Wer wird Corona-Meister?

Von Torben Rosenbohm

Ob Oldenburgs Center Rasid Mahalbasic (mit Ball) in dieser Saison doch noch einmal antreten darf? Die Liga möchte die Saison mit zehn Clubs zu einem Ende bringen. Am Ende entscheiden die Behörden und die Politik. BILD: ARCHIV

OLDENBURG – Mehrere Stunden am Stück hatten sich die Club-Verantwortlichen am vergangenen Montag per Videokonferenz zusammengeschaltet, um über das weitere Vorgehen in der Basketball-Bundesliga zu sprechen. Nach intensivem Austausch stand fest: Zehn Teams wollen weiterspielen, sieben aussteigen. Hinter den Kulissen herrscht nun rege Betriebsamkeit.

Am Montag möchte die BBL in Köln bekanntgeben, an welchem Standort die Saison 2019/2020 zu einem Ende gebracht werden soll. Denn das war eines der Ergebnisse der Debatten: Um ein Umherreisen der Teams zu vermeiden, werden die zehn verbliebenen Mannschaften (München, Ludwigsburg, Crailsheim, Berlin, Oldenburg, Vechta, Bamberg, Göttingen, Ulm und Frankfurt) laut den Plänen in einer Stadt zusammengezogen.

In dann zwei Gruppen mit jeweils fünf Clubs spielt jeder einmal gegen jeden, hernach folgen die abgespeckten Playoffs mit Viertelfinale, Halbfinale und Finale. Details zum Modus dürften ebenfalls bis Montag vorgelegt werden. Zum großen Ganzen gehört selbstredend auch ein Sicherheits- und Hygienekonzept, denn trotz der Konzentration auf einen Spielort gilt es, allerlei zu beachten.

Die Teams dürften sich beispielsweise nur in ihrem jeweiligen Hotel und in der Spielhalle aufhalten; nicht auszudenken, was passieren würde, wenn sich doch einer der Spieler oder Team-Begleiter mit dem Corona-Virus infiziert.

Über die möglichen Spielorte wird aktuell eher hinter vorgehaltener Hand gesprochen; Ulm, München, Frankfurt, Berlin kommen wohl in Frage – und kurzzeitig dachte man das auch über Oldenburg. Hermann Schüller, Geschäftsführer der EWE Baskets, hatte eine Bewerbung zunächst mit Blick auf Hotelkapazitäten ausgeschlossen, dann aber doch Oldenburg ins Spiel gebracht. Mit den beiden Arenen auf dem Weser-Ems-Hallen-Gelände wären die Voraussetzungen für das außergewöhnliche Projekt zumindest nicht die schlechtesten – am Donnerstag folgte die Kehrtwende, Oldenburg bewirbt sich nicht.

Für die anderen sieben Clubs ist die Saison in der Basketball-Bundesliga damit vorzeitig beendet – unter anderem auch für die Hamburg Towers, die vor der Corona-Unterbrechung auf dem letzten Platz rangierten. Die Hanseaten dürfen dennoch aufatmen: Die Liga hat beschlossen, dass es keinen Absteiger gibt. Denkbar also, dass die Saison 2020/2021 mit 19 Clubs startet, denn sowohl Bremerhaven, als auch Chemnitz erwarben das sportliche Aufstiegsrecht. Angesichts der vielen Unwägbarkeiten in der aktuellen Krise ist der Blick auf die kommende Saison indes noch sehr nebulös.

Ob denn die Saison nun wirklich noch zu einem Ende gebracht werden kann, liegt unterdessen nicht in den Händen der Clubs. Denn: Die Liga wird ein stichhaltiges Konzept vorlegen, die finale Entscheidung aber obliegt den Behörden beziehungsweise der Politik. Damit befindet sich die Basketball-Bundesliga in einem Boot mit der Fußball-Bundesliga.

Kommentar von Torben Rosenbohm

Die Basketball-Bundesliga will die Saison beenden. Ob das eine gute Idee ist?

Zehn Teams, ein Spielort und am Ende tatsächlich ein Deutscher Meister: Die Basketball-Bundesliga möchte in der Krise einen ungewöhnlichen Weg einschlagen. Während für sieben Clubs die Saison endet, teilt sich der Rest in zwei Fünfer-Gruppen auf – eine Bundesliga „light“, die den Fans via Bildschirm in die Wohnzimmer transportiert werden soll.

Der sportliche Wert des Ganzen ist zweifelhaft, der Titelträger wird sich auf ewig damit arrangieren müssen, diese Trophäe eher verschämt vorzuzeigen. Hinzu kommen allerlei organisatorische Fragen, die sich in diesen überaus außergewöhnlichen Zeiten kaum alle beantworten lassen. Und was passiert, wenn tatsächlich auch nur ein Beteiligter während des Turniers trotz aller Vorkehrungen an Corona erkrankt? Ein Abbruch des gesamten Projekts wäre die einzig logische Folge – mit allen Nebenwirkungen.

So sehr die Verantwortlichen grundsätzlich für kreative Ideen zu respektieren sind, so groß der Reiz der Rückkehr von Sport auf die Bildschirme sein mag – es bleibt ein unbehagliches Gefühl, warum hier Sonderrechte eingeräumt werden sollten.


 

Liveticker

Gemeinsam im Nordwesten

Weitere interessante Artikel

SSV-Kader nimmt Formen an

Jeddeloh. Die Fußballer des SSV Jeddeloh schalten zunehmend in den sportlichen Alltagsmodus. Zwar  steht die laufende Regionalliga-Spielzeit vor dem Abbruch, doch die Verantwortlichen ...

Torjäger stürmt zurück ins VfB-Trikot

Oldenburg. „Wir fühlen uns in Oldenburg unglaublich wohl. Unsere Tochter Esmée ist hier geboren worden, deshalb war eigentlich sehr früh klar, dass wir gerne hier bleiben und ...

Der kurze Weg zum Titel

OLDENBURG – Es wird trainiert, die nächsten Gegner stehen fest, die Konzentration gilt in Kürze wieder dem jeweils nächsten Spiel – und doch ist alles anders, wenn die ...

Basketballer setzen Saison fort

Erleichterung bei den Verantwortlichen der Basketball Bundesliga: Die bayerische Staatsregierung hat grünes Licht gegeben für das Finalturnier um die Deutsche Meisterschaft. Somit ...