Friesland

Start im Impfzentrum frühestens am 9. Februar

geschrieben von Michael Tietz

Im Impfzentrum in Roffhausen wird frühestens am 9. Februar geimpft. Symbolfoto

Abläufe sind eingespielt, alle Vorbereitungen getroffen. Nur am Impfserum mangelt es weiterhin.

Friesland.
Nachdem das Impfzentrum des Landkreises Friesland pünktlich – und wie vom Land Niedersachsen verlangt – am 15. Dezember Einsatzbereitschaft gemeldet hatte, lassen die ersten zentralen Impfungen gegen das Coronavirus wohl noch weitere Wochen auf sich warten: Es kommen weiterhin nur sehr überschaubare Mengen Impfstoff in Friesland an, und das auch nur kleckerweise. Nach gegenwärtigem Stand können im Impfzentrum in Schortens-Roffhausen frühestens ab dem 9. Februar die ersten Impfungen erfolgen, die dann für Personen von über 80 Jahren vorgesehen sind, die nicht in Pflege- und Seniorenheimen wohnen.

Bekanntlich werden durch die mobilen Impfteams auch in Friesland zunächst die Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte in den Friesland-Kliniken mit dem Immunserum versorgt.

Nach einer Woche war erstmal Schluss

Diese Teams haben in Friesland die Arbeit am 4. Januar aufgenommen, insgesamt 1.100 Dosen sind innerhalb von sieben Tagen verabreicht worden. Rund 880 Personen sind in stationären Pflegeeinrichtungen in Sande, Bockhorn, Varel, Zetel und Jever geimpft worden, hinzu kommen 220 Beschäftigte aus den beiden Krankenhäusern in Varel und Sanderbusch.
Bei einer ersten Bilanz im Rahmen eines Pressegesprächs am Freitag zeigte sich Uwe Nitsche als Leiter des Impfzentrums Friesland sehr zufrieden: Es habe ein, zwei Tage Eingewöhnung gebraucht, dann hätten sich die Abläufe eingespielt und es seien auch einige zusätzliche Dosen verimpft worden, „weil wir nichts wegwerfen wollten“; wie Nitsche betonte, so habe man auch Mitarbeiter des Rettungsdienstes hinzunehmen können. Bekanntlich lassen sich tatsächlich sechs Impfdosen aus einem Fläschchen gewinnen, für das eigentlich fünf Portionen kalkuliert sind.

„Wir sind schon sehr viel effizienter geworden“, betont auch Dr. Henning Fründt als leitender Mediziner des Impfzentrums, mit Blick auf die Arbeit der mobilen Impfteams. Bislang waren zwei dieser Teams im Einsatz, ab dem 20. Januar sollen es drei sein. An guten Tagen habe man 100 bis 120 Impfungen am Tag geschafft, künftig sei also mit bis zu 300 Impfungen täglich allein durch den Außendienst zu rechnen.


So geht es weiter

Nach derzeitigem Stand wird der Landkreis Friesland in den kommenden Wochen alle 18 Tage mit je knapp 1.000 neuen Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer versorgt, das nächste Mal am 20. Januar, danach wieder am 8. Februar. Erst mit diesem dann dritten Durchlauf werden die dezentralen Impfungen in den Pflegeeinrichtungen abgeschlossen sein.

„Wir gehen davon aus, dass danach etwa 400 bis 500 Impfdosen der dritten Lieferung übrig sein werden, die dann theoretisch ab dem 9. oder 10. Februar im Impfzentrum verabreicht werden können“, so Dr. Fründt. Weitergehen würde es demnach dann wieder erst um den 27. Februar.
Alle Personen, die einmal geimpft worden sind, erhalten übrigens garantiert auch die zweite Impfung drei Wochen später: Das Land Niedersachsen halte den dafür benötigten Impfstoff entsprechend vor und werde ihn zur gegebenen Zeit ausliefern.

Hohe Impfbereitschaft auch bei Pflegekräften

Landrat Sven Ambrosy zeigte sich am Freitag sehr erfreut über die hohe Impfbereitschaft auch bei den Belegschaften der Einrichtungen: „Was man von anderswo hört, dass die Hälfte des Personals vorerst auf die Impfung verzichten will, das können wir in Friesland nicht bestätigen. Die Quote ist sehr hoch und ich bedanke mich auch bei den Einrichtungen für deren wichtige Aufklärungsarbeit im Vorfeld in ihren Häusern und die gute Vorbereitung.“ Auch Dr. Henning Fründt zollte den Beschäftigten in den Einrichtungen Respekt: „Die Teams sind überall gut aufgenommen, verpflegt und nach Kräften unterstützt worden, das ist insgesamt sehr professionell abgelaufen.“ Er gehe davon aus, so der Mediziner, dass die nächste Charge ab 20. Januar innerhalb von vier Tagen verimpft werden könne, bei der darauffolgenden seien noch zwei Tage angesetzt (7. und 8. Februar), so dass sich der Fokus ab dem 9. Februar auf das Impfzentrum richte.


Wenn im Impfzentrum der Betrieb in vollem Umfang anläuft, können dort nach Angaben von Landrat Ambrosy bis zu 900 Menschen täglich geimpft werden, theoretisch sieben Tage die Woche. Einschließlich der mobilen Teams könnten damit rund 1200 Dosen pro Tag verabreicht werden. „Dann hätten wir 60 Prozent der Menschen im Landkreis in zwölf Wochen geimpft.“ Wie gesagt, theoretisch, denn wann das Impfserum in ausreichender Menge geliefert wird, ist völlig unklar. Wohl erst im zweiten Quartal des Jahres könne man richtig durchstarten, so der Landrat.
Vor diesem Hintergrund bezeichnete es Sven Ambrosy auch als unglücklich, dass von Seiten des Landes ein Impfstart in den Zentren zum 1. Februar angekündigt worden sei. „Kaum ein Landkreis wird das schaffen, weil die bis dahin gelieferten Rationen noch nicht mal für das Durchimpfen in den Pflegeheimen reichen.“ Das werde für viel Frust bei den Menschen sorgen, die nun weiter vertröstet werden müssen. "Wir haben das nicht in der Hand, das Warten ist dem Mangel an Impfstoff geschuldet", betonte der Landrat.


So kommt man an einen Termin zur Impfung
Uwe Nitsche betonte, dass Impftermine ausschließlich durch das Land Niedersachsen vergeben werden, das Vorsprechen beim Landkreis oder gar direkt im Impfzentrum sei zwecklos. "Wir erleben es jetzt schon, dass Menschen bei uns in Roffhausen vor der Tür stehen", so Nitsche - wer keinen Termin von der zentralen Vergabehotline habe, werde unweigerlich wieder weggeschickt.
Einen Termin für eine Corona-Impfung gibt es entweder telefonisch unter Tel. 0800/9988665 (Mo. bis Sa. 8-20 Uhr)oder online via www.impfportal-niedersachsen.de - beides ist zur Terminvergabe erreichbar ab dem 28. Januar.

Die Terminvergabe ist dabei mit der Menge des vor Ort verfügbaren Impfstoffs abgestimmt, heißt: Wer einen Termin bekommt, wird dann auch garantiert geimpft und nicht womöglich wieder nach Hause geschickt, weil die Fläschchen leer sind. "Die Termine werden nach dem Windhund-Prinzip vergeben", betonte der Landrat, man sei also gut beraten, sich ab dem 28. Januar zügig darum zu bemühen.

Geimpft werden dann weiterhin zunächst Personen im Alter von über 80 Jahren, das sind in Friesland - außerhalb der Pflegeeinrichtungen - etwa noch 7.000 Menschen. Noch in weiterer Ferne liegt das dezentrale Impfen etwa durch Hausärzte: Das sei, so Ambrosy, im Grunde erst möglich, wenn der dritte Impfstoff von Astra-Zeneca eingesetzt werden könne, der nicht so hohe Anforderungen an die Kühlung stelle. Dieser Impfstoff befindet sich noch in der Zulassung.

So sind alle Impfwilligen zunächst auf die Fahrt ins Impfzentrum angewiesen - und das sei grundsätzlich gut zu erreichen, mit dem Auto ebenso wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, so der Landrat. Für Härtefälle sei ein Fahrdienst denkbar, "auf keinen Fall darf das an den Kosten scheitern", wenn etwa jemand das Geld für ein Taxi nicht von der Krankenkasse erstattet bekomme. Hinsichtlich einer solchen konzertierten Unterstützung soll in der kommenden Woche ein Gespräch mit den Bürgermeistern aus Friesland stattfinden.



Hohes Durchschnittsalter in Friesland

Im Kreis Friesland leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen, laut Landrat ist der Kreis der mit der zweitältesten Bevölkerung in ganz Niedersachsen: Laut Demografiebericht 2018 sind allein fast acht Prozent der FriesländerInnen 80 Jahre und älter, weitere 19 Prozent zwischen 65 und 79 Jahren alt. In Summe sind das mehr als 25.000 Menschen - würde die Versorgung mit Impfstoff nur im bisherigen Takt weitergehen, wäre allein diese Altersgruppe bis Ende des Jahres noch nicht vollständig geimpft.

 

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