Friesland

Stadt gibt der Diakonie erneut einen Korb

geschrieben von Michael Tietz

Die ersten Mauern stehen schon, aber der Frost gebietet dem Baufortschritt in diesen Tagen Einhalt: Geplant war die Eröffnung zum Beginn des neuen Kitajahres Anfang September, durch die anhaltende Winterzwangspause ist aber mit einer Verzögerung zu rechnen. Foto: Michael Tietz

Kita Meischenstraße in kommunaler Trägerschaft – Nächster Neubau dann in Obenstrohe


VAREL.

Die Stadt Varel wird auch die neue Kita, die derzeit an der Meischenstraße gebaut wird, selbst betreiben. Diesem Vorschlag der Verwaltung folgte am Montag der Ratsausschuss für Familien und Soziales einstimmig. Damit erteilte das Gremium der Diakonie Varel zugleich erneut eine Absage: Die hatte sich nämlich als künftige Trägerin für die Kita, in der ab Herbst dieses Jahres bis zu 95 Krippen- und Kindergartenkinder betreut werden sollen, beworben.


Doch wie schon vor zwei Jahren bei der damals neu errichteten Kita an der Neudorfer Straße in Büppel hieß es nun von Seiten der Stadt sinngemäß: „Nein danke, machen wir selbst.“


Dabei wird die Diakonie zumindest übergangsweise sowieso in die städtische Einrichtung einziehen, weil nämlich die Kita Meischenstraße die Kinder aus der Diakonie-Einrichtung „Zum Guten Hirten“ aufnehmen wird, der im nächsten Jahr teilweise abgebrochen und neu aufgebaut werden soll (wir berichteten). Und nun hätte die Diakonie die neue Kita eben nicht nur übergangsweise, sondern dauerhaft in eigener Regie betrieben, dabei auch eigene Vorstellungen von Raumkonzept und inhaltlicher Ausrichtung eingebracht. Das diakonische Werk betreibt in Varel bislang drei Einrichtungen, die Kita „St. Michael“ in Obenstrohe, „St. Martin“ in Dangastermoor sowie die Kita „Zum Guten Hirten“ mitsamt Außenstelle in Büppel die größte Kinderbetreuungseinrichtung in Varel.




Ende November hatte Diakonie-Geschäftsführer Jörg Peters in einem Brief an die Stadt den Wunsch formuliert, die neue Kita in die Trägerschaft der Diakonie zu geben. Für die Ratsvertreter im Ausschuss stand die Vergabe der Betriebsführung aber gar nicht zur Debatte, das sei im übrigen zu keinem Zeitpunkt erwogen worden.


Jörg Peters wies in der Sitzung darauf hin, seitens der Diakonie bestehe zunehmend das Gefühl, „dass wir nicht mehr gewollt sind“. Man habe mit Bedauern die entsprechende Beschlussvorlage zur Kenntnis genommen,. Nach einer Aufsichtsratssitzung bei der Diakonie sei Peters mit der Botschaft in die Sitzung entsandt worden, dass nur mit einem langfristigen Vertragsabschluss das Bauvorhaben für den Guten Hirten in Angriff genommen werden könne. Peters sprach von einem „eklatanten Vertrauensverlust“.


Der Ausschussvorsitzene Heinz-Peter Boyken betonte, es liege in der Natur der Sache, dass der Bauherr auch den ersten Zugriff auf den Betrieb der Einrichtung habe. Hergen Eilers (CDU) sprach von einem „Missverständnis“, offenbar sei die Tatsache, dass die Stadt auch in der Meischenstraße selbst die Trägerschaft anstrebe, nicht deutlich kommuniziert worden. Selbstverständlich strebe man auch künftig eine gute Zusammenarbeit mit der Diakonie an, so Eilers.
Tatsächlich aber ist das Verhältnis zwischen Stadt und Diakonie aber schon seit geraumer Zeit belastet. Die Stadt hatte mit Blick auf die Situation im „Guten Hirten“, dessen Sanierungsbedarf seit Jahren bekannt ist, immer wieder vertröstet, sich zunächst auf die eigenen Neubauten der Kitas Am Wald und An der Wiese konzentriert. Der Neubau der Kita in Büppel war dabei um ein Jahr herausgezögert worden, ursprünglich hatten beide Einrichtungen zeitgleich gebaut werden sollen.


Jörg Peters verwies in der Sitzung auf einen Grundsatz, nach dem die Kommunen nur dann selbst als Betreiber auftreten sollten, wenn kein freier Träger (wie die Kirchen) bereit stünde. Ein Investor-ungleich-Betreiber-Modell sei doch „übliche Praxis“, so Peters. Fachbereichsleiter Wilfried Alberts führte dazu aus, dass sich aus dem Grundsatz der sogenannten Subsidiarität aber keine Pflicht der Stadt ableiten lasse, die Trägerschaft abzugeben.


Bürgermeister Gerd-Christian Wagner betonte, die Stadt habe mit nunmehr drei Einrichtungen in eigener Verantwortung „in eine neue Rolle gefunden“, hier könnten mit einer vierten Kita künftig weitere Synergieeffekte genutzt werden. „Das wäre auch für uns der vierte Kindergarten in Varel, die Argumentation gilt also für beide Seiten“, erwiderte Jörg Peters.


Bürgermeister Wagner erklärte, zudem sei bei einer Vergabe an einen anderen Träger ein „transparentes Verfahren“ anzuwenden, um auch anderen die Chance einzuräumen. Man könne überdies sicher ins Gespräch kommen, wenn es demnächst um den Neubau einer weiteren Kita in Obenstrohe gehe, so Wagner an die Adresse der Diakonie.




Der nächste Neubau ist für Obenstrohe geplant


Denn der Bedarf für (mindestens) eine weitere Betreuungseinrichtung in Varel ergibt sich aus den Kinderzahlen: Der Friebo berichtete bereits Ende Oktober über den Vorschlag, eine zusätzliche Einrichtung mit fünf Gruppen in Obenstrohe einzurichten.


Aus dem Ausschuss kam dabei die Anregung, Gruppen in Krippen und Kindergarten so einzuplanen, dass ein Verbleib der Kinder in derselben Einrichtung möglich sei. Wilfried Alberts erklärte, dass zuletzt mehr Krippen- als Kindergartenplätze geschaffen werden mussten, um den steigenden Bedarf abdecken zu können. In der Folge hatten Kinder aber häufig die Einrichtung wechseln müssen, wenn sie von der Krippe in den Kindergarten aufgerutscht sind.


Bereits für das kommende Kitajahr 2021/2022 ist nach Angaben von Wilfried Alberts erneut mit einem Engpass im Bereich der Krippenbetreuung zu rechnen, der erst mit der Fertigstellung des Neubaus „Zum Guten Hirten“ beendet sein wird, also ein Jahr später. Und dann zeichnet sich weiterer Bedarf für bis zu fünf Gruppen ab. Zur Erfüllung des Rechtsanspruchs der Familien auf einen Krippen- sowie auf einen Kindergartenplatz müsse eine weitere Einrichtung bis zum Jahr 2024 geschaffen sein, heißt es abschließend.


Kitas in Varel: Platz für mehr als tausend Kinder

Im Kindergartenbereich werden in insgesamt acht Einrichtungen in Varel derzeit insgesamt 766 Plätze angeboten, davon sind:

437 Vormittagsplätze (davon derzeit 422 vergeben)

177 Ganztagsplätze (davon 176 vergeben)

152 Nachmittagsplätze (davon 114 vergeben)


Für Kinder im Alter von unter drei Jahren stehen in neun Krippen in ganz Varel insgesamt 241 Plätze zur Verfügung:

211 Vormittagsplätze

(davon 204 vergeben) sowie

30 Ganztagsplätze (davon sind 28 vergeben)


Grundsätzlich stagniert die Zahl der jährlich in Varel geboren Kinder mit leicht abnehmender Tendenz, bei den Kindergärten gibt es bereits eine Inanspruchnahme von nahe 100 Prozent.
Problematisch ist die Tatsache, dass Nachmittagsplätze kaum nachgefragt werden, der Bedarf an Ganztagsbetreuung aber zunimmt.

Die sichere Planung bei der Vergabe von Kindergartenplätzen wird erschwert durch die sogenannten Flexikinder, die zwischen Juli und Oktober geboren sind – hier können Eltern wählen, ob ihre Kinder eingeschult werden oder ein weiteres Jahr den Kindergarten besuchen sollen.

Bei Krippenkindern ist in den kommenden Jahren mit einem weiteren Hochlauf der Betreuungsquote zu rechnen, die Verwaltung geht von 80 Prozent aus, daraus ergibt sich mittelfristig der Bedarf für rund 360 Krippenplätze. Mit Fertigstellung des Neubaus „Zum Guten Hirten“ 2022 würde die Zahl der Krippenplätze auf 286 steigen. Der Fehlbedarf läge damit noch bei 74 Plätzen, das entspricht fünf voll ausgelasteten Regelgruppen.

 

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