Jade & Wesermarsch

Auch in der Krise wird im Jaderpark investiert

geschrieben von Michael Tietz

Hausbesuch auch bei den Giraffen: Minister Björn Thümler informierte sich bei den Jader­park-Chefs Horst, Andreas und Andy Ludewigt über die Situation des Parks nach gut einem halben Jahr Betrieb unter coronabedingten Einschränkungen. Foto: Michael Tietz

Minister Björn Thümler informiert sich bei Betreibern in Jaderberg


Jaderberg.
Genau 49 Tage mussten die Tore des Jaderparks im geschlossen bleiben, der Lockdown vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie kam obendrein noch zu einem für Erlebnisparks denkbar ungünstigen Zeitpunkt: „Sieben Wochen waren unsere Einnahmen auf Null, und das zu Saisonbeginn, über die Osterferien und den ersten Mai“, berichtete Andreas Ludewigt, Geschäftsführer des Tier- und Freizeitparks, jetzt anlässlich des Besuchs von Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler. Kurz vor Start in die Saison hat die Zwangsschließung die Familie Ludewigt und die Beschäftigen im Jaderpark voll erwischt.

„Wir haben die Zeit dann genutzt, um uns auf den Tag vorzubereiten, an dem wir wieder öffnen durften“, berichten die Brüder Horst und Andreas Lu­dewigt, „Material wie Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Trennwände bestellt, Hygienekonzepte entwickelt und etwa an den Fahrgeschäften bauliche Maßnahmen getroffen.“ Der Aufwand war enorm und hat noch zusätzliche Kosten verursacht in einer Zeit, in der die Einnahmen ausblieben. Teils wurde die Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. Doch bei Tierpflegern geht auch das nicht so ohne weiteres: „Die Tiere wollen auch versorgt werden, wenn keine Besucher da sind“, betont Juniorchef Andy Ludewigt. Insgesamt sind während der Hauptsaison etwa 75 Mitarbeiter im Park beschäftigt.

Inzwischen seien die Abläufe im Park weitgehend eingespielt, und die Besucher zeigen ganz überwiegend Verständnis für die Maßnahmen. „Wir haben in Absprache mit den Behörden einen guten Weg gefunden, zuletzt kommt es natürlich auch auf das Verantwortungsbewusstsein der Besucher an“, fasst Andreas Ludewigt zusammen. Im Park spiele sich vieles im Freien ab, die Spielscheune ist derzeit und bis auf Weiteres geschlossen.

Mit Einbußen von etwa 30 Prozent rechnen die Parkbetreiber in diesem Jahr, hinzu kommen die Extrakosten durch die Infektionsschutzmaßnahmen. Schulklassen, Gruppenausflüge, Seniorennachmittage – alles ausgefallen in diesem Jahr. Mithin gibt es erhebliche Ausfälle auch in der Gastronomie. Rund 250.000 Besucher zählte der Park im Schnitt in den vergangenen Jahren, 280.000 waren es im stärksten Jahr. Insgesamt sei die Zahl der Besucher über die Jahre kontinuierlich gestiegen, doch dafür müsse man stets am Ball bleiben, betonten die Lude­wigts, sprich: investieren. „Die Gäste wollen immer neue Attraktionen“, wissen die erfahrenen Unternehmer, die schon seit vielen Jahren im Schaustellergeschäft sind. „Und ob Fahrgeschäfte, Tieranlagen oder Spielplätze, das ist alles nicht von der Stange, sondern wird individuell für uns entwickelt und aufgebaut.“ Ist der Startschuss für eine neue Attraktion erst einmal gegeben, dauert es meist ein bis zwei Jahre, bis sie fertig ist – so ist derzeit eine Erweiterung der Erlebniswelt „Yellowstone Water“ bereits in Bau. „Stoppen lässt sich so eine Investition dann nicht mehr“, betonte Horst Ludewigt.

Kulturminister Björn Thümler zeigte sich beeindruckt von der Flexibilität, mit der man sich im Jaderpark auf den Pandemie-Betrieb eingestellt hat. Er wies auch auf die touristische Bedeutung der Einrichtung für den gesamten Kreis Wesermarsch hin.

Das Land Niedersachsen hatte im September ein Programm aufgelegt für Hilfszahlungen an Tierparks und Zoos. Insgesamt stehen dabei 20 Millionen Euro zur Verfügung, gedeckelt auf 800.000 Euro je Betrieb. Ein Antrag sei inzwischen aus Jaderberg bei der NBank eingegangen, sagte Andreas Lude­wigt, bislang aber noch kein Geld geflossen. Thümler empfahl den Betreibern darüber hinaus, Fördermöglichkeiten für die Tierpark-Planung zu prüfen.

Jubiläum im nächsten Jahr

Die Familie Ludewigt und das Tierpark-Team hoffen nun vor allem, dass in der kommenden Saison 2021 der Betrieb wieder weitgehend normal laufen kann. Schließlich will man im nächsten Sommer 25-jähriges Jubiläum feiern: 1996 übernahmen die Ludewigts den ursprünglich 1950 gegründeten Zoo und eröffneten ihn mit der Marke „Jaderpark“ neu. (Michael Tietz)

 

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