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Seegraswiesen im Wattenmeer dramatisch geschrumpft

geschrieben von Redaktion

Seegraswiesen – hier das Zwergseegras Zostera noltei – sind ein Schlüssellebensraum in Meeresgebieten weltweit. Foto: Herlyn/NLWKN

Nordseeküste. Wissenschaftler sorgen sich um die Seegraswiesen im Nordsee-Wattenmeer vor der niedersächsischen Küste: denn dieses für viele Arten wichtige Habitat ist nach einer nun ausgewerteten Erfassung im Jahr 2019 dramatisch zusammengeschrumpft. So beträgt die Gesamtfläche der im Jahr 2019 erfassten Seegraswiesen nach Mitteilung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nur noch 8,6 Quadratkilometer - das ist ein Rückgang um 77 Prozent im Vergleich zur der vorherigen Analyse im Jahr 2013.



Seegraswiesen seien ein Schlüssellebensraum in Meeresgebieten weltweit, heißt es in der Mitteilung. Sie bilden auf dem Meeresboden ein eigenes Habitat, das einen Schutz- und Nahrungsraum für Jungfische und Kleinlebewesen bietet, das Sediment stabilisiert und nicht zuletzt CO2 bindet.

Aufgrund ihrer grundlegenden Ökosystemfunktionen werden sämtliche Seegraswiesen im niedersächsischen Wattenmeer alle sechs Jahre auf Flächenausdehnung, Bewuchsdichte und Artenzusammensetzung untersucht. Die Auswertung der letzten vom NLWKN und der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer (NLPV) gemeinsam beauftragten Erfassung habe nun einen "alarmierenden Zustand" aufgezeigt: Die Gesamtfläche der Seegraswiesen umfasste nun noch 8,6 Quadratkilometer - sechs Jahre zuvor waren es noch knapp 38 Quadratkilometer. Damit sei der ökologische Zustand bzw. das ökologische Potenzial des Gesamtbestandes aller Seegraswiesen im niedersächsischen Wattenmeer dem Bewertungssystem der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zufolge als „schlecht“ anzusehen, so das Fazit der Experten.


Im Wattenmeer der Nordsee kommen zwei Seegrasarten vor, das Zwergseegras (Zostera noltei) und das seltenere Echte Seegras (Zostera marina). Beide Arten bilden sogenannte Seegraswiesen, die im Wattenmeer bis Ende der 1920er Jahre sowohl im Gezeitenbereich als auch untergetaucht in den Prielen große Bereiche einnahmen. Durch einen Pilzbefall und ungewöhnliche Wetterbedingungen starben zu Beginn der 1930er Jahre die Bestände im Unterwasserbereich völlig ab und konnten sich bis heute nicht wieder regenerieren. Der Pilzbefall betraf das Echte Seegras im Besonderen, sodass dieses auch heute noch wesentlich seltener ist als das Zwergseegras.
In den 1970er Jahren gingen die Seegräser auch im Gezeitenbereich dramatisch zurück, erst in den Niederlanden, dann auch an der niedersächsischen Nordseeküste. Die Bestände im nördlichen Wattenmeer waren davon weniger betroffen. „Als eine der wichtigsten Gefährdungsursachen gilt bis heute die Überdüngung der Küstengewässer“, erklären Kerstin Kolbe und Dr. Marc Herlyn, als für die Projektleitung zuständige Mitarbeiter beim NLWKN. Diese Belastung fördert Mikroalgen, die auf Seegrasblättern wachsen, ebenso wie Grünalgen, die Seegrasbestände überwuchern können. Bei zu starkem Bewuchs wird den Seegräsern buchstäblich das Licht genommen, sodass es zu einem Verfall der Seegraswiesen kommt. Außerdem werden die Seegraspflanzen durch hohe Stickstoffkonzentrationen direkt geschwächt und dadurch anfälliger für Pflanzenkrankheiten.


Bei den Erfassungen in den Jahren 2000 bis 2002, 2008 und 2013 hatten sich für die niedersächsischen Seegraswiesen noch stark positive Trends gezeigt mit einem Anstieg auf zuletzt 37,6 Quadratkilometer Gesamtfläche. „Der nun mit den Daten aus 2019 festgestellte stark rückläufige Trend ist alarmierend“, stellt Benedikt Wiggering fest, der bei der Nationalparkverwaltung das Thema Biodiversität bearbeitet. Aufgrund der bisherigen Datenlage sei nicht festzustellen, welchen Anteil die genannten und weitere potenziell bestandsreduzierende Einflussgrößen (wie bspw. Effekte der globalen Klimaveränderung) an der festgestellten Entwicklung haben. Daher schlagen NLWKN und Nationalparkverwaltung für die kommenden Jahre die Durchführung zusätzlicher, wissenschaftlicher Untersuchungen vor, um möglichen Ursachen für den erneuten Seegraswiesenrückgang auf den Grund zu gehen.
Seegrasflächen sind auch im Jadebusen auszumachen, größere finden sich laut jüngster Kartierung etwa im Seefelder Watt bei Sehestedt und im Stollhammer Watt.

Unter mdi.niedersachsen.de/HeronKaDI können aktuelle wie vergangene Seegrasbestände in einer Kartendarstellung eingesehen werden (dazu im Menue links entsprechende Parameter auswählen).

 

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