Würzburg und Braunschweig: Tendenz Überraschung

Artikel vom 11.09.2020

Von Lars Ruhsam

Wohin geht die Reise in Würzburg? Cheftrainer Denis Wucherer (rechts) und sein Assistent Steven Key müssen mit einem kleineren Budget arbeiten. BILD: RUHSAM

Oldenburg. – Viele Experten hatten s. Oliver Würzburg in der vergangenen Saison  als Playoff-Teilnehmer auf der Rechnung. Beim Saisonabbruch war die Mannschaft von Trainer Denis Wucherer Achter. Eine Teilnahme am Finalturnier sagten die Franken jedoch ab – zu groß schienen die Unwägbarkeiten, vor allem in finanzieller Hinsicht. 

Auch für die neue Spielzeit planen die Verantwortlichen konservativ. Eine Konsequenz: Das starke Guard-Trio Jordan Hulls (unbekannt), Skyler Bowlin (Iraklis Thessaloniki/Griechenland) und Cameron Wells (Dunkerque/Frankreich) war ebenso wenig zu halten wie Center Luke Fischer (Orléans/Frankreich). Auch Johannes Richter hat den Verein verlassen, spielt jetzt in Gießen. 

Also mussten am Main neue Gesichter her. Das Trio Hulls, Bowlin und Wells wird ersetzt durch deren Landsleute Tayler Parsons (ZZ Leiden/Niederlande), Zach Smith (Riga/Lettland) und Tyson Ward (North Dakota State University). Auf der Center-Position wird ein Ex-Oldenburger tätig: Justin Sears. Nach überstandenem Kreuzbandriss zog er sich im Lauf der vergangenen Saison einen Abriss der Achillessehne zu. Erst im Dezember, so die ärztliche Prognose, wird der Center wieder einsatzfähig sein. Um die Zeit zu überbrücken, wurde Gavin Ware (Kumamoto/Japan) für  drei Monate verpflichtet. Auch Brekott Chapmann, der verletzungsbedingt bislang nur vier Spiele für die Würzburger absolvierte, gilt als Neuzugang.  Neben den fünf „richtigen“ Neuen kann Denis Wucherer auf bewährte Kräfte setzen, allen voran Small Forward Florian Koch. Hinzu kommen die erfahrenen Julian Albus und Felix Hoffmann sowie die Nachwuchsspieler Nils Haßfurther und Joshua Obiesie. 

Weiter nördlich, bei den Basketball Löwen Braunschweig, war es um die finanzielle Situation nicht gerade rosig bestellt. Dann griff einer ein, der von Braunschweig aus die Basketball-Welt erobert hat: Dennis Schröder. Der NBA-Star ist alleiniger Gesellschafter des Clubs. Das Fanlager ist gespalten. Ohne Schröder hätte es der Basketball an der Oker dauerhaft schwer. Aber befürchtet wird eine zu starke Einflussnahme durch Schröder, wie breits beim neuen Logo passiert.

Trainer Pete Strobl bleibt. So schlecht hat er seine Sache in seiner ersten Saison als Cheftrainer nicht gemacht. Platz elf mit neun Siegen und elf Niederlagen lautete die Bilanz vor dem Saisonabbruch. Doch vor allem zwei Abgänge wiegen  schwer: Aufbau Thomas Klepeisz zog es schon vor dem Finalturnier nach Ulm, Center Scott Eatherton zu Baxi Manrese nach Spanien. Aleksandar Marelja hat Braunschweig mit unbekanntem Ziel verlassen, Moritz Hübner geht nach Iserlohn in die ProB. Der Vertrag mit Trevor Releford wurde aufgrund von Differenzen aufgelöst. Weiter bei den Löwen bleiben Karim Jallow und Garai Zeeb. 

Die Neuzugänge lesen sich durchaus vielversprechend. Lukas Meisner kommt, genau wie Aufbau James Robinson, aus Bayreuth, aus Ulm wechselt der bullige Gavin Schilling zu seinem ehemaligen Co-Trainer Strobel. Der Center hatte sich in der vergangenen Saison gut entwickelt und könnte eine wichtige Säule der Mannschaft werden. Auf den großen Positionen steht ihm mit dem Tschechen Martin Peterka (ERA Basketball Nymburk/Tschechien) ein international erfahrener Spieler zur Seite. Flügelspieler Luc van Slooten kommt aus Vechta. Zwei in vielerlei Hinsicht spannende Verpflichtungen sind Bazoumana Koné (Oklahoma City Blue(G-League) und Kostja Mushidi. Koné war bereist 2017/18 in Braunschweig und ist ein guter Freund von Dennis Schröder. Mushidi stand im vergangenen Jahr im Löwen-Kader, wurde jedoch aus disziplinarischen Gründen entlassen. Bei seiner Verpflichtung zeigt er sich nun geläutert. 

Einschätzung: Würzburg war in den vergangenen Spielzeiten eine starke Mannschaft. Nun ist das Budget offenbar deutlich geschrumpft. Doch Trainer Denis Wucherer hat nicht nur die Qualität, sondern auch den Ehrgeiz, um auch mit kleineren Mittel alles aus dem Kader herauszuholen. Das hat er schon in Gießen bewiesen. 

In Braunschweig schauen alle gespannt darauf, ob und wie stark Dennis Schröder Einfluss auf die Arbeit des Trainergespanns nehmen wird. Mit Liviu Callin, der neben ihm auch Daniel Theis in der Jugend ausgebildet hat, sitzt sein großer Förderer mit auf der Trainerbank. Den Finnen wieder in den Trainerstab zu holen ist   keine schlechte Entscheidung. Die Neuzugänge jung, talentiert und motiviert. Zwei personelle Fragezeichen bleiben. War die Entgleisung von Kostja Mushidi, ebenso talentiert wie kompliziert, tatsächlich eine Ausnahme? Und kann Bazoumana Koné sportlich überzeugen oder hat Schröder seinem Freund nur einen Gefallen getan?


 

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