Fehlende Überzeugung

VON FABIAN SPECKMANN

Alexander Kiene ist es immer gelungen, seiner Mannschaft eine klare Spielidee mitzugeben. Der Fußballehrer wird Oldenburg verlassen, weil er den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere machen möchte. Foto: Speckmann

OLDENBURG. Der VfB Oldenburg ist auf Trainersuche. Mal wieder, möchte man doch direkt anmerken, immerhin hat der Traditionsverein seit 2010 bereits zehn Trainer im Hauptamt beschäftigt. Alexander Kiene, dessen Demission in dieser Woche offiziell verkündet wurde, wird der erst zweite Übungsleiter sein, der nicht vorzeitig gehen muss. Das war in dieser Dekade bislang nur Alexander Nouri gelungen.

Die aktuelle Personalie ist fraglos eine besondere. Die Corona-Auszeit hat zur Folge, dass die Arbeit des Fußballlehrers aus Hannover in Gänze kaum zu beurteilen ist. Knapp 1,5 Punkte generierten die Oldenburger unter Anleitung des 42-Jährigen. Sie gingen nach zehn Spielen als Sieger vom Rasen, teilten viermal die Punkte und kassierten insgesamt neun Niederlagen. Eine Bilanz, die knapp dem Mittelwert (1,54 Punkte) der letzten zehn Trainer entspricht. Deutlich besser punkteten in der Nach-Zinnbauer-Ära lediglich Andreas Boll (1,7), Alexander Nouri (1,78) und Predrag Uzelac (1,81), die zudem alle im Verlauf einer Saison das Amt übernommen hatten.

In der Auswertung fällt auf, dass die Oldenburger im Marschwegstadion (9 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen) deutlich besser punkten konnten als auswärts (3/2/7). Vor allem defensiv zeigte der VfB in der Fremde Probleme. Während die Blauen zuhause in elf Spielen lediglich 14 Gegentreffer zuließen, schlug es in zwölf Auswärtsspielen 28 Mal ein. Eine höchst durchwachsene Bilanz, das zeigt auch die Tabelle. Mittelmaß im Mittelfeld.

Dabei wird dem Kader zweifelsfrei das Potenzial für ein deutlich besseres Abschneiden attestiert. Davon ist auch Alexander Kiene überzeugt. „Wir sind gut in das Jahr gestartet, hatten einen sehr guten Teamspirit und einen intensiven Konkurrenzkampf. Ich bin total davon überzeugt, dass wir noch viel erreicht hätten,“ sagt der Trainer, dem die Fantasie für eine Fortsetzung der Saison derzeit fehlt. Seine Arbeit bleibt folglich unvollendet.

Platz fünf zu erreichen wäre sicher so unmöglich nicht gewesen, zudem stehen die Oldenburger im Landespokal-Halbfinale. Die machbare Qualifikation hätte aus einer durchschnittlichen unbedingt eine richtig gute Saison werden lassen. Doch es greift der Konjunktiv.

Alexander Kiene selbst spricht davon, eine gute Basis geschaffen zu haben. In der Tat ist es dem Fußballlehrer und seinem Trainerteam gelungen, der Mannschaft eine Idee zu vermitteln. In jedem Spiel hatten die Blauen einen Plan. Nicht immer konnte die Mannschaft ihn allerdings umsetzen.

Den auslaufenden Kontakt nicht zu verlängern, ist fraglos auch der Tatsache geschuldet, dass beidseitig die Überzeugung dafür gefehlt hat.

Hier der ehrgeizige Fußballlehrer Alexander Kiene, getrieben auch von dem Ziel, sich im Profifußball zu etablieren. Er wolle den nächsten Schritt in seiner Karriere machen, sagt der Realschullehrer. Diesen auch beim VfB zu tun, daran glaubte er offenkundig nicht. 

Doch auch die Entscheider des VfB haben in der Bewertung klar für eine Nicht-Verlängerung votiert. Auch das ist nachvollziehbar. Langfristige Verletzungen wurden wiederholt durch erfahrene Nachverpflichtungen kompensiert (Matern, Bytyqi, Startsev), dennoch gelang es nicht, sich konstant im ersten Tabellendrittel zu etablieren. Auch hinsichtlich der Talentförderung hatten sie sich mehr erhofft. Dass es etwa nicht gelang, den vormaligen Oberliga-Torschützenkönig Justin Dähnenkamp nachhaltig zu integrieren, darf durchaus als kleiner Makel gelten.

Dennoch überwiegen in der Bewertung der unvollendeten Saison des VfB Oldenburg unter Alexander Kiene die positiven Aspekte. Der Fußball, den er hat spielen lassen, war mehrheitlich sehenswert. Vor allem im Marschwegstadion konnten die Blauen immer wieder überzeugen. Eine so gute Chance, den DFB-Pokal zu erreichen, hatte der VfB lange nicht, auch wenn offen ist, ob und wie der Wettbewerb zu Ende gespielt werden kann. Das taugt in der Summe sicher auch zur Referenz für einen immer freundlichen und verbindlichen Fußballlehrer, dem zu gönnen wäre, dass er seine Arbeit beim VfB Oldenburg doch noch beenden könnte.


 

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