Kebba Badjie darf vom Profifußball träumen

VON FABIAN SPECKMANN

Beim VfL Oldenburg machte Kebba Badjie seine ersten Schritte im Herrenfußball. Heute spielt er für Werder Bremen und hat schon mehrfach mit den Profis trainiert. BILD: SPECKMANN

Oldenburg/Bremen. – Es gibt wohl kaum einen kleinen Jungen, der nicht irgendwann mal davon träumt, später als Profi Fußball zu spielen. Kebba Badjie träumte ebenfalls davon, schon als er im Kindesalter in den Straßen von Serekunda mit seinen Freunden dem Ball hinterhergejagt ist. Mit großer Leidenschaft, denn Fußball, sagt der bald 21-Jährige, sei schon immer sein liebstes Hobby gewesen. Zum Glück!

Die schönste Nebensache der Welt ist heute sein Beruf, vielmehr allerdings hat der Fußball dem jungen Gambier den Start in sein neues Leben erleichtert. Als 14-Jähriger, kaum ein Jugendlicher, hat Kebba Badjie die Kleinstadt an der Grenze zum Senegal verlassen. Über die Gründe für seine Flucht mag er nicht sprechen. „Sei mir nicht böse, aber der Gedanke an diese Zeit macht mich traurig“, erklärt der junge Fußballer im Gespräch und senkt den Blick. Das ihm sonst eigene Lächeln ist verschwunden. Allerdings nur kurz, denn wenn es um Fußball geht, strahlen seine Augen und das Lächeln kehrt zurück.

Straße statt Akademie

Dabei hat die junge Karriere von Kebba Badjie nicht einmal entfernte Ähnlichkeit mit jener sportlichen Ausbildung, die das Gros seiner Mitspieler im Regionalliga-Kader von Werder Bremen durchlaufen hat. Während sie teils seit frühester Kindheit in den Nachwuchsmannschaften des Bundesligisten geschult, spätestens aber in der frühen Jugend in die Werder-Akademie geholt wurden, wurde der seinerzeit noch knapp 14-jährige Flüchtling aus einem ganz anderen Grund 2015 beim Bremer SV vorstellig. „Ich war ja neu in Deutschland und habe gedacht, dass ich vielleicht beim Fußball leichter die Menschen kennenlernen und die Sprache erlernen kann“, erinnert er sich an seine Anfänge am Bremer Panzenberg.

Diese Idee sollte sich als goldrichtig erweisen. Einmal davon abgesehen, dass Kebba Badjie längst hervorragend Deutsch spricht, lernte er beim Bremer SV auch Dorian Willms kennen. Der damalige Trainer der U19 des BSV staunte nicht schlecht ob der fußballerischen Klasse des jungen Gambiers. „Sein Talent war gar nicht zu übersehen. Kebba hat alles. Er ist sehr schnell, hat eine gute Spielübersicht und kann einfach gut kicken“, erzählt Willms, der Kebba Badjie heute nicht nur beratend zur Seite steht, sondern längst auch ein guter Freund des jungen Fußballers geworden ist.

Heute steht Kebba Badjie an der Schwelle zum Profitum. Am liebsten würde er für Werder über den Rasen des Weserstadions dribbeln. „Bremen ist meine zweite Heimat geworden. Ich lebe hier unheimlich gerne und fühle mich rundum wohl“, sagt er. Doch sein Weg könnte ihn auch aus der Hansestadt wegführen. Clubs aus der zweiten und dritten Liga haben bei Dorian Willms angeklopft, um sich über Badjie zu erkundigen. „Mit seinen Leistungen hat Kebba sich natürlich in den Fokus gespielt, aber er hat noch Vertrag und Werder ist natürlich sein erster Ansprechpartner“, sagt der gut vernetzte Berater.

Ehrgeiz und Talent

Dass Badjie den Sprung in die Regionalliga geschafft hat, ist gleichwohl kein Zufall. „Kebba hat die richtige Einstellung. Er ist von Jahr zu Jahr ehrgeiziger geworden, ja, ich würde sagen, er hat heute die Mentalität eines Profis“, sagt Willms. Kein Wunder, denn der Weg vom Bremer Panzenberg auf Platz 11, wo die Reserve spielt, war steinig.  Als A-Jugendlicher spielte Kebba Badjie erst in der Regionalliga für den Blumenthaler SV, dann für den Niendorfer TSV in der Bundesliga. Stress pur, denn Kebba Badjie drückte nicht nur die Schulbank, sondern machte auch diverse Praktika. „Ich habe im Einzelhandel gearbeitet, als Postbote, Altenpfleger und in der Gastronomie.“ Freizeit? Fehlanzeige! „Ich bin aus der Schule oder dem Praktikum praktisch direkt in den Zug gestiegen und zum Training nach Hamburg gefahren.“

Den nächsten Schritt seiner fußballerischen Entwicklung sollte er dann allerdings in Oldenburg tun, denn Badjie wechselte zum damaligen Regionalligsten VfL – ein Glücksfall. „Ich wusste nach der ersten Trainingseinheit, dass wir den Jungen holen müssen“, erinnert sich Dario Fossi, seinerzeit Trainer des VfL. Aufmerksam verfolgt er auch weiterhin die Entwicklung seines einstigen Schützlings, dessen Verpflichtung erst nach einigem Tauziehen möglich wurde.

Am 9. September 2018, ausgerechnet im Derby gegen den VfB, feierte Kebba Badjie seine Premiere im VfL-Trikot. „Es war super, ich kam auf den Platz und da waren die vielen Fans vom VfB, die tolle Stimmung gemacht haben“, erinnert er sich. Nur eine Woche später stand das nächste Derby an, der VfL musste zum SSV Jeddeloh. „Ich habe um 6 Uhr bei Rossmann im Lager angefangen, bis 13 Uhr gearbeitet und musste um 14 Uhr in Jeddeloh sein. Das war echt stressig“, erinnert sich Badjie lachend. Immerhin, er wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Kurz darauf, im Spiel gegen Hannover 96 II, erzielte er sein erstes Tor für den VfL. Acht weitere sollten folgen. Genug, um für Werder und andere Clubs interessant zu sein.

Genau das ist der junge Fußballer auch jetzt wieder. Er lebt seinen Traum und tut alles dafür, um sich im Profifußball zu etablieren. „Er kann es packen. Eigentlich hätte er bei Werder schon eine Chance oben bekommen müssen“, sagt Dario Fossi.


 

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