungarn), Jeremy Jones (Nagoya/Japan), Jamuni McNeace (Cremona/Italien), Haywood Highsmith (zunächst Cremona, dann mit Kurzzeitvertrag in die NBA), Tim Coleman und Jermaine Haley (beide unbekannt). Mit Bogdan Radosavljevic (drei jahre), Maurice Stuckey (zwei) und Fabian Bleck (drei) haben drei Leistungsträger ihre Verträge verlängert Auch Dejan Kovacevic bleibt dem Verein treu, genauso wie Elias Lasisi, dessen Vertrag zunächst nicht verlängert wurde. Neuer Mann an der Seitenlinie ist Sebastian Gleim, zuvor Cheftrainer in Frankfurt. Die Fäden im Aufbauspiel wird T.J. Shorts (Hamburg) ziehen. Aus Chemnitz kommt Terrell Harris, Jared Savage vom griechischen Vizemeister Lavrio, Rene Kindzeka von Zweitligist Bremerhaven, für den Flügel Jaren Lewis (Latina Basket/2. Liga Italien). Als Center fungiert der Nigerianer Richmond Aririguzoh (Horsens/Dänemark).
Einschätzung: Der Erfolgstrainer ist weg, der offensivstärkste Spieler ebenfalls. Doch Neu-Trainer Sebastian Gleim hat in Frankfurt gezeigt, dass er aus wenig viel machen kann. Das starke deutsche Grundgerüst gereicht ihm zusätzlich zum Vorteil. Vor allem stimmt in Crailsheim das Umfeld, das trotz der Erfolge noch nicht die Bodenhaftung verloren hat. Stimmt die Mischung, gehören die Merlins wieder zu den Playoff-Anwärtern.

 HAMBURG TOWERS
Zu diesen sind ohne Zweifel auch die Hamburger zu zählen. Mit Kameron Taylor (Maccabi Tel Aviv), Bryce Taylor (unbekannt), T.J. Shorts und Terry Allen (Bayreuth) verliert Trainer Pedro Calles zwar ein starkes Quartett, zu dem sich auch Zac Cuthbertson (Argentinien), Johannes Richter (MBC) und Marvin Ogunsipe (nach Leihe zurück nach München) gesellen, aber die Neuzugänge zeigen, dass an der Elbe großes entsteht – nicht nur die geplante neue Halle. Mit Seth Hinrichs (Manrese/Spanien) holt Calles einen bekannten und gefährlichen Spieler zurück, Lukas Meißner hat in Braunschweig bis zu seiner Schulterverletzung eine starke Saison gespielt, Robin Christen kommt aus Vechta, Flügel Zach Brown aus Szedeak (Ungarn), die beiden Point Guards Jabril Durham und Jaylon Brown aus Mons-Hinault (Belgien) und Bilbao (Spanien), zu ihnen gesellt sich auch Landsmann Caleb Homesley (Erie BayHawks/G-League). Von ProA-Ligist Leverkusen wechselt noch Eddy Elgin. Treu geblieben sind zudem Center-Überraschung Maik Kotsar, Max DiLeo und Neu-Nationalspieler Justus Hollatz. Osaro Jürgen Rich bekommt zudem einen Vollvertrag. Nach ihren Knieverletzungen könnten auch Hans Brase und Hendrik Drescher wieder angreifen.
Einschätzung: Die Towers wollen weiter angreifen, sich in der Ligaspitze etablieren – und zwar unaufgeregt und Schritt für Schritt. Die Voraussetzungen sind mit dem Kader, der auch für den Eurocup tauglich ist, nicht die schlechtesten.

 LÖWEN BRAUNSCHWEIG
Turbulent war die Sommerpause in Braunschweig. Ein immer noch schwelender Rechtsstreit mit einem Ex-Spieler erschwerte Neuverpflichtungen. Und so jagte erstmal eine Abschiedsmeldung die nächste: Trainer Pete Strobl (Gießen), Karim Jallow (Ulm), Gavin Schilling (München), Arnas Velicka (Neapel), Lukas Meißner (Hamburg), Lukas Wank (Frankfurt), Garai Zeeb (Trier/ProA), Lars Lagerpusch (Paderborn/ProA), Kostja Mushidi, James Robinson und Bazoumana Koné (alle unbekannt). Lediglich Luc van Slooten, Benedikt Turodic und Jannik Göttsche besaßen noch Verträge. Im Umfeld wurde schon spekuliert, ob der Standort mit Alleingesellschafter Dennis Schröder überhaupt weiter existieren könne. Er kann, denn es kamen doch noch Neuzugänge – und nicht die schlechtesten. Neuer Trainer ist Jesus Ramirez (Szczecin/Polen, zuvor auch Co-Trainer in Ulm), von seinem Ex-Club kommt Guard Tookie Brown, David Krämer und Robin Amaize kommen von den Bayern, der Tscheche Ondrej Sehnal aus Prag, der BBL-erfahrene Center Owen Klassen aus Dordogne (Frankreich). Mit Doppellizenzen ausgestattet sind die talentierten Zwillinge Nicholas und Brandon Tischler (Baunach) Martin Peterka hat seinen Vertrag verlängert.
Einschätzung: Der Ansatz, vor allem junge deutsche Spieler an die Oker zu holen und ihnen Spielzeit zu geben, hat funktioniert. Doch erneut war der Sommer in Braunschweig unruhig. Dass Spieler wie Jallow und Schilling nach der starken Saison nicht zu halten sein würden, war erwartet worden. Doch dieser große Aderlass überraschte. Insgesamt ist der Kader solide. Ruhiger werden muss es im Umfeld – sonst ist der Standort tatsächlich in Gefahr, trotz Dennis Schröder im Hintergrund.


 

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