Einigkeit besteht nur in der Uneinigkeit

VON FABIAN SPECKMANN

Derzeit ist vollkommen offen, ob und wann der Spielbetrieb in der Regionalliga - hier eine Szene aus dem Hinspiel des VfB Oldenburg gegen den SSV Jeddeloh - fortgesetzt werden kann. Eine einheitliche Regelung steht aus. BILD: SPECKMANN

OLDENBURG – Die Profis wollen wieder kicken und sie sollen auch wieder kicken. Zumindest sieht es ganz danach aus, als werde die Politik Bundesliga-Fußball erlauben.
In Zeiten der Pandemie wird ohne Fans gespielt. Halb so wild, denn es geht in erster Linie um jene Millionen Euro, mit denen die Fernseh-Sender den Berufsfußball am Leben erhalten. Doch wann dürfen eigentlich die Amateure wieder auf den Rasen? Und wollen sie überhaupt? Nicht unbedingt oder doch? Einigkeit herrscht bei den Verbänden nämlich nur in einem Punkt: der Uneinigkeit.
Während in Bayern zwei Drittel der Vereine für eine Aussetzung der Saison bis zum 31. August und eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab 1. September gestimmt haben, dürfen in Nordrhein-Westfalen die Landesverbände eigenständig entscheiden. In Niedersachen wiederum will die große Mehrheit der Clubs diese Saison nicht mehr zu Ende spielen.
Eine Umfrage des Niedersächsischen Fußball-Verbandes hat ergeben, dass 68 Prozent für einen Saisonabbruch votiert haben. Zweierlei ist dabei allerdings erschreckend: Das klare Votum hat derzeit keine erkennbaren Konsequenzen, und  von insgesamt 2.600 Vereinen haben lediglich 1.649 ihre Meinung kundgetan.
Wie es weitergeht? Das ist offen! Die Verbandsidee, den Ist-Stand „einzufrieren“ und die Saison ab Herbst dann zu beenden, scheint sich nicht durchzusetzen.
Eine finale Entscheidung, wie es ein Abbruch wäre, setzt ohnehin das Votum eines Verbandstages voraus. Zu einem solchen Treffen muss allerdings laut Satzung zehn Wochen zuvor eingeladen werden. Aktuell wäre ein außerordentlicher Verbandstag also frühestens im Juli möglich - nach dem offiziellen Ende der Spielzeit.
Unbetrachtet bleibt dabei allerdings die Saison in der Regionalliga-Nord, in der Vereine aus den Landesverbänden Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein spielen. „Das Vorgehen ist nicht schlüssig“, kritisiert Gerhard Meyer, Geschäftsführer des SSV Jeddeloh, die Verbandspläne, denn: „Man kann nicht von unten nach oben denken, sondern muss es umgekehrt tun. Es geht ja grundsätzlich auch um die Frage, ob es Auf- und Absteiger geben wird. Angenommen, ein Verein steigt aus der Regionalliga ab und die Oberliga pausiert bis Herbst, wie soll das funktionieren?“
Es sei deshalb zwingend notwendig, einheitliche Regelungen zu treffen. „Das muss alle fünf Regionalligen umfassen. Es kann ja nicht sein, dass man in Nord oder West abbrechen wird, in Bayern aber im Herbst weiterspielen will.  Hier muss es auch eine Abstimmung mit den Profiligen geben“, so Meyer, der sich ausdrücklich für einen sofortigen Abbruch der laufenden Spielzeit ausspricht.
Das würde man vermutlich auch in Lübeck so sehen, eine Wertung inklusive, immerhin geht es um den direkten Aufstieg in die 3. Liga. „Grundsätzlich warten wir ab, welche Lösungswege der NFV den Vereinen vorschlägt und beteiligen uns im Vorwege nicht an den ganzen Spekulationen. Aber nach allem, was man allgemein auch über die weiteren Regelungen weit über den Fußball hinaus hört und liest, kann derzeit kein Mensch verlässlich sagen, wann Regionalligafußball wieder möglich sein wird“, sagt Florian Möller, Geschäftsführer des Regionalliga-Tabellenführers.
Es gebe Stimmen, die sagen, dass in diesem Kalenderjahr kein Regionalliga-Fußball mehr gespielt werde. „Wenn dem so ist, glaube ich, dass eine Fortsetzung der Saison erst im Februar 2021 wenig Sinn ergibt. Das hat mit dem, was wir im Juli 2019 begonnen haben, nichts mehr zu tun. Arbeitsrechtliche und wirtschaftliche Aspekte - Vereine hätten über eineinhalb Jahre vielleicht nur fünf Heimspiele -  sind da noch völlig ausgeklammert“, sagt Florian Möller.
Klar ist also, dass erstmal fast nichts klar ist, denn eine einheitliche Regelung scheint weit entfernt. Geschaffen werden könnte sie auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag. Selbiger wurde am Freitag terminiert. Der Bundestag wird am 25. Mai 2020 (ab 13 Uhr) stattfinden und soll wegen der aktuellen Corona-Pandemie erstmals virtuell durchgeführt werden. Das heißt, dass alle 262 Delegierten von überall aus in digitaler Form teilnehmen und auch ihr Stimmrecht ausüben können.
In einer Veröffentlichung des DFB heißt es zudem: „Im Vordergrund des DFB-Bundestages stehen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den deutschen Fußball. Es wird daher Beratungen und Beschlussfassungen über die Durch- und Fortführung beziehungsweise den möglichen Abbruch von DFB-Spielklassen einschließlich der erforderlichen Entscheidungen über Auf- und Abstieg und die gegebenenfalls notwendigen Änderungen der Statuten geben. Zu den DFB-Spielklassen zählen die 3. Liga, die FLYERALARM Frauen-Bundesliga, die 2. Frauen-Bundesliga sowie die B-Juniorinnen-Bundesliga und die beiden Junioren-Bundesligen.“ Und weiter: Auch über wirtschaftliche und weitere spieltechnische Auswirkungen auf den Spielbetrieb wird beraten. Zudem soll es einen Beschluss über Haftungsbeschränkungen für die gesetzlichen Vertreter, Organe und Ausschussmitglieder des DFB geben.
Bis dahin gilt: Einigkeit herrscht nur in der Uneinigkeit.


 

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