Friesland

Film lädt ein zum „Besuch bei Tante Olga“

geschrieben von Michael Tietz

Filmemacher Karl-Heinz Heilig (re.) präsentierte jetzt seinen Film „Geschichten um das alte Kurhaus“ – natürlich ebendort. Zu den Premierengästen gehörten die Kurhausinhaber Maren Tapken und Wolf Becker sowie Uwe Fischer (li.) vom „Freundeskreis DangastFilm“, der vor mehr als zehn Jahren die Anregung für das Projekt gegeben hatte. Foto: Michael Tietz

„Leiser Film“ von Karl-Heinz Heilig feiert Premiere – DVD im Herbst


Dangast.
Es ist sein inzwischen neunter Film, doch vor der Premiere sei er „so aufgeregt wie beim ersten Mal“, verriet Filmemacher Karl-Heinz Heilig am vergangenen Sonntag, als er erstmals sein neuestes Werk aus der Reihe „Der leise Film“ vorführen konnte: „Besuch bei Tante Olga – Geschichten um das alte Kurhaus Dangast“ heißt der Film, der nun genau dort uraufgeführt wurde – im Saal des Kurhauses.

Die ersten Aufführungen fanden im kleineren Kreis statt, geladen waren dazu in erster Linie Unterstützer und Förderer des Filmprojekts. Zu den Zuschauern zählten ferner Maren Tapken und ihr Mann Wolf Becker, ihre Schwester Imke sowie Hannes und Lena Tapken. Schließlich steht die Familie Tapken im Mittelpunkt des Films, nicht zuletzt Marens Vater Karl-August. Der frühere Kurhauswirt starb im April 2016, seine Frau Ulrike vor zwei Jahren.

Idee im Jahr 2010

Die Anfänge des Projekts reichen inzwischen mehr als elf Jahre zurück: Uwe Fischer aus Rastede war es, der Karl-Heinz Heilig und seine Partnerin Ulla Haschen im Jahr 2010 den Vorschlag machte, doch einmal das Dangaster Kurhaus zum Gegenstand eines Films zu machen. „Weil ich wusste, dass die beiden gut zuhören konnten“, wie Fischer jetzt bei der Premiere betonte. Denn es wird in den Heilig-Filmen vor allem zugehört, genau hingeschaut, das Besondere gesucht.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Projektpartnerin Ulla Haschen machte sich Heilig an die Arbeit: Viele Stunden Material wurden gefilmt, Interviews geführt und Dokumente gesichtet. Ursprünglich war die Uraufführung des Kinofilms für das Jahr 2015 geplant. Doch das Projekt kam mit dem Tod Ulla Haschens im Jahr 2014 von einem Tag auf den anderen zum Stillstand. Karl-Heinz Heilig nahm sich eine Auszeit, widmete sich dann anderen Projekten. Das umfangreiche Kurhaus-Material blieb viele Jahre unbearbeitet.

Nicht zuletzt, weil die Finanzierung des Projekts nicht gegeben war. Daran aber sollte der Film nicht scheitern, das hatten sich vor zwei Jahren Uwe Fischer und einige Mitstreiter zum Ziel gemacht. Sie riefen den „Freundeskreis Dangastfilm Altes Kurhaus“ ins Leben und warben Spenden und Sponsorengeld ein. Denn der Aufwand bis zum fertigen Film war noch erheblich – Schnitt, Ton, Postproduktion. Eine Gewinnerzielungsabsicht gab es mithin nicht: Alle Heilig-Filme sind weitgehend von Idealismus getragen und werden ausschließlich privat finanziert, es gibt weder gewerbliche Auftraggeber noch öffentliche Filmförderung.

Nach gut einem Jahr war das Ziel erreicht, das Projekt auf der Zielgeraden: „Eigentlich hätte die Premiere im vergangenen Herbst stattfinden sollen, aber da hat uns dann Corona einen Strich durch gemacht“, erklärte Uwe Fischer.

Nun war es aber so weit, und die erste Aufführung war für einige der Beteiligten ein durchaus bewegender Moment. „Wie gern hätten wir heute Ulla Haschen sowie Ulrike und Karl-August Tapken dabei gehabt“, sagte Uwe Fischer, der kurz auf den „langen und unglaublichen Weg“ des Projekts einging.

Karl-Heinz Heilig zeigte sich glücklich darüber „nun Premiere feiern zu können an dem Ort, wo wir so viel gedreht haben“. Er bedankte sich ausdrücklich bei all jenen, die ihn auf vielerlei Weise unterstützt und immer wieder den Anstoß dazu gegeben hätten, das Projekt zu vollenden. Uwe Fischer unterstrich, dass das nicht möglich gewesen wäre ohne die Hilfe der Förderer, namentlich erwähnte er dabei die Stadt Varel, die Barthel-Stiftung, die Akademie Dangast sowie die LzO-Stiftung.

100 Stunden gefilmt

Aus mehr als 100 Stunden Rohmaterial ist ein Film von etwa 100 Minuten geworden, der, wie sein Macher betont, „keine Dokumentation von Kunst oder von Künstlern sein soll, sondern die Menschen portraitiert, die dieses Haus beseelen.“ Und die kommen in erster Linie selbst zu Wort, einen Kommentar gibt es im Film nicht. Die Geschichte wird allein getragen durch die Bilder und durch das, was die gezeigten Personen zu sagen haben.

Bereichert wird der Film durch Erzählungen und Aufnahmen des Oldenburger Fotografen Tim Gerresheim, der in den 1970er und 80er Jahren das Treiben von Anatol und Co. im Kurhaus begleitete und viele Momente im Bild festhalten konnte. „Anatol hat das Kurhaus als sein Atelier betrachtet“, berichtet Gerresheim etwa, „und es war schon sehr ungewöhnlich, wie frei sich die Künstler hier bewegen konnten.“ Der Titel nimmt Bezug zu einer Ausstellung des Kunstvereins Oldenburg, initiiert 1974 von Beuys-Schüler Anatol und dem Oldenburger Bildhauer Eckart Grenzer. „Tante Olga“, das war die Mutter von Karl-August Tapken. Mithin schaut der Film zurück bis in die Jahre, als das Haus noch von Karl-Anton und Olga Tapken geführt wurde. Und blickt auf die Gegenwart, in der nun Maren Tapken mit ihrer Familie das Kurhaus prägt. Natürlich geht es auch um Rhabarberkuchen – den übrigens, soviel darf verraten werden, nicht etwa Karl-August eingeführt, geschweige denn je selbst gebacken hat.


>> Der Film „Besuch bei Tante Olga – Geschichten um das alte Kurhaus Dangast“ (101 Minuten) soll in den nächsten Monaten in ausgewählten Kinos in der Region gezeigt werden. Außerdem soll bis zum Herbst, so hofft Karl-Heinz Heilig, auch eine DVD-Version verfügbar sein.
Infos zum Projekt und Vorbestellungen unter: www.heilig-film.de
(12. Juli 2021)

 

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