Chancenlos beim jähen Ende

Von Torben Rosenbohm

Nicht in den Griff bekamen Ian Hummer (links) und seine Kollegen in dieser Woche Luke Sikma und Alba Berlin. Die Oldenburger unterlagen zweimal deutlich und beendeten die Saison in der Basketball-Bundesliga. BILD: ULF DUDA

OLDENBURG – Rasid Mahalbasic kann furchteinflößend sein. Wenn er seinen Körper unter dem Korb einsetzt, den Gegner vor sich herschiebt und, oft noch von einem Foul begleitet, den Ball im gegnerischen Korb versenkt. Der Center der EWE Baskets Oldenburg zählt zu den besten seiner Zunft – es gibt aber gelegentlich auch eine andere Seite.

Die zeigte sich am Mittwoch, als er mit seinem Team zum Halbfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Alba Berlin antrat. Mit 29 Punkten Differenz hatten die Oldenburger den ersten Vergleich am Montag verloren; an ein Wunder glaubte niemand mehr. Auch nicht Rasid Mahalbasic. Der hatte nach dem desillusionierenden 63:92 angekündigt, zumindest das Gesicht wahren und sich hernach bei der Liga für das Turnier bedanken zu wollen. Angesichts von sieben Punkten Rückstand zur Halbzeit entschied sich der Österreicher Mahalbasic, kurz nach Beginn der zweiten Spielhälfte rasch seine persönlichen Fouls vier und fünf einzusammeln und so vom weiteren Mitwirken befreit zu werden.

Die offensichtliche Unzufriedenheit des bulligen 29-Jährigen war symptomatisch für die EWE Baskets, die beim 59:81 zum zweiten Mal in dieser Woche arg unter die Räder kamen.

Nach dem umjubelten Gruppensieg gegen Bayern München – der Titelverteidiger strich danach schon im Viertelfinale die Segel – und den souveränen Erfolgen gegen Brose Bamberg in der ersten Playoffrunde wähnten sich die Oldenburger in aussichtsreicher Position, um endlich ihr Alba-Trauma zu überwinden.

Das allerdings hat nun eine neue Dimension erreicht, wenngleich die besonderen Umstände des Turniers die Saison in speziellem Licht erscheinen lassen. Wieder einmal war im entscheidenden Moment gegen Berlin nichts zu holen, viel mehr noch: Die Oldenburger wirkten wie ein Gegner auf deutlich niedrigerem Niveau.

Nach der Rückkehr vom Turnier in München werden sich die Spieler nun wie gewohnt rasch zerstreuen, bevor es im August weitergeht.

Nur: Wie wird es weitergehen? Die Saison 2020/2021 ist mit vielen Fragezeichen behaftet, die mutmaßlich noch längst nicht alle kurzfristig aufgelöst werden können. In Zeiten der Corona-Beschränkungen weiß niemand, in welchem Umfang zum Saisonstart wieder Zuschauer zugelassen sein werden – und wann die neue Spielzeit überhaupt losgehen kann, ist auch noch nicht gewiss.

Dementsprechend gibt es in Sachen Personal wenig Klarheit, ebenso wenig wie in der Frage, ob die Baskets in der europäischen Champions League antreten dürfen.

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Kommentar von Torben Rosenbohm

Die EWE Baskets vermochten beim besonderen Turnierformat zuweilen zu begeistern. Das Halbfinale war aber eine Ernüchterung.

Gewiss waren die EWE Baskets Oldenburg im Halbfinale um die Deutsche Basketball-Meisterschaft gegen Alba Berlin nicht in der Favoritenrolle. Die Hauptstädter sind dank ihrer Euroleague-Erfahrung und ihrer spielerischen Klasse der Topanwärter auf den Titel.

Dass die Oldenburger aber so arg unter die Räder kommen würden, war auch nicht vorauszusehen. Gegen die Berliner unter Trainerfuchs Aito Garcia Reneses waren die Schützlinge von Mladen Drijencic erschütternd chancenlos und ergaben sich schon im ersten Spiel phasenweise wehrlos ihrem Schicksal.

Ein Platz unter den ersten Vier in der Liga, das Erreichen der Runde der besten 16 im Eurocup und die Finalteilnahme im BBL-Pokal dürfen als Erfolg zählen – doch die Verantwortlichen müssen jetzt die richtigen Schlüsse ziehen, bevor ein böses Erwachen folgt. Der Kader benötigt eine deutliche Auffrischung.


 

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